Biber sorgt bei Bauern für Unmut
ULRICHSBERG/ BEZIRK. Nicht nur im Pöschlteich in der Bezirkshauptstadt haben sich Biber eingenistet, auch entlang der Großen Mühl und anderer Flüsse und Bäche sind die Nager aktiv und machen den Landwirten das Leben schwer. Mehr als 40 Hektar sind bezirksweit betroffen. Ein Lokalaugenschein.

Der Böhmwind pfeift, es schneit. An einem der wenigen wirklichen Wintertage des Jahres treffen wir Landwirt Franz Pfleger. Der hats einerseits gut, weil er im Gegensatz zum Schreiber dieser Zeilen mit Haube und Handschuhen zum Termin gekommen ist, andererseits hat er halt mit dem Biber ein anderes Gfrett.
Hinter dem E-Werk Dietrichschlag an der Großen Mühl in Ulrichsberg macht Pfleger klar, worum es ihm unter anderem geht. Ein Baum hängt quer über den Kraftwerkszulauf und den danebenliegenden Weg. Gefällt hat ihn der Biber. „Falls er aber jemanden erschlägt, würde ich zur Verantwortung gezogen werden.“
Bauern haften
Bezirksbauernkammerobmann Georg Ecker bestätigt das. „Bauern, die von Biberschäden wie angefressenen Bäumen wissen, diese trotzdem nicht beheben, haften falls jemand zu Schaden kommt.“ Vor allem weil entlang von Gewässern oft Wanderwege führen, sei das eine Belastung. Der Bezirksbauernkammer ist die Biberproblematik bekannt. „Von der Donau aus haben sie die Mühlviertler Flüsse besiedelt und dringen immer weiter nach Norden vor.“
Fressfeinde gebe es keine, „höchstens den Wolf, aber den wollen wir nicht haben“, sagt Ecker. Und so vermehren sich die Biber ungehindert und besiedeln immer weitere Gebiete. „Die Jungtiere werden irgendwann von den Eltern verjagt und müssen sich ein neues Revier suchen. Deswegen gibt es nicht an einem Ort Scharen von Bibern, sondern sie teilen sich die Fluß- und Bachläufe eben auf.“
„Wenn er zur Plage wird, muss man etwas unternehmen“
Zurück nach Ulrichsberg. Franz Pfleger ist kein Biberfeind. „Uns geht es nicht darum, den Biber auszurotten, aber wenn er zur Plage wird, muss man etwas unternehmen.“ Und seit etwa eineinhalb Jahren sei er eine Plage. Mittlerweile müssen nicht nur kleine Sträucher direkt an den Gewässern dranglauben, der Biber nimmt sich größere Bäume in weiterer Entfernung vor. „Wir haben versucht den Baumbestand zu ändern, haben Eichen gepflanzt, die er angeblich nicht mag.“ Die Ulrichsberger Biber scheinen nicht wählerisch zu sein und fressen auch die. Zäune rund um Baumstämme seien ebenfalls keine flächendeckende Lösung.
Traktoren brechen in Biberbauten ein
Es gibt aber nicht nur Schäden durch gefällte Bäume, der Biber untergräbt für seine Bauten die Uferbereiche. „Ich bin hier beim Mähen schon eingebrochen, denn von außen sieht man die untergrabenen Bereiche kaum“, berichtet Pfleger. In so einem Fall müsse man erstmal den Traktor bergen und gegebenenfalls reparieren. „Und wenns blöd hergeht passiert sowas während der Erntezeit, wo es sowieso schon stressig ist.“
Pfleger und seine Kollegen werden für die Beeinträchtigungen durch den Biber entschädigt. 50 Euro bekommen sie. Das stehe in keinem Verhältnis zum Aufwand. Aber nicht Geld, sondern dass sich etwas ändert stehe für sie im Mittelpunkt. „Wir wollen die Schäden, egal ob gefällte Bäume, einbrechende Uferbereiche oder Überschwemmungen durch Biberdämme nicht mehr hinnehmen.“ Man habe versucht den Biber zu vergrämen, habe die Stauden entlang der Bäche abgeschnitten, um ihm die Futterquelle zu nehmen; gebracht habe alles nicht.
Biber sollen entnommen werden
Die Landwirte schlagen vor, Biber zu entnehmen. Das heißt im Klartext ihn zu fangen oder gleich zu töten. Da die Tiere geschützt sind, ist das ganze rechtlich gesehen aber nicht so einfach. Trotzdem gibt es die Möglichkeit, einen Antrag auf Entnahme zu stellen, wie es die Gemeinde Rohrbach-Berg bei den Pöschlteich-Bibern gemacht hat. Diese Entnahme wurde aber nicht genehmigt und deshalb schätzen auch die Bauern ihre Chancen gering ein, dass ein solcher Antrag bewilligt wird. Sie werden es trotzdem probieren. Von den Ulrichsberger Bibern wird man wohl nicht zum letzten Mal gehört haben.


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