Meinungen zum Fall Wojak

Sabrina Reiter Sabrina Reiter, Tips Redaktion, 13.08.2019 09:15 Uhr

BEZIRK BRAUNAU. Der Fall um Georg Wojak, gegen den ein Abberufungsverfahren als Bezirkshauptmann von Braunau eingeleitet wurde, lässt noch immer die Wogen hochgehen. Beinahe täglich erreichen Tips neue Statements und Leserbriefe.

Klemens Steidl, Obmann WKO Braunau:

„Die Unternehmen im Bezirk Braunau, aber auch alle Bürger, wünschen sich nicht nur eine gut funktionierende Verwaltung, sondern sind auch darauf angewiesen, dass Verfahren schnell, rechtmäßig, aber auch mit Augenmaß abgewickelt werden. Das ist der Auftrag, den Behörden vom Staatswesen übertragen bekommen haben und darauf haben Bürger und Unternehmen auch Anspruch. Gerade die BH Braunau wurde ob ihrer schnellen Verfahrensabwicklung bei so manchen größeren Gewerbeverfahren sehr gelobt, was fallweise mit ein Grund für Betriebsansiedelungen in unserem Bezirk war.

Wir erleben derzeit einen öffentlich ausgetragenen Schaukampf mit täglich neuer medialer Munition und teilweise haarsträubenden Postings und Leserbriefen, die auch ihre Wirkung nicht verfehlen. Neben den involvierten Personen leidet zunehmend auch das Ansehen der öffentlichen Verwaltung insgesamt. Jetzt wünscht man sich, dass die Vorwürfe und Eingaben dort behandelt werden, wo sie aktuell hingehören, nämlich in der Untersuchungskommission. Diese ist mit untadeligen Mitgliedern besetzt und hat einen Vertrauensvorschuss verdient. Nicht zuletzt haben sich auch die involvierten Personen, von Wojak bis zu den Beamten in der BH Braunau, Ruhe und die Sicherheit verdient, dass in einem fairen und transparenten Verfahren alle relevanten Aspekte beleuchtet und bewertet werden und anschließend ein gerechtes Urteil gesprochen wird. Dann wird es auch einen Tag danach geben und hoffentlich nicht alles Porzellan zerschlagen sein.“

 

Johannes Waidbacher, Bezirksobmann ÖVP:

„Ich bin der Meinung, es sollte nun im Bezirk Braunau wieder Ruhe einkehren, um eine sachliche führen zu können. Fakt ist, es sind nun alle Vorwürfe gegen Georg Wojak, für den selbstverständlich die Unschuldsvermutung gilt, aufzuklären und danach auf dieser Basis zu entscheiden und eventuell notwendige, weitere Schritte zu setzen. Dabei ist es völlig legitim, klar und nachvollziehbar, dass Georg Wojak – solange dieses Verfahren läuft – nicht die Bezirkshauptmannschaft leiten kann.“

 

David Schiessl, Landtagsabgeordneter FPÖ:

„Die FPÖ-Abgeordneten und FPÖ-Bürgermeister haben in den vergangenen 11 Jahren Bezirkshauptmann Dr. Georg Wojak als einen sehr bürgernahen Bezirkshauptmann kennengelernt. Er hatte stets ein offenes Ohr für die Anliegen aller FPÖ-Lokalpolitiker. Solange das Verfahren der Abberufung gegen ihn nicht abgeschlossen ist, wird es seitens der FPÖ keine Vorverurteilung geben. Wir hoffen hier auf eine positive und menschliche Lösung, sowie das Bezirkshauptmann Dr. Wojak in seinem Amt vorgelebt hat.“

 

Franz Zehentner, Bürgermeistersprecher Bezirk Braunau:

„Die Vorgangsweise empfinde ich als unfair und es wundert mich, warum Georg Wojak noch im Vorjahr für weitere fünf Jahre bestellt wurde, wenn es angeblich so viele Probleme gab. An der ganzen Sache ist viel Eigenartiges dran, was auch viele Bürgermeisterkollegen nicht nachvollziehen können. Eine Mehrzahl der Bürgermeister im Bezirk Braunau steht sicher hinter ihm. Nun liegt es aber an der Kommission, den Fall umfassend zu überprüfen.“

 

Leon Sireisky, Stifts- und Stadtpfarrer von Mattighofen:

„Es wird immer ärgerlicher: Obwohl kein fertiger Revisionsbericht vorliegt und der Rohbericht Dr. Wojak überwiegend positiv beurteilt, können es manche nicht lassen, zu zündeln.

