WELS. Morgen, Donnerstag, tagt der Kontrollausschuss. Die Staatsanwaltschaft ermittelt weiter. Immer wieder taucht die Frage der Verantwortung auf. Magis-tratsdirektorin Renate Kamleithner steht mitten im Geschehen und spricht über ihre Verantwortung und die Folgen aus der Causa Welldorado.
Tips: Die Vorwürfe im ersten Bericht an den Kontrollausschuss waren gravierend. Wie ging es Ihnen selbst, als Sie am 24. November in einem anonymen Schreiben die Vorwürfe lasen?Kamleithner: Es war sehr schnell für mich klar, welche Schritte ich in welcher Reihenfolge zu setzen habe. Für Gefühle war keine Zeit. Tips:Was ist konkret passiert?Kamleithner: Der Kontrollabschlussbericht für die entlassene Kassierin hat eine Schadenssumme von über 300.000 Euro festgestellt. Der Abteilungsleiter und der Dienststellenleiter sind ihrer Kontrollpflicht nicht ausreichend nachgekommen. Die Angelegenheit liegt nun bei Gericht zur strafrechtlichen Prüfung. Die Kassierin wurde sofort entlassen, die beiden Vorgesetzten sind pragmatisierte Beamte und können daher nicht entlassen werden. Sie müssen sich vor der externen Disziplinarkommission verantworten. Tips: Die Staatsanwaltschaft hat Ermittlungen gegen eine zweite Kassierin aufgenommen. Es soll Hausdurchsuchungen gegeben haben. Das ist die Justizseite. Wie geht es in der Disziplinarkommission weiter?Kamleithner: Die Leiterin der Disziplinarkommission, eine Linzer Juristin, wird in den nächsten Wochen eine erste Sitzung einberufen. Dann ist das Verfahren von Gesetzes wegen unterbrochen bis das Gericht rechtskräftig entschieden hat. Tips: Die beiden Welser SP-Lenker Hermann Wimmer und Johann Reindl-Schwaighofer hängten Ihnen bei einer Pressekonferenz das Taferl mit der Verantwortung gemeinsam mit Bürgermeister Peter Koits um. Stört Sie dieses Vorgehen und vor allem wer hat die Verantwortung?Kamleithner: Ich war mal sehr erstaunt, als ich dies erstmals in der Zeitung las. Tatsache ist, dass mit der Magistrats-reform 1992 die Zuständigkeiten des Magistratsdirektors in der Stadt Wels sehr drastisch eingeschränkt worden sind - noch deutlich mehr als in Linz und Steyr - dass die Stadträte und Vizebürgermeister ein direktes Durchgriffs- und Weisungsrecht auf die einzelnen Abteilungen haben, dass der Kontrollausschuss jederzeit einen Prüfauftrag erteilen kann und so weiter. Der rechtswidrige Arbeitsprozess hat sechs Jahre vor meinem Dienstantritt in Wels begonnen. 2013 habe ich einen Auftrag zur Organisationsentwicklung in der damaligen Abteilung erteilt, der massivst boykottiert und schließlich vom Bürgermeister als Vorstand des Magistrats abgesagt wurde. 2014 habe ich den Bürgermeister zwei Mal schriftlich um Einleitung von disziplinären Maßnahmen gegen den damaligen Abteilungsleiter gebeten, die jedes Mal unbeantwortet blieben. Meine Dienstaufsichtspflicht habe ich mit den mir zustehenden Mitteln erfüllt, die Aufklärung und Aufarbeitung noch am selben Tag gestartet, an dem ich erstmals informiert wurde. Nachdem die Welser Politik vor 22 Jahren fast die gesamte Gestaltungsmacht an sich gezogen hat, muss sie auch die Verantwortung dafür tragen. Tips: Welche Lehren muss das Magistrat aus der Causa Welldorado ziehen?Kamleithner: Wir haben das Welldorado in jeglicher Hinsicht geprüft, auch Arbeitsplatzsicherheit, Brandschutz, Fluchtwege und so weiter. Die Bereinigung aller offenen Punkte ist beauftragt und läuft nach Plan. Wir prüfen derzeit alle internen Kontrollsysteme. Ganz generell wird sich die Politik die Frage stellen müssen, ob es klug war, über Jahre hinweg bei der Weiterbildung der Mitarbeiter so viel zu sparen, und ob die derzeitige Aufteilung der Verantwortung effizient ist. Tips: Wie hat sich die Stimmung im Haus Magistrat entwickelt - Wahlen stehen vor der Tür?Kamleithner: Es hat definitiv ein noch stärkeres Zusammenrücken gegeben – auch weil alle Magistratler plötzlich verdächtigt wurden. In jeder Krise steckt auch eine Chance und die nützen wir für das gemeinsame Weiterentwickeln des Dienstleisters Magistrat. Tips: Ihr Arbeitsbeginn am Magistrat jährt sich in wenigen Wochen zum dritten Mal. Welche Wünsche haben Sie an die Politik? Welche weiteren Ziele haben Sie für Ihre Arbeit?Kamleithner: Wir haben in den letzten Monaten alle innerdienstlichen Dienstvorschriften evaluiert und sind dabei sie zu erneuern. Dasselbe gilt für Brandschutz, Arbeitsplatzsicherheit, Wartungen und Katas-trophenschutz. Wir haben das Intranet eingeführt, das Weiterbildungsprogramm erneuert. Alle Führungskräfte sind derzeit in einer Schulung – erstmals seit vielen Jahren. Wir möchten das fortsetzen, dafür brauchen wir Geld von der Politik. Ebenso für die Ausrollung des elektronischen Aktes und die Einrichtung eines Bürgerservice-Centers nach Linzer Vorbild. Die Verwaltungsvereinfachung ist ebenso ein Ziel in den nächsten Monaten. Ich bin stolz auf die Meilensteine, die wir in den letzten Monaten intern geschafft haben. Weitere werden folgen.
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