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WELS. Im Stadtgebiet befinden sich derzeit sechs Stolpersteine. Das sind im Boden eingelassene Messingplatten, die an das Schicksal von Menschen erinnern, die während des NS-Regimes verfolgt, ermordet oder deportiert wurden. Jetzt wurden fünf weitere Erinnerungssteine, wie Stolpersteine auch genannt werden, verlegt.

  1 / 2   Bildtext: Die Mitarbeiter der Abteilung Tiefbau Dervis Halilovic, Nikola Batinic und Dusko Barisic (v.l.n.r.) beim Einsetzten der StolpersteineFoto: Siegfried Kerbl (Bildrechte: Siegfried Kerbl)

Vor 29 Jahren wurden 1997 die weltweit ersten Stolpersteine in St. Georgen-Holzhausen (Flachgau) verlegt und erinnern an die Brüder Johann und Matthias Nobis, die als Zeugen Jehovas den Wehrdienst verweigerten und 1940 in Berlin hingerichtet wurden. Der Künstler Gunter Demnig, Initiator des Projekts, fertigt Steinwürfel an, die auf der Oberseite kleine Messingplatten mit dem Namen des Opfers tragen, und verlegt sie an deren einstigen Wohnorten. Bisher liegen in 31 Ländern über 116.000 dieser zehnmalzehn-Würfel. Damit ist das Kunst-Denkmal das größte dezentrale Mahnmal der Welt.

Die ersten Stolpersteine in Wels

2008 wurden die ersten Stolpersteine in Wels verlegt. Die sechs bisher eingebauten Stolpersteine erinnern an Karl Ammer, Elfriede Grünberg, Ernestine Grünberg, Klara Grünberg, Ignaz Rössler und August Wörndl. Drei davon waren jüdische Frauen, zwei gehörten der sogenannten „Welser Gruppe“ als Widerstandskämpfer an und August Wörndl war katholischer Ordenspriester.

Fünf weitere Erinnerungssteine

In Zusammenarbeit mit der Stadtgemeinde Wels wurden letzte Woche fünf weitere Erinnerungssteine verlegt. Sie gehörten der Opfergruppe mit dem „lila Winkel“ an und waren so als Bibelforscher, wie Jehovas Zeugen damals genannt wurden, leicht zu erkennen. Zu den Opfern gehörten das Ehepaar Anna Emilie und Egmund Andreas Stadtegger in der Alois-Auer-Straße 16, Frau Anna Zötl in der Hans-Sachs-Straße 22, Herr Ludwig Anton Estl in der Dr.-Groß-Straße 26b und Frau Maria Berger in der Salzburger Straße 47/1.

Sie verweigern als Zeugen Jehovas von Beginn an den Hitlergruß, den Wehrdienst und jegliche Tätigkeit in der Rüstungsproduktion. Daraufhin wurden sie vom NS-Regime verboten und verfolgt.

Diese Verfolgung setzte unmittelbar nach Hitlers Machtergreifung 1933 ein und die Bibelforscher gehörten zu den Ersten, die in die Konzentrationslager der Nazis verbannt wurden. Von den damals 800 Zeugen Jehovas, die in Österreich lebten, wurden 640 in irgendeiner Form verfolgt und 154 verloren ihr Leben, weil sie sich weigerten, das biblische Gebot „Du sollst nicht töten“ zu brechen.

Opfer in Wels

Auch Wels blieb nicht verschont. Vier der fünf Opfer kommen im NS-Regime ums Leben. Nur Anna Zötl überlebt den Holocaust. Anna Emilie Stadtegger wird im September 1943 gehängt, ihr Mann kommt 17 Monate später im Zuchthaus Siegburg ums Leben, Ludwig Anton Estl stirbt im KZ Dachau und Maria Berger verstirbt mit 76 Jahren am 25. August 1942 kurz nach ihrer Entlassung aus dem Gefängnis an den Folgen der Haftbedingungen.

Erinnerungsveranstaltung in der Stadthalle Wels

Am Montag, dem 30. November 2026, wird deshalb an die fünf Opfer aus Wels erinnert, für die jeweils ein Stolperstein an ihren früheren Wohnadressen verlegt wurde. In der Stadthalle Wels wird um 18.00 Uhr die Geschichte der örtlichen Opfergruppe von Jehovas Zeugen näher beleuchtet und der Bogen in unsere Zeit gespannt, um deutlich zu machen, welche Folgen Ausgrenzung, Mobbing und die Missachtung der Menschenrechte für unsere Gesellschaft haben.

Bei dieser Veranstaltung werden die Geschichte und das Leben der fünf Opfer aus Wels erzählt, die nicht in Vergessenheit geraten dürfen. Alle fünf Berichte berühren auf eine besondere Art und Weise, da ihr Mut und ihre Standhaftigkeit Hinterbliebene, Nachgeborene und Historiker gleichermaßen bis heute beeindrucken.

Die Erinnerungsveranstaltung wird musikalisch vom Duo „Roob & Simon“ begleitet, das mit Klavier und Violine eine einzigartige Verbindung zwischen Klassik und moderner Musik schafft. Ein Musikstück stammt von Erich Frost, welches er als Häftling im Konzentrationslager Sachsenhausen komponierte. Der Titel lautet „Fest und entschlossen“ und könnte nicht passender für die Opfergruppe stehen, die von Beginn an Widerstand leistete.

Den Begriff „Widerstand“ wird auch Fr. Mag. Renata Schmidtkunz, bekannt durch ihre 35-jährige Tätigkeit als Redakteurin, Filmemacherin und Moderatorin beim ORF in Wien, in ihrer Festrede aufgreifen. Die Journalistin und evangelische Theologin wird erklären, wie es dazu kam, dass der Widerstand der Zeugen Jehovas oftmals den Tod zur Folge hatte. 

Besucher dürfen sich auf die einleitende Rede von Stadtrat Stefan Ganzert freuen, der das Projekt Stolpersteinverlegung engagiert und mit viel Arrangement vorantrieb. Ein weiterer Höhepunkt ist die Stimme der Jugend. Zwei junge Menschen beschäftigten sich mit der Geschichte der fünf Opfer und erzählen, wie die Haltung und die Gesinnung dieser Menschen ihre Sicht verändert haben.

Veranstalter: Verein „Lila Winkel“

Der Verein „Lila Winkel“ widmet sich seit 1998 der Rehabilitierung und Unterstützung von Opfern der NS-Zeit. Durch die Gedenkveranstaltung am Montag, dem 30. November 2026, um 18:00 Uhr in der Stadthalle Wels erinnert der Verein an das Schicksal der Opfergruppe von Jehovas Zeugen in Wels. Die Teilnahme an der Gedenkveranstaltung ist kostenlos und es finden keine Geldsammlungen statt. Der Verein „Lila Winkel“ lädt dazu herzlich ein.

Tag der Veranstaltung: Montag, der 30. November 2026, um 18:00 Uhr Ort der Veranstaltung: Stadthalle Wels, 4600 Wels, Pollheimerstraße 1 Beginn: 18:00 Uhr

Einlass: 17:00 Uhr

Voraussichtliches Ende: 19:30 Uhr

 


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