Dr. Csar verweist gar in einem Vergleich auf einen Gastwirt, der nicht nur bei den Gästen beliebt sein darf, sondern sich auch um Koch und Kellner bemühen muss. Dazu nur drei Anmerkungen:

1. Hier wird wieder behauptet, Georg Wojak habe mit seinen Mitarbeitern nicht gekonnt. Das ist purer Unsinn. Wann immer ich in der BH Braunau war, sei es offiziell oder spontan privat, habe ich immer einen guten Eindruck von der Zusammenarbeit gehabt. Und gerade der spontane und unangemeldete Blick lügt nicht. 

2. Dr. Csar soll endlich Belege auf den Tisch legen und uns nicht mit unbewiesenen Behauptungen lästig fallen. Aber Belege gibt es offensichtlich keine - und unterschwellige Vorverurteilungen brauchen wir nicht, im Gegenteil, sie sind rufschädigend und damit strafbar.

3. Der Vergleich ist ja nicht so unpassend, nur: Wenn der Koch das Essen immer versalzt und der Kellner beim Servieren den Daumen immer in der Suppe hat, wird der Wirt wohl etwas sagen müssen, auch wenn ihn das bei Koch und Kellner unbeliebt macht.

Und vielleicht könnte man jetzt daran gehen, im Land OÖ das in diesem Fall grottenschlechte Krisenmanagement zu reparieren, bevor man Dr. Wojak kaputt gemacht hat. Man kehre vor der eigenen Türe!“

 

Peter Csar, Obmann der Landespersonalvertretung:

„In der Berichterstattung zum Amtsenthebungsverfahren von Dr. Wojak wird vielfach in den Raum gestellt, dass dahinter ein mögliches Komplott der Belegschaft stehen könnte. Dazu ist festzuhalten, dass die Oö. Landesverwaltung kein Intrigantenstadel ist, in dem weder Willkür noch eine autokratische Schreckensherrschaft regieren. Wir sind eine der bestaufgestellten Verwaltungseinheiten Österreichs. Bürgernähe ist uns sehr wichtig, unser Anspruch ist aber ebenso ein korrekter und respektvoller Umgang mit allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern – und dazu zählen selbstverständlich auch Führungskräfte wie unsere Bezirkshauptleute. Dafür stehe ich auch persönlich als Obmann der Personalvertretung. 

Korrektheit bedeutet freilich auch, dass bei Bekanntwerden von massiven Verdachtsfällen hinsichtlich einer rechtswidrigen Amtsführung es Aufgabe der Amtsleitung ist, diese im Rahmen eines Verfahrens zu prüfen. Wer das nicht macht, würde sich selbst des Amtsmissbrauchs schuldig machen. Daher werden auch in diesem Fall die normalen Spielregeln eingehalten und es wird zu einem fairen und objektiven Ergebnis kommen. Diesbezügliche Verschwörungstheorien sind also hanebüchen. 

Der Führungsstil von Dr. Wojak gegenüber der Belegschaft wurde von der Personalvertretung schon seit längerem thematisiert. Zahlreiche Interventionsversuche haben leider nicht gefruchtet. Außen- und Innenwirkung hinterlassen hier offenbar sehr unterschiedliche Eindrücke. Wäre die BH Braunau ein Wirtshaus, müsste man sagen: Ein Wirt kann auf Dauer nur erfolgreich sein, wenn er nicht nur bei den Gästen beliebt, sondern auch bei Koch und Kellnern anerkannt und respektiert ist.“

 

Friederike Knechtl, Ehrenbezirksobfrau der Goldhaubengemeinschaft Oberes Innviertel:

„Mit seiner Initiative zum Friedensbezirk Braunau hat Dr. Wojak ein Zeichen gesetzt und viele Vereine, Gruppen und Organisationen mit “ins Boot„ geholt. Auch wir Goldhaubenfrauen leisten mit unserem sozialen Engagement einen Beitrag.

Dr. Wojak war stets ein gern gesehener Gast bei unseren Festen, der mit seinem spritzigen, humorvollen und manchmal pointierten Reden “den Nagel auf den Kopf traf„. Darüber hinaus zeigte er mit seiner Anwesenheit seine Wertschätzung und hob oft unseren ehrenamtlichen Einsatz hervor.

 

Wir hoffen, dass Dr. Wojaks menschlicher Umgang mit den Vereinen, Gruppen und Organisationen und sein Engagement für den Friedensbezirk Braunau positiv im Verfahren vermerkt werden.“

 

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