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BRAUNAU. Seit rund eineinhalb Jahren unterstützt das Regionale Kompetenzzentrum für Integration und Diversität (ReKI) Gemeinden bei der Gestaltung eines gelingenden Zusammenlebens mit Flüchtlingen und Migranten. In Braunau koordiniert Gabriele Pointner ein Netzwerk aus Gemeinden, Quartiergebern, gemeinnützigen Organisationen und Freiwilligen.

Das ReKI ist ein Projekt des Landes Oberösterreich in Zusammenarbeit mit Caritas und Volkshilfe. Die Regionalen Kompetenzzentren für Integration und Diversität – in jedem Bezirk gibt es eines – sind meist der erste Ansprechpartner für Gemeinden, wenn es um die Eingliederung von Flüchtlingen und Migranten geht. Im Bezirk Braunau nutzen derzeit sieben von insgesamt 15 Gemeinden, in denen es ein Asylquartier gibt, den Service von Gabriele Pointner. Sie hilft dabei, von Anfang an aktiv zu werden und ein gelingendes Zusammenleben vor Ort offensiv zu gestalten und zu lenken.

Bevölkerung informieren

Der erste Schritt wenn eine Gemeinde ein Asylquartier bekommt ist in der Regel eine Informationsveranstaltung für die Bevölkerung. „Diese fallen oft sehr heftig aus“, spricht Pointner aus Erfahrung. Größte Sorge sei die Sicherheit, viele Leute haben Angst. „Wichtig ist es, diese ernst zu nehmen, auf Fragen einzugehen und zu informieren“, erklärt sie. Dazu nehmen eine Reihe von Experten an der Podiumsdiskussion teil, die von Mitarbeitern des ReKIs moderiert wird.

Neben jenen Gemeindebewohnern, die ihren Unmut lautstark äußern gebe es aber zum Glück auch immer welche, die anpacken und aus der Situation das beste machen wollen, betont Pointner: „Ohne ehrenamtliche Helfer geht es nicht.“ Das ReKI hilft dabei, dieses freiwillige Engagement zu strukturieren. Das wichtigste ist dabei für Pointner die Kommunikation. Bei regelmäßigen Treffen werden Probleme besprochen, denn „diese gibt es immer, wenn Menschen auf so beengtem Raum zusammenleben“, betont sie.

Weitere Schwerpunkte sind das Organisieren von Workshops rund um das Thema Asyl sowie die strategische Prozessbegleitung für Gemeinden mit Fokus positive Asylbescheide. „Wenn man sich die Demografische Entwicklung in Österreich ansieht weiß man, dass ohne Zuwanderung die österreichische Bevölkerung stagniert beziwhungsweise mittel- bis langfristig schrumpft. Deshalb ist es wichtig asylberechtigte Personen in unseren Gemeinden zu halten, gerade dort wo Betriebe angesiedelt sind“, betont Pointner. Mit der Wohnungs- und Arbeitsplatzsuche stellt die drastisch gekürzte Mindestsicherung eine zusätzliche Herausforderung dar. Auch in dieser Phase sind die Gemeinden gefordert und freiwillige Helfer und Sachspenden unverzichtbar.

Deutsch ist das Um und Auf

Generell sind Deutschkenntnisse das Um und Auf, betont Pointner, die sich freut, dass das Land Oberösterreich das Budget für Deutschkurse aufstockte. Aber auch viele Freiwillige, insbesondere Lehrer, bieten hier Hilfe an.

Gelungene Integration

Die Zutaten für gelungene Integration seien vor allem Toleranz, Offenheit und Achtung betont Pointner, und zwar von beiden Seiten. Wünschenswert wäre für sie zudem eine gerechtere Aufteilung der Flüchtlinge weltweit: „Wenn die Quote von 1,5 Prozent der Wohnbevölkerung überall eingehalten werden würde, wäre dies leicht zu schaffen. Es dürfen nur nicht zu viele für einen Ort sein.“ Die Basis für eine funktionierende Integrationsarbeit sei zudem, dass sich die Flüchtlinge in der Gemeinde willkommen fühlen und aufgenommen werden.

Die verschiedenen Religionen und Kulturen bieten dabei immer wieder einen Nährboden für Differenzen – auch unter den Flüchtlingen, denn auch hier sind alle Konfessionen vertreten, erklärt Pointner. Mit Aufklärungsarbeit, etwa in Form von Wertekursen, versucht das ReKI solche Konfrontationen schon frühzeitig zu vermeiden. Man müsse den Flüchtlingen eben erklären, was hier erlaubt ist und was nicht. Viele kennen manche Dinge, wie etwa Mülltrennung, nicht aus ihrer Heimat. „Wir können zwar die Welt nicht verändern, aber für ein gutes Miteinander sorgen“, erklärt Pointner.

Wunsch nach mehr Toleranz

„Die Welt wird einfach bunter und ich wünsche mir mehr Toleranz und Akzeptanz“, sagt Pointner, die aber auch versteht, wenn jemand Sorgen und Ängste hat. Enttäuschend für sie ist, wenn Asylwerber, die geflüchtet sind um ihr Leben zu retten als potentielle Verbrecher gesehen werden. Verärgert ist sie auch über die vielen Gerüchte, die einfach in die Welt gesetzt werden. Etwa dass Flüchtlinge von Hilfsorganisationen gratis neue Handys bekommen sollen. Diese Behauptungen gehen meist über mehrere Ecken und können bei genauerer Nachfrage nie bestätigt werden, ärgert sich Pointner. Sie selbst will aber auch nicht alles schön reden, natürlich laufe Integrationsarbeit nicht immer reibungslos ab. Sie wünscht sich, dass künftig mehr Gemeinden das ReKI nutzen, um vieler dieser Probleme schon im Vorhinein entgegenwirken zu können. „Meine Arbeit ist spannend und herausfordernd und vor allem macht sie Sinn, das ist das schönste daran“, sagt Pointner.


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