Leserbrief zum Umgang mit Corona-Infizierten

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Daniela Toth Daniela Toth, Tips Redaktion, 02.08.2020 07:13 Uhr

BEZIRK GMUNDEN. Corona-Infizierte werden oft gemieden - auch, wenn sie bereits wieder gesund sind. Dass dies sehr verletzend sein kann, schildert eine Tips-Leserin in einem „Brief an die Gesellschaft“.

Krisenzeiten machen etwas mit uns, und auch aus uns. Es bringt zu Tage, was tief in uns steckt. Unsere Ängste und Unsicherheiten, aber auch unseren Mut und das Gemeinschaftsgefühl. Im schlimmsten Fall grenzen wir aus, bespitzeln und vernadern. So viel wird vom Lockdown und den wirtschaftlichen Folgen gesprochen, aber was jetzt gerade im Hintergrund stattfindet, erinnert mich auch an etwas anderes.

Ein Tatsachenbericht:

Eine meiner lieben Freundinnen ist Corona positiv. Na, überlegt gerade jemand, wann er zuletzt mit mir Kontakt hatte und rückt gedanklich ab von mir? (Ruhig Blut unser Kontakt ist über ein Monat her) Ich habe mit ihr vor ein paar Tagen telefoniert, ohne davon zu wissen, da hat sie es mir erzählt. Sie sagt, sie habe keinerlei Symptome und es ginge ihr sehr gut, was das Körperliche betrifft, aber ihr Leben sei die Hölle. Abgesehen davon, dass für sie 2 Wochen Quarantäne schlimm seien, aber das Allerschlimmste sei das Verhalten der Menschen. Überall wird über sie geredet und ihre ganze Familie in den Dreck gezogen, wie Aussätzige würden sie behandelt werden. Viele rufen in Panik an, weil sie befürchten Teil einer Infektionskette zu sein. Manche wären sogar richtig verärgert. Das muss man sich mal vorstellen. Sie war sehr traurig, und sie war enttäuscht von Menschen, von denen sie dachte, sie seien ihr wohlgesinnt. Jetzt zeigt man mit dem Finger auf sie und ihre Lieben und ich bin mir sicher, dass nach dieser Krise der Schaden, der durch diese Ausgrenzung entstanden ist, nur mehr schwer behoben werden kann.

Wegen einem Virus, der einer von vielen ist, nicht der erste und sicher nicht der letzte, werden gute Nachbarschaften, Freundschaften, ja sogar Beziehungen zerstört. Haben wir denn nichts gelernt? Ob es jetzt eine Krankheit ist, die sehr selten zu einem schweren Verlauf führt, eine Ideologie oder eine Religion ist egal, es ist eine Schande. Der Virus hat über die Menschlichkeit und die Freiheit des Denkens gesiegt.

Ich vermisse eine Ansprache des Bundespräsidenten zum Thema Menschlichkeit in der Krise. Oder hab ich sie nur überhört? Es wird viel über Arbeitsplätze Wirtschaftsdaten und Ansteckungszahlen gesprochen, aber niemand redet den Menschen ins Gewissen, sich doch bitte in die Lage der Betroffenen zu versetzten.

Auch wenn wir Abstand halten und Masken tragen, unsere Blicke die wir unseren Mitmenschen schenken, müssen nicht ängstlich, distanziert oder gar böse sein. Mit Blicken kann man auch Freundlichkeit, Liebe und Mitgefühl zeigen und für die Geübten ist es auch kein Problem, jemanden, den man gerne hat, mit einem Blick zu umarmen. Lassen wir nicht zu, dass etwas Keile zwischen Freundschaft und Liebe treibt. Nicht mal so ein Virus. Vielleicht hatten Sie ihn schon und wussten es gar nicht?

P.S.: Ich bitte, meinen Namen nicht bekannt zu geben, da ich nicht möchte, dass ein Bezug zu meiner Freundin hergestellt werden kann, die schon genug darunter leidet, was mit ihr passiert.

 

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Bezirk Gmunden

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