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BEZIRK FREISTADT. Mit Sorge beobachten die Schweinebauern im Bezirk  das Näherrücken der Afrikanischen Schweinepest von Osteuropa. „Dass die Seuche unseren Betrieb treffen könnte – das ist ein Szenario, das man sich gar nicht vorstellen möchte. Da könnte man nicht mehr schlafen“, sagt Alois Gstöttenmayr, der seinen Schweinezuchtbetrieb in Edlbruck in Leopoldschalg bereits in dritter Generation führt.

Schweinezüchter Alois Gstöttenmayr aus Edlbruck Fotos: Daniela Köppl
  1 / 2   Schweinezüchter Alois Gstöttenmayr aus Edlbruck Fotos: Daniela Köppl

Nur 80 Kilometer von der Grenze entfernt wurde die Schweinepest in Tschechien bei verendeten Wildschweinen schon nachgewiesen. Die äußerst ansteckende, meist fieberhaft verlaufende Tierseuche befällt Wild- und Hausschweine und führt unweigerlich zum Tod. „Das ist eine äußerst ernst zu nehmende Angelegenheit und mit absoluter Sorge zu betrachten“, sagt Johannes Gahleitner, Leiter der Bezirksbauernkammer Freistadt.

„Bedrohung wird größer“

Genau das tun Alois und Anita Gstöttenmayr, vulgo Entinger, aus Edlbruck (Gemeinde Leopoldschlag). 80 Zuchtsauen und ihre Ferkel der Rasse Deutsches Edelschwein stehen in dem Betrieb im Schweinestall, dazu auch mehrere Eber. „Die Bedrohung durch die Afrikanische Schweinepest wird durch die Nähe unseres Betriebes zur tschechischen Grenze immer größer“, sagt Gstöttenmayr, dessen Großvater in den 1950er-Jahren mit der Schweinezucht begonnen hat.

„Das wäre der Super-GAU“

„Sollte das Virus unsere Schweine befallen, so wäre das für uns ein Super-GAU. Der Betrieb müsste komplett geräumt, alle Schweine im Umkreis von drei Kilometern getötet werden. Wir verfolgen schon seit Jahrzehnten züchterisch unsere Linie, alles wäre verloren.“

Vorsichtsmaßnahmen nötig

Besondere Vorsichtsmaßnahmen sollen die Einschleppung der gefährlichen Tierseuche verhindern. „Zum Beispiel zeigen wir die Verkaufstiere unseren Kunden in einem Schauraum durch ein Schaufenster, sodass der Kunde keinen direkten Kontakt zu den Schweinen hat. Den Außenbereich zwischen Warte- und Abferkelstall haben wir eingezäunt, damit die Schweine beim Hin- und Hertreiben keinen Kontakt zu Wildschweinen haben können. Wir überlegen gerade, noch einen zweiten Zaun vorzusetzen, um wirklich auf Nummer sicher zu gehen.“ Auch eine Ertragsschadenversicherung haben die Gstöttenmayrs abgeschlossen.

Bio-Schweine mit Auslauf

Biobauer Johann Rudlstorfer, vulgo Baiernaz, aus Summerau (Gemeinde Rainbach) hält 250 Bio-Mastschweine. „Die Schweinepest ist eine große Herausforderung für uns Schweinebauern“, bestätigt der Landwirt. Seine Tiere, die fünf bis sechs Monate auf dem Hof leben und mit 150 bis 170 Kilo Lebendgewicht geschlachtet werden, genießen Auslauf im Freien. „Durch das Gelände hat es sich so ergeben, dass der Auslauf wie eine Art Balkon errichtet wurde. Das hat den Vorteil, dass unsere Tiere keinen Kontakt mit Wildschweinen haben können.“

Kritik am Jagdtourismus

Um eine Einschleppung der Seuche aus Osteuropa zu verhindern, ist auch die Jägerschaft gefordert. „Wir sind uns der Verantwortung bewusst und bei der Bejagung von Schwarzwild sehr dahinter. 36 Wildschweine haben wir in diesem Jagdjahr schon erlegt“, sagt Raimund Hiesl, Jagdleiter bei der Jagdgesellschaft Leopoldschlag. Die Jagd von Wildschweinen sei jedoch alles andere als einfach und sehr zeitaufwendig: „Die Tiere sind nachtaktiv und sehr lernfähig.“ Hiesl kritisiert den Jagdtourismus in Tschechien: “Während wir Jäger in Österreich alles daran setzen, das Schwarzwild kurzzuhalten, wird es in Tschechien sogar gefüttert, um den Jagdgästen eine größere Auswahl zu bieten.“ 

Strikte Trennung von Wild- und Hausschweinen

„Die Bekämpfung der für Menschen absolut ungefährlichen Afrikanischen Schweinepest (ASP) beim Wildschwein gestaltet sich schwierig“, sagt Amtstierarzt Alfred Weinberger. Der Veterinärdienst der Bezirkshauptmannschaft Freistadt rät dazu, alle Bereiche, wie Fütterung, Jagd etc., strikt vom Wild- und Hausschwein zu trennen.

Vorsichtsmaßnahmen:

  • Es dürfen keine Speisereste in der Natur entsorgt (Infektionsgefahr für Wildschweine) und vor allem Wurst- und Fleischreste nicht an Hausschweine verfüttert werden.
  • Außerdem ist das Futter und die Einstreu am Betrieb vor Wildschweinen geschützt zu lagern.
  • Kein Verfüttern von Gras an Hausschweine, welches vorher von Wildschweinen kontaminiert wurde.
  • Fremdarbeitskräfte sind dahingehend zu instruieren, dass Reiseproviantreste nur in verschlossene Müllbehälter einzuwerfen sind.
  • Fremdarbeitskräfte und andere betriebsfremde Personen sind mit betriebseigener Schutzkleidung oder Einmalschutzkleidung auszustatten
  • Mäuse und Ratten als mögliche Infektionsüberträger sind konsequent zu bekämpfen

„Die verstärkte Bejagung zur Ausdünnung der Wildschweinpopulation ist ein wichtiger Punkt in der Bekämpfung der ASP“, sagt Weinberger. Wichtig sei deshalb, dass der Schweinestall nicht mit Jagdausrüstung betreten wird und kein Schwarzwild am schweinehaltenden Betrieb verarbeitet wird, auch wenn Schweine nur für den Eigenbedarf gehalten werden.

Schweinepest:

Seit einigen Jahren breitet sich die Schweinepest Richtung Mittel- und Westeuropa aus. Die Tierseuche – die für das Tier immer tödlich verläuft, für den Menschen jedoch keine Gefahr darstellt – befällt sowohl Wild- als auch Hausschweine. Der Virus ist sehr widerstandsfähig und kann Wochen bis Monate in Fleisch, Fleischwaren und Schlachtabfällen überleben, in gefrorenem Fleisch sogar mehrere Jahre. Übertragen wird die Seuche auch durch nicht desinfizierte Transportfahrzeuge, Schadnager, unbehandelte Jagdtrophäen und unsaubere Stallkleidung.


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