Welser Bürgermeister Andreas Rabl „Bei vielen geht es um die Existenz“

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Gerald Nowak Gerald Nowak, Tips Redaktion, 14.04.2020 07:00 Uhr

WELS. Das öffentliche Leben fährt langsam wieder hoch, trotzdem wird Corona alle noch lange begleiten. Bürgermeister Andreas Rabl (FP) spricht über die Folgen, aber auch warum es ein Fehler war den Wochenmarkt ohne Maske zu besuchen.

Tips: Herr Bürgermeister. Die Corona Krise hält die Welt in Atem. Wie ist die Situation in Wels aus ihrer Sicht?

Rabl:  Die Zahl der Corona-Virus-Erkrankten ist in den letzten Tagen massiv zurückgegangen, die Entwicklung ist daher äußerst positiv. An dieser Stelle möchte ich mich sehr herzlich bei der Welser Bevölkerung bedanken, die die vorgegebenen Beschränkungen in großer Eigenverantwortung und Selbstdisziplin umgesetzt und damit eine Ausbreitung dieser Epidemie verhindert hat. Jetzt geht es darum, die Folgen der Schließungen für die Welser Wirtschaft möglichst gering zu halten. Wir alle müssen daher jene Menschen und Unternehmen unterstützen, die am meisten unter dieser Krise gelitten haben. Bei vielen geht es um ihre Existenz. Jeder Bürger kann jetzt helfen, indem er in Wels einkauft und das gastronomische Angebot nutzt. Hier gilt unser Grundsatz „Klick nicht fort, kauf im Ort“ – und schon gar nicht im Internet.

Tips: Es wird viel diskutiert über Unterstützung des Bundes und Landes. Wie kann die Stadt den Menschen und den Unternehmern helfen?

Rabl: Wels wird eine soziale Stadt bleiben. Wir lassen niemanden im Stich. Aus diesem Grund haben wir für all jene Bürger, die unverschuldet aufgrund der Corona-Krise in Not geraten sind, einen Solidaritätsfonds ins Leben gerufen, der Unterstützungszahlungen für das alltägliche Leben  gewährleistet. Darüber hinaus haben wir für die Wirtschaft ein Hilfspaket mit einem Volumen von über einer Million Euro geschnürt. Darin enthalten ist ein Soforthilfepaket gerade für die kleineren Unternehmer und Gastronomen, die bei gleichbleibenden Fixkosten aufgrund der Schließung keine Umsätze erzielen und auf ihren Lagerbeständen sitzen bleiben. Leider war eine Auszahlung bisher nicht möglich, da ein gleichzeitiger Bezug der Bundesförderungen und der Förderungen der Stadt von Bundesseite untersagt wurde. Gemeinsam mit Stadtrat Lehner haben wir mehrere Gespräche geführt und Schreiben an die Bundesregierung gerichtet, um eine Änderung der Bundesrichtlinie in diesem Punkt zu erreichen. Leider ist es noch immer nicht möglich, sowohl die Förderungen der Stadt als auch die Förderung des Bundes in Anspruch zu nehmen. Es bleibt abzuwarten, ob es hier noch zu Änderungen kommt.

Tips: Die Bevölkerung hat die Maßnahmen mit großer Ruhe angenommen. An welchen Schrauben wird jetzt gedreht?

Rabl: Wir haben in den letzten Tagen wiederholt einen Schritt in Richtung Normalität gemacht. So ist das Altstoffsammelzentrum Nord wieder in Betrieb, der Tierpark wurde aufgesperrt ebenso wie die Spielplätze. Die Öffnungen der kleineren Geschäfte war ein wichtiger Schritt, für die Konsumenten, sondern vor allem für die Kaufleute und für die Innenstadt. Wir müssen aber mit großer Bedachtsamkeit und Umsicht vorgehen, um einen Rückfall zu verhindern.

Tips: Ende April wäre das Maibaum-Aufstellen, die Shopping Night und die Öffnung des Freibades?

Rabl: Alle großen Veranstaltungen sind bis auf Weiteres abgesagt. So sehr ich es selbst bedaure, diese Absagen sind notwendig, um eine Wiederausbreitung des Virus zu verhindern. Wo es möglich ist, werden die Veranstaltungen nachgeholt. Eines ist sicher: Nach dieser schwierigen Krise haben wir ausreichend Grund, um zu feiern.

Tips: Für den Wochenmarkt und Friedhof gibt es eine Maskenempfehlung. Sie selbst haben am Wochenmarkt ohne Maske Schokolade verteilt, obwohl sie vorher für ein Pressefoto eine aufgehabt habt. Die SPÖ hat sie vehement dafür kritisiert?

Rabl: Am Markt wurde die Empfehlung ausgesprochen, eine Maske zu tragen. Jeder sollte selbst entscheiden, ob er dieser Empfehlung nachkommt. Unabhängig davon habe ich als Bürgermeister eine Vorbildfunktion. Es war ein Fehler den Wochenmarkt ohne Maske zu besuchen. Ich halte wenig davon, aus derartigen Versehen politisches Kleingeld zu schlagen, weil wir Gefahr laufen, uns in wechselseitigen Anschuldigungen und Vernaderungen zu verlieren. Jetzt ist nicht der Zeitpunkt, um mit dem Finger auf andere zu zeigen, sondern wir sollten alle versuchen, im eigenen Bereich möglichst wenig Fehler zu machen.

Tips: Es gibt jetzt einige Projekte, die ruhen?

Rabl: Richtig ist, dass durch die Corona-Krise einige Projekte unterbrochen wurden, wir haben aber versucht, möglichst viele Vorhaben heranzubringen. Die Mitarbeiter des Magistrates haben großartige Arbeit geleistet. Ziel ist, dass wir nach Aufhebung der Beschränkungen Vollgas geben können. Die Wirtschaft soll ungehindert arbeiten können, damit sich die Kurzarbeit reduziert. Beim Umbau des Stadttheaters wird schon weitergearbeitet.

Tips: Es ist jetzt fast eine Frage nach den Lottozahlen oder ob es weiße Weihnachten heuer geben wird. Wie wird Wels durch die Krise verändert?

Rabl: Ich gehe davon aus, dass es durch die Krise auch in Wels zu massiven Einkommensausfällen kommen wird. Wir haben in den letzten Jahren aber hohe Budgetüberschüsse erwirtschaftet und dadurch finanzielle Reserven aufgebaut. Diese kommen uns jetzt zugute. Es ist aber noch fraglich, ob alle geplanten Projekte verwirklicht werden können. Diesbezüglich wird es in den nächsten Tagen Gespräche mit der Stadtregierung geben. Das betrifft naturgemäß auch den Neubau der Messehalle und die Verlegung des Messegeländes von Osten in den Westen. Die Welser sind insgesamt innovativ und sehr fleißig, weshalb ich sicher bin, dass wir gemeinsam gestärkt aus dieser Krise hervorgehen werden.

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