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Erfolgreiche Chemikerin aus Gunskirchen will Mädchen für MINT-Fächer begeistern

Mag. Ingrid Oberndorfer, 25.04.2024 12:08

GUNSKIRCHEN. Seit fast 20 Jahren findet am vierten Donnerstag im April der Girls´ Day statt. Der Aktionstag der heuer am 25. April stattfindet, soll Mädchen und Frauen motivieren, technische und naturwissenschaftliche Berufe zu ergreifen - so wie Susanne Reischauer es getan hat. Die Chemikerin aus Gunskirchen ist Senior Project Leader in der Technologieentwicklung von Infineon, einem weltweit führenden Anbieter von Halbleiterlösungen, in Villach. 

Susanne Reischauer war schon als Kind begeistert von Chemie. Jetzt begleitet sie bei Infineon die Entwicklung neuer, noch energieeffizienterer Chips von den Kinderschuhen bis zur Marktreife. (Foto: Infineon)
Susanne Reischauer war schon als Kind begeistert von Chemie. Jetzt begleitet sie bei Infineon die Entwicklung neuer, noch energieeffizienterer Chips von den Kinderschuhen bis zur Marktreife. (Foto: Infineon)

„Wissenschaft und Technik haben im deutschsprachigen Raum völlig zu Unrecht ein Image mit wenig Strahlkraft. Insbesondere Mädchen und Frauen fühlen sich nicht angesprochen. (...) Studien zeigen deutlich: Mädchen wird, oft unbewusst, von Klein auf im technischen und naturwissenschaftlichen Bereich weniger zugetraut. Das führt dazu, dass sie sich später selbst weniger zutrauen“, weiß Sabine Herlitschka, Vorstandsvorsitzende Infineon Technologies Austria. Auf ihre Mitarbeiterin Susanne Reischauer hat dies allerdings nie zugetroffen. Die Gunskirchnerin brauchte damals keinen Girls´Day, um sich für Chemie zu begeistern.

Experimente im Gartenhaus

„Meine Kindheit auf dem Bauernhof meiner Eltern hat mich früh mit einem technischen Umfeld vertraut gemacht. Schon im Alter von zehn Jahren schenkten mir meine Eltern einen Chemiebaukasten, der meine Begeisterung für Chemie entfachte“, erinnert sich Reischauer, die damit erst im Wohnzimmer und später aus Sicherheitsgründen im Gartenhaus experimentierte. „Der Zuspruch meiner Eltern und ihre Unterstützung waren maßgeblich dafür, dass Chemie zu einem festen Bestandteil meines Lebens wurde. Diese Verbundenheit mit der Natur und der technischen Welt prägte auch meine Geschwister: eine ist heute Chemie- und Mathematiklehrerin in Dubai, während die andere Chemie in Graz studiert.“

HTL Wels förderte das Interesse

Vollends von Chemie überzeugt hat die 29-Jährige schließlich der Tag der offenen Tür an der Chemie HTL Wels. Nach der Volkschule in Gunskirchen und dem Wirtschaftskundlichen Realgymnasium der Franziskanerinnen eröffnete sich für Reischauer mit dem Wechsel an die HTL ein breites Feld an technischen Möglichkeiten. „Die HTL Wels, insbesondere durch ihre engagierten Lehrkräfte, hat einen wesentlichen Beitrag zu meinem Erfolg geleistet. Der persönliche Kontakt zu einigen ehemaligen Lehrern besteht bis heute, und ich schätze ihre fortwährende Unterstützung“, ist die erfolgreiche Naturwissenschafterin dankbar.

Verbundenheit zum Heimatort

Nach der HTL absolviert Reischauer ihr Studium in Graz, schreibt in Berlin die Doktorarbeit (mit summa cum laude!), forscht am Max-Planck-Institut in Potsdam, absolviert Studienaufenthalte in New York und Tschechien und macht den Post-Doc in Chicago. “Obwohl ich die letzten Jahre in Deutschland und den USA gelebt habe, habe ich jede Chance genutzt, um meine Familie zu Hause zu besuchen. Die Nähe zu meiner Familie war einer der Hauptgründe für meine Rückkehr nach Österreich. Die Verbundenheit zu meinem Heimatort und die Werte, die ich dort gelernt habe, sind mir sehr wichtig“, nennt Reischauer einen der Gründe, warum sie sich 2024 für einen Job bei Infineon in Villach entscheidet.

„Chemie ist so viel mehr“

Als Senior Project Leader in der Technologieentwicklung begleitet sie hier die Entwicklung neuer, noch energieeffizienterer Chips von den Kinderschuhen bis zur Marktreife und ihrem Einsatz zum Beispiel in Solaranlagen. Technisches Verständnis ist dabei wichtig, genauso wie Projektmanagementfähigkeiten und ein Gespür für Menschen, denn Kommunikation ist beim Koordinieren von Projekten essenziell. „Wenn Leute das Wort „Chemie“ hören, denken sie sofort an rauchende Schornsteine. Dabei ist Chemie so viel mehr, betrifft alle Lebensbereiche. Die Berufsmöglichkeiten reichen vom Krankenhaus bis zur Halbleiterindustrie, wo wir jeden Tag dazu beitragen, die Klimawende zu ermöglichen“, ist Reischauer begeistert von ihrem Beruf. „Am meisten Spaß an meinem Job macht mir, dass ich sehr nah an der Anwendung bin und sehe, wie die Produkte, die ich entwickle, tatsächlich zur nachhaltigen Zukunft beitragen. Diese direkte Verbindung zwischen meiner Arbeit und realen Veränderungen in der Welt motiviert mich jeden Tag aufs Neue.“

„Spannende und erfüllende Berufe“

Nicht zuletzt deshalb möchte die erfolgreiche Gunskirchnerin auch andere Frauen und Mädchen ermutigen MINT-Fächer (aus den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) zu studieren. „Diese Fächer bieten nicht nur eine Fülle von Karrieremöglichkeiten, sondern ermöglichen auch kreatives Denken und die Chance, an Lösungen für globale Herausforderungen mitzuwirken. Besonders für Mädchen können MINT-Fächer eine Tür zu spannenden und erfüllenden Berufen öffnen, die traditionell von Männern dominiert waren“, ist Reischauer überzeugt.


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