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Eine Grenzerfahrung im wahrsten Wortsinn machte Clemens Pachlatko (32) auf seiner Reise in eines der unbekanntesten und weitgehend vom Westen abgeschotteten Landes der Erde: Nordkorea. Unter dem Motto „Grenzen“ erzählt der Pädagoge in seiner Heimatgemeinde davon.

Clemens Pachlatko vor den riesigen Statuen der Staatsväter Kim Il-sung und Kim Jong-il: „Ich würde wieder nach Nordkorea reisen, wenn sich das politische System ändert.“ Seiner Schätzung nach könnte es in fünf bis zehn Jahren so weit sein. Foto: Pachlatko

Urlaub in einer Diktatur zu machen, ist nicht jedermanns Sache. Für Clemens Pachlatko gab ein Besuch in den durch riesige Grenzzäune von Marokko getrennten spanischen Exklaven Ceuta und Melilla den Anstoß, sich mit Grenzen in anderen Weltgegenden zu beschäftigen. Nach einem halben Jahr Wartezeit hielt der Windhaager, der im schweizerischen Zürich als Schulleiter einer Oberstufe arbeitet, das Visum für die Demokratische Volksrepublik Korea in der Hand. „Zuvor musste ich beglaubigen, dass ich weder BSE habe noch aus einem Ebola-Land komme, nicht in Großbritannien war und schon gar kein Journalist bin“, so Pachlatko.

Hochgefühl wich Unbehagen

Über Peking führte ihn die Reise im Sommer 2015 per Flugzeug in die nordkoreanische Hauptstadt Pjöngjang. Mit der Reisefreiheit war es nach der rigiden Grenzkontrolle vorbei: „Ein Führer, ein bewaffneter Bewacher und ein Fahrer waren 24 Stunden an meiner Seite.“ Der erste Eindruck von Nordkorea war dennoch von Hochgefühl geprägt: „Unglaublich, cool, ich bin wirklich da!“ Pjöngjang zeigte sich als blitzsaubere Stadt mit wenig Individualverkehr. Das anfängliche Hochgefühl wandelte sich im Laufe des einwöchigen Aufenthalts in zunehmendes Unbehagen. Clemens Pachlatko: „Ich hatte darum gebeten, eine Schule, einen Supermarkt, einen Markt besichtigen zu dürfen – leider wurde alles abgelehnt, sicher auch deshalb, um die großen Versorgungsprobleme zu verbergen.“ Dass es diese gibt, war nicht zu leugnen, speziell im Fall der häufigen Stromausfälle im Hotel. Auch in der gehobenen Kategorie blieb dem Gast aus Österreich nichts anderes übrig, als sein Zimmer im 38. Stock zu Fuß zu erreichen.

Blumen für den Präsidenten

Auf dem vorgegebenen Reiseprogramm standen unzählige Denkmäler des „Ewigen Präsidenten“ Kim Il-sung samt Blumen-Niederlegung sowie Besuche in Bibliotheken und dem Nationalmuseum, stets unter den wachsamen Augen der Begleiter – und immer mit dem Zusatz „... durch die große Weisheit unseres Führers ...“.

Feindbild blonde Langnase

Unbeobachtet E-Mails im Hotel abzurufen gestaltete sich nicht minder schwierig als mit Einheimischen ins Gespräch zu kommen. „Es schaut dir immer jemand über die Schulter, und die Menschen trauen sich aus Angst vor Repressalien kaum etwas zu sagen.“ Blonde, blauäugige Menschen mit für asiatische Begriffe langer Nase würden zudem in Nordkorea keine Begeisterung hervorrufen, so wie der Windhaager es von China gewohnt war. „So sieht laut Propaganda der Inbegriff des bösen, imperialistischen Westens aus.“ Als besondere Herausforderung gestaltete sich das Fotografieren. Clemens Pachlatko: „Auf den Auslöser durfte ich nur drücken, wenn es mir meine Führer erlaubt hatten.“ Unautorisierte Bilder mussten an Ort und Stelle gelöscht werden, viele Bilder fielen der Zensur bei der Ausreise zum Opfer. Dennoch gelang es dem Pädagogen, mehr als 3000 Bilder von seiner Grenzerfahrung mitzubringen. Eine Auswahl davon zeigt Pachlatko bei seinem Vortrag in Unterwald (Infobox).

Froh über Ausreise

Nach sechs Nächten „Diktatur pur“ hatte der Reisende schließlich eine Überdosis Kontrolle und war heilfroh, das Land wieder Richtung China verlassen zu können. „Ich habe mich nie so frei gefühlt wie damals in Peking!“

Freitag, 19. Feb. 2016, 19.30 Uhr

Feuerwehrhaus Unterwald

Windhaag bei Freistadt

Anmeldung: 0664/2876157

Eintritt: freiwillige Spenden


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