Grenzgeschichten: Die Holzfällerkinder aus dem Böhmerwald
Zum Unterschied von heute wurde einst das Böhmerwaldgebiet von vielen Familien mit Kindern besiedelt.

Die Männer fanden reichlich Arbeit bei der Holzgewinnung und anfangs auch bei der Glaserzeugung. Die Wege in das Tal waren nicht nur beschwerlich, sondern auch weit. Für Kinder kam deshalb kaum ein geregelter Schulbesuch zustande. Bereits im Jahr 1870 ersuchte man in Glöckelberg um Aufnahme der Holzfällerkinder. In dieser Not wurde auch die Idee eines Schulbaus geboren. Die Fertigstellung erfolgte im Jahr 1937 mit einer Klasse für dreißig Kinder. Die Gemeinde Ulrichsberg verblutete sich finanziell dabei völlig. Erst im Jahr 1940 konnten unter deutscher Finanzhoheit die Schulden getilgt werden.
Beschwerlich wie das Leben der Holzfäller war, war auch das Wirken der Lehrkräfte, die man stets nur für kurze Zeit für dieses Leben in Einsamkeit und Genügsamkeit gewinnen konnte. Am längsten blieb der Schulleiter Franz Dengg, der sich statt des Salzkammergutes, sich mit den Böhmerwald begnügte, damit diese Kinder nicht zu kurz kämen.
Die Schülerzahl sank jedes Jahr. Warum das so war, errät man bei der Betrachtung der vielen Benachteiligungen. So fehlte von vielem der elektrische Strom für ein zivilisiertes Leben. Vom Fehlen der Verkehrsmittel ganz zu schweigen, fiel dem Schulleiter ein, man könnte sich mit einem Maultier, das Heimschleppen von Lebensmitteln erleichtern. Am Sonntag setzte er sich selber gern auf das freundliche Haustier, um den Böhmerwald zu erkunden. Mit der Pensionierung des Schulleiters und Lehrers für die letzten acht Kinder schloss auch die kleine Böhmerwaldschule ihre Pforten. Wer die friedlichen und genügsamen Waldmenschen kennt, wundert sich nicht, dass so viele noch den vom Böhmerwalddichter Adalbert Stifter besungenen Erdenfleck bewohnen und ihren Frieden hier finden.
Verfasser: Fritz Winkler


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