Alarmierende Zahlen an Welser Volksschulen zeigt der Bildungskompass auf
WELS. Der Bildungskompass hat für die Volksschulen kein gutes Zeugnis ausgestellt. In Mathematik verfehlt jede einzelne Welser Schule eine Platzierung im oberen Drittel. 71,4 Prozent landen im unteren Bereich. Im Lesen belegen 57,1 Prozent der Welser Volksschulen das untere Drittel. Jetzt beginnt die Diskussion, wie man aus der Misere wieder herauskommt.

Die veröffentlichten Zahlen für das Schuljahr 2024/25 weisen für Wels einen höheren Anteil an Volksschulkindern mit Deutschförderbedarf aus als für Linz und Steyr. In Mathematik liegt man ebenfalls im unteren Bereich bei Vergleichsgruppen. In einem Punkt sind sich die Parteien und auch die Wirtschaftskammer einig: So kann es nicht weitergehen und es müssen Maßnahmen her. Mit gezielter Sprachförderung wollen alle punkten. Doch dann hört es mit Gemeinsamkeiten in Bereichen aber auf.
Gespräche aufnehmen
„Das Land ist jetzt gefordert. Wir werden daher unverzüglich Gespräche mit der Bildungsdirektion und dem Land aufnehmen, um über zusätzliche personelle und finanzielle Mittel zu verhandeln. Konkrete Lösungsvorschläge liegen am Tisch“, meint FP-Bürgermeister Andreas Rabl. Es brauche Sprachfeststellung im Rahmen des Eltern-Kind-Passes im dritten Lebensjahr, mehr Förderkräfte und generell mehr Pädagogen an den Welser Volksschulen. Mit Quereinsteigern könnte man Abhilfe schaffen. Aber es genügt nicht. Zusätzlich brauche es endlich Sanktionen bei fehlender Elternmitwirkung und einiges mehr. Alles soll mit dem Land und der Bildungsdirektion besprochen werden in den kommenden Monaten.
Stadt muss handeln
Die Welser Sozialdemokraten sehen die Stadt in der Pflicht und fordern eine Bildungsmillion: „Doch die Bildungskompass-Ergebnisse zeigen, dass die bisherigen Maßnahmen nicht ausreichen. Jetzt braucht es zusätzliche Angebote für die Kinder – und zwar sofort: kostenfreie Ganztagsbetreuung an den Welser Pflichtschulen, mehr Schulsozialarbeit und Schulpsychologie, zusätzliche Stützkräfte und gezielte Lernunterstützung“, so SP-Gemeinderat Johann Reindl-Schwaighofer. Mittel vom Land zu fordern, sei schon richtig. „Doch seit über zehn Jahren ist Rabl Bürgermeister von Wels. Jetzt versucht er erneut, die Verantwortung anderen zuzuschieben“, meint die SPÖ. Ausbau der Horte, bessere pädagogische Besetzung in den Kindergärten und Schulen, Lernpaten und vieles mehr sei möglich. „Aber auch die Stadt Wels verfügt über hohe Rücklagen und kann sofort investieren. Eine Bildungsmillion für zusätzliche Angebote wäre ein konkreter Schritt für bessere Chancen und die Zukunft der Welser Kinder“, schließt SP-Vizebürgermeister Klaus Schinninger.
Bildungsprogramm
An den Schulen braucht es, wenn es nach der Volkspartei geht, Investitionen in geeignete Gebäude und zusätzliche Förderräume sowie mehr Schulsozialarbeit und Assistenz. Die Stadt soll ihre Möglichkeiten als Schulerhalter konsequent nutzen und den Ausbau gemeinsam mit dem Land und der Bildungsdirektion vorantreiben. Das Programm braucht klare Ziele, einen Zeitplan und gesicherte Mittel. „Zu viele Kinder drohen schon am Anfang ihres Bildungswegs den Anschluss zu verlieren. Wir brauchen ein umfassendes städtisches Bildungsprogramm, das diesen Namen auch verdient – mit einem klaren Schwerpunkt auf wirksamer Sprachförderung“, ist VP-Stadtrat Martin Oberndorfer überzeugt.
Bestmögliche Rahmenbedingungen
Auch die Wirtschaftskammer (WKO) meldet sich zu Wort. Sprachförderung darf nicht erst dann zum Thema werden, wenn die Kinder bereits in der Klasse sitzen und wertvolle Lernzeit verloren geht. Die WKO Wels fordert daher eine verbindliche Sprachstandsfeststellung im Kindergartenalter, eine frühzeitige und intensive Deutschförderung sowie eine konsequente Überprüfung der Lernfortschritte. Wo Förderbedarf besteht, müssen rechtzeitig zusätzliche Angebote geschaffen und die Eltern stärker in die Verantwortung genommen werden. WKO-Obmann Franz Edlbauer fordert bestmögliche Rahmenbedingungen für die Schüler und Lehrer. Diese sind nicht für die politischen Versäumnisse verantwortlich.








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