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Ebenseer „Ratschendoktor“ sorgt für Erhalt des lautstarken Osterbrauchs

Hans Promberger, 22.03.2016 16:10

EBENSEE. Wenn in der Karwoche die Kirchenglocken verstummen und laut Volksmund nach Rom fliegen, erinnern die Ratscherbuben mit ihren Ratschen und Rumpeln an die Gebetszeiten. Josef Preimesberger sorgt für den nötigen Instrumente-Nachschub.

Josef Preimesberger mit Ratscherbuben und seiner neuen Kirchturmrumpel Foto: Hörmandinger
Josef Preimesberger mit Ratscherbuben und seiner neuen Kirchturmrumpel Foto: Hörmandinger

Das Ratschen in der Karwoche wurde Ende 2015 für alle Bundesländer von der UNESCO in das Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes in Österreich aufgenommen. Die hölzernen Lärminstrumente werden über Generationen weitergegeben. Was aber, wenn die Ratschen kaputtgehen? Dann stehen die Ratscherbuben vor einem ernsthaften Problem. Denn Ratschen oder Rumpeln gibt es in keinem Geschäft zu kaufen und bei keinem Versand zu bestellen.

Aufwändiges Arbeiten nötig

Die Ratscherbuben im Salzkammergut verwenden vorwiegend Fahnenratschen oder Rumpelratschen. Für deren Herstellung ist handwerkliches Geschick gefragt. Und kaum jemand versteht sich heute noch im aufwändigen Fertigen der traditionellen „vorösterlichen Brauchtumsinstrumente“. Eine Ausnahme gibt es: Der Ebenseer Pensionist Josef Preimesberger beschäftigt sich seit Jahren mit dem Bau von Ratschen und Rumpeln. Nach alten Plänen fertigt er in mühevoller Handarbeit die hölzerne Ausrüstung der Ratscherbuben. Auch wenn es um die Reparatur geht, ist er zur Stelle und springt als „Ratschendoktor“ ein.

Wie entsteht eigentlich der Ratschenlärm?

Ein kurzer Einblick in die Funktionsweise der vorösterlichen Lärminstrumente: Eine Rumpel besteht aus einem Resonanzkasten und einer gedrechselten Hartholzwalze, die mit eingebohrten Holzzähnen ausgestattet ist. Für die Schlagleisten, an deren Ende Holzhämmer montiert werden, verwendet man elastisches Eschenholz. Beim Drehen der Kurbel schlagen die Hämmer auf den Rumpelkasten und erzeugen dabei den charakteristischen Lärm.

Die Fahnenratsche hingegen besteht aus einer Hartholzwalze, die durch Bewegung mit dem Drehstock auf den eingespannten Eschenleisten das typische, nicht zu überhörende Ratschengeräusch von sich gibt. Die Basis für das spezielle Hobby bildete bei Preimesberger das Ratscherlaufen in seiner Jugend. „Seither habe ich besonderes Interesse an diesem Osterbrauchtum. Wenn es die Zeit zulässt, ziehe ich mich in meine Werkstatt zurück und tüftle oder bastle in Sachen Ratschen. Mit dem Bau der Osterratschen leiste ich einen kleinen Beitrag zum Erhalt dieses schönen Brauches. Und das Strahlen in den Augen der Ratscherbuben ist der schönste Lohn für meine Arbeit“, erklärt der „Ratschendoktor“ sein handwerkliches Engagement.

Spezielle Kirchturmrumpel

Preimesberger hat zur heurigen Karwoche eine Kirchturmrumpel gefertigt. Derartige Kirchturmratschen wurden einst in luftiger Höhe vom Mesner oder von Ministranten bedient. Das Modell ist 1,40 Meter lang und 60 Zentimeter breit und besteht ebenfalls aus einem Resonanzkasten und schweren, schlagenden Eichenhämmern. Die Bedienung der Kurbel erfolgt mit beiden Händen. Ihr Lärmpegel ist etwa zehn Mal so hoch wie jener einer herkömmlichen Rumpelratsche.


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