Ältere Arbeitssuchende transportieren mit BIS Mobil Personen mit Einschränkungen

Ältere Arbeitssuchende transportieren mit „BIS Mobil“ Personen mit Einschränkungen

Hans Promberger Hans Promberger, Tips Redaktion, 17.01.2017 15:28 Uhr

EBENSEE/TRAUNKIRCHEN. Das Bildungszentrum Salzkammergut (BIS) will mit dem „BIS Mobil“ zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Älteren Arbeitssuchenden eine Verdienst- und Senioren eine günstige Transportmöglichkeit bieten. Seit Montag läuft das Projekt.

Steigende Kosten für den öffentlichen Verkehr, unrentable Buslinien und knappe Gemeindebudgets verhindern in ländlichen Gebieten oft eine Ausweitung der öffentlichen Personentransporte. So manche Gemeinde ist zudem von Überalterung betroffen, weil viele Jüngere in wirtschaftlich interessantere Gebiete abwandern – dadurch wird für viele ältere Menschen der Gang zum Arzt, der Behördentermin oder ein Kirchenbesuch zur Hürde. Familie und Freunde müssen um Unterstützung ersucht werden, die Folge: Unternehmungen werden zum Spießrutenlauf und Erledigungen müssen langfristig im Voraus geplant werden.

Sinnvolle Alternative zur Arbeitslosigkeit

Das Beschäftigungsangebot des BIS versucht auf diese Probleme zu reagieren – mittels eines gemeinnützigen Transportdienstes. Gemeinsam mit dem Sozialministerium hatte man im BIS überlegt, welche Tätigkeiten Langzeitarbeitslose im höheren Alter noch machen könnten. Schnell kristallisierte sich das Autofahren heraus.

Die Besonderheit der „BIS mobil“-Idee erklärt die Projektverantwortliche Claudia Loidl: „Bis zu zwölf ältere Arbeitsuchende, die kurz vor der Pensionierung stehen, lenken als Fahrer und Telefondienst den Betrieb und überbrücken so die Zeit bis zum nahen Pensionsantritt mit einer gesellschaftlich und kommunal wichtigen Arbeit.“ Sie befördern ihre Fahrgäste und koordinieren die Fahrten.

Neue Chance für ältere Erwerbslose

Dass es für ältere Arbeitslose immer schwieriger wird, wieder zu einer Beschäftigung zu gelangen, ist kein Geheimnis. Das zeigen unter anderem die monatlichen AMS-Daten zur Arbeitsmarktentwicklung. Während die Arbeitslosenzahl in den letzten Monaten generell leicht zurückging, erhöhte sich gleichzeitig die Zahl der älteren Erwerbslosen. „Ein Projektteilnehmer hat zum Beispiel 700 (!) Bewerbungen geschrieben und keinen Job bekommen“, so Loidl.

Das „BIS mobil“ bedeutet für die Projektteilnehmer, dass sie wieder Sozialversicherungsbeiträge einzahlen können und nicht mehr auf AMS-Gelder angewiesen sind. Am Montag dieser Woche haben neun Personen ihren Dienst angetreten, im Februar und März werden zwei weitere zum Team dazustoßen.

Kostengünstige Fahrten

Die Fahrten erfolgen an allen sieben Tagen der Woche, von 7 Uhr früh bis 20 Uhr. Erste Einsatzorte sind zunächst Traunkirchen und Ebensee. Gefahren wird kostengünstig mit drei besonders klimafreundlich und umweltschonenden Fahrzeugen (ein „Neunsitzer“-Bus und zwei geräumige Pkw). Das Transportangebot richtet sich insbesondere an Senioren, Personen mit körperlichen Einschränkungen oder Familien mit Kleinkindern ohne Führerschein oder Fahrzeug und sieht sich nicht als Ersatz für herkömmliche Transportdienste (Taxi, öffentliche Busse/Züge), sondern als Ergänzung zu bestehenden Angeboten. So hilft ein Attnanger Taxiunternehmen, die Dispositionszentral in Ebensee aufzubauen und die digitalen Voraussetzungen für den Betrieb zu schaffen.

Das „BIS mobil“ verkehrt ausschließlich im Nahverkehr und steht auch nicht Nachtschwärmern oder Personen, denen die Nutzung klassischer Transportmittel zumutbar ist, zur Verfügung. Der Transport erfolgt nur nach telefonischer Voranmeldung. Versuche, ein vorbeifahrendes „BIS mobil“-Fahrzeug anzuhalten, sind daher sinnlos.

Mit drei Euro durchs Gemeindegebiet

Die Fahrtkosten orientieren sich an Zonen. Die „Kernzone“ (Gemeindegebiet) kostet drei Euro. und erhöht sich schrittweise bei Fahrten in weitere Zonen. Zehner-Blöcke (2,50 Euro pro Fahrt) und ermäßigte Tickets sind in den Gemeindeämtern Ebensee und Traunkirchen erhältlich. Erste Anfragen gibt es bereits. Telefonisch ist das „BIS mobil“ unter 06133/ 21717 erreichbar.

In folgenden Ausbaustufen denkt man auch weitere Dienstleistungsangebote („Jausenexpress“, Lebensmittellieferservice, Erledigung von kleineren Botendiensten) an. Ab Frühjahr soll man auch das „Traunsee Taxi“ der Ferienregion Traunsee betreuen und Fahrten zum Langbathsee, zum Hochsteinalmaufstieg und Offensee anbieten. Falls das Projekt erfolgreich anläuft, überlegt man eine Ausweiterung auf weitere Regionen.

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