Ein "magischer Blick" für Fossilien
GMUNDEN. Der pensionierte Schneider Ferdinand Estermann sammelt seit 40 Jahren Fossilien. Dass der Gschliefgraben heute in der paläontologischen Wissenschaft als Hot Spot gilt, ist ihm zu verdanken.

Heuer ist es 40 Jahre her, dass der Pinsdorfer zur geologisch-paläontologischen Arbeitsgruppe stieß, die das Kammerhofmuseum einst unter Direktorin Elfriede Prillinger eingerichtet hatte. Estermann entwickelte in den folgenden Jahrzehnten eine Sammelleidenschaft, die ihn und das Gmundner Museum in der Fachwelt bekannt machen sollte.
Zahlreiche Gschliefgraben-Erstfunde
Der agile 84-Jährige hat nach hunderten Expeditionen ins „Gschlief“ einen Blick für Steine entwickelt, den man magisch nennen muss. Farbe, Form und Fundstelle lassen Estermann mit enormer Trefferquote ahnen, ob sich im Stein ein Fossil verbergen könnte. Unter den dutzenden tellergroßen Gschlief-Ammoniten, die Jahre im K-Hof ausgestellt waren und jüngst ins Naturhistorische Museum (NHM) übersiedelten, befindet sich unter anderem ein Erstfund auf europäischem Boden, der beweist, dass sich das Thetys-Meer vor der Auffaltung der Alpen von hier bis Indien erstreckt hatte. Bevor Estermann aktiv war, kannten Paläontologen drei Ammonitenarten aus dem Gschliefgraben. Heute und dank dieses Sammlers weiß man, dass in der Oberen Kreide vor 75 Millionen Jahren mindestens 45 Arten hier heimisch waren.
Namensgeber eines fossilen Seeigels
Die Leistung für die Wissenschaft kann einem Laienforscher nicht schöner abgegolten werden als durch eine Benennung. Ferdinand Estermann ist das mit einem versteinerten Seeigel gelungen, dem Lampadocorys estermanni.


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