Für Superlativen ist sich eine G-Klasse nie zu schade. Die elektrische EQ-Variante macht da keine Ausnahme, wenn auch unter anderen Vorzeichen.

Reden wir gleich über den Elefanten im Raum. Nein, da meinen wir jetzt nicht die G-Klasse selber, sondern das Thema Reichweite. Schon ein kurzer Blick auf den Benz reicht, um die Frage aller Fragen bei E-Autos gleich am Anfang zu stellen. Neben den schieren Abmessungen macht auch das über Jahrzehnte gepflegte Schrank-Design misstrauisch. Aerodynamik Fehlanzeige, quasi als Draufgabe gilt es dafür über drei Tonnen Leergewicht standesgemäß zu bewegen.
Mercedes hält mit einem 116 kWh großen Akku dagegen, ein Normverbrauch von 28 kWh pro 100 Kilometer soll eine Reichweite von 455 Kilometer ermöglichen. Ein Wert mit beschaulicher Aussagekraft wie man weiß, selbst rundgelutschte Kleinwagen kennen ihren eigenen WLTP-Wert nur vom Hörensagen. Das kann bei der G Klasse gar nicht anders sein, und weil es quasi eh schon egal ist, hat man dem 580er EQ noch pro Rad einen 147 PS starken E-Motor mit auf den Weg gegeben.
587 PS und 1.164 Newtonmeter maximales Drehmoment werden aufgeboten, ja, richtig gelesen, da steht „1.164 Newtonmeter“. Damit beschleunigt der Brocken in 4,7 Sekunden von 0 auf 100 km/h, eh klar ansatzlos und sein Leergewicht ignorierend. Die Physik hat hier Pause, zumindest bis man den Blick auf die Reichweitenanzeige richtet. Gibt man dem G 580 EQ einmal länger die Sporen, nähert sich der Verbrauch bedrohlich nahe der 40 kW und die Reichweite der 300 Kilometer-Grenze.
Eh kein schlechter Wert, für ein Auto dieser Machart würde man sich vielleicht nur etwas mehr erwarten. Geladen wird der Mercedes mit maximal 200 kW, von 10 auf 80% ist man damit nach 32 Minuten. Bitte nur Vorsicht bei den Ladestationen und nicht versehentlich einen dieser neuen E-Kleinwagen plätten. Weil auch als EQ ist die G-Klasse eine waschechte G-Klasse, spürbar über eh allen anderen stehend und mit Fähigkeiten für jeden Untergrund gesegnet.
So trägt auch der EQ die „Schöckl Approved“-Plakette, und wäre grundsätzlich bereit für jedes Abenteuer. Wir sagen bewusst wäre, weil wer scheucht seine 179.318,00 EUR teure Wertanlage schon gnadenlos über Stock und Stein. Falls doch, ist er mit dem EQ sogar zart im Vorteil gegenüber den fossilen Geschwistern. In Ermangelung von Sperrdifferentialen spielt es etwas mehr Bodenfreiheit, auch setzt er sich bei der Watttiefe mit einem Plus von 150 Millimeter an die Spitze. Nur für alle Fälle.
Meistens wird sich der G 580 EQ aber doch auf schnödem Asphalt wiederfinden. Er fühlt sich dort auch wohl, das Plus an Gewicht verleiht ihm dabei noch einen Hauch mehr Sattheit und Stabilität. Was innerstädtisch für ruhige und fast schon stoische Gelassenheit sorgt, hat Überland Spaß an Kurven und Querdynamik zur Folge. Beim Herausbeschleunigen passt dann auch der zuschaltbare „G Roar“-Sound, der bei Weitem nicht so kindisch klingt wie er heißt.
Komplett seriös ist auch das Interieur. Hochwertige und fein verarbeitete Materialien, eingebettet in ein kantiges Layout, nehmen einen in Empfang. Den Rest bestimmt die Extra-Liste, digitale Wunderwelt, 12,3“ Touchscreen, MBUX Entertainment, Nappalederpolsterung und Burmester 3D-Sound sollte man sich schon gönnen.
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Echt lässig: Masse mal Beschleunigung.
Echt stressig: Manchmal doch die Reichweite.
Echt fett: Sein für uns unerreichbares Offroadtalent.
Echt schade: Die stolzen Preise für Extra-Pakete.
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Daten Mercedes Benz G 580 EQ
Motor: 116 kWh Akku (netto)
Leistung: 587 PS
Max. Drehmoment: 1.164 Nm
Reichweite: ca. 320 Kilometer
Vmax: 180 km/h
0 auf 100 km/h: 4,7 Sek
Preis Testmodell ab EUR 179.318,00
Preis Basismodell ab EUR 147.430,00










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