"Pfandler-Au" zu Naturschutzgebiet erklärt
BAD ISCHL. In der jüngsten Sitzung der Landesregierung wurde die „Pfandler-Au“ in Bad Ischl zum Naturschutzgebiet erklärt.

Nach mehreren Anläufen und Begehungen wurde nun in der Sitzung der Landesregierung, das zwischen den Bad Ischler Ortsteilen Haiden und Lindau liegende und bisherige Landschaftsschutzgebiet „Pfandler-Au“ zum Naturschutzgebiet erklärt.
Die Pfandler-Auch ist ein überaus artenreiches, trockenes Augebiet mit natürlichem alluvialem Kiefernbestand, reichlich Wacholder in der Strauchschicht und erstreckt sich auf 14,4 Hektar.
Ein verstecktes Juwel vor Bad Ischl
Martha Gschwandtner von der Naturschutz Bezirksgruppe Bad Ischl erzählt im Tips-Gespräch ihr Wissen.
Bis zum Anfang des vorigen Jahrhunderts hatte die Ischl in diesem Bereich ein weit ausgebreitetes Flussbett. Erst die Errichtung eines Dammes am rechten Ufer, der 1912 fertiggestellt wurde, hat den Fluss in den heutigen Verlauf gedrängt. Das Augebiet hinter dem Damm hat sich also erst in den letzten 100 Jahren zu der heutigen Form entwickelt. Durch das sehr stark wechselnde Wasserangebot vom Boden her, das ja vom jeweiligen Wasserstand des Flusses abhängig ist, haben sich hier sowohl Pflanzen der feuchten Standorte angesiedelt, als auch Pflanzen, die zeitweilige Trockenheit ertragen können.
Beherrschender Baum war bis ca. 1990 die Rotföhre, ein Pionierholz, das mit seinen tiefen Wurzeln gerade auch dort noch gedeihen kann, wo unsere Laubbäume nicht mehr aufkommen. In der darunter liegenden Strauchschicht finden wir eine bunte Mischung von wärmeliebenden und die Trockenheit ertragenden Sträuchern, wie gemeiner Wacholder, Berberitze, wolliger Schneeball, Faulbaum, Mehlbeere u.a. Wir finden auch zahlreiche Pflanzen der höher gelegenen und alpinen Regionen, an einem Ort sogar Enzian, Clusius-Primel, Alpenfettkraut u.a. Den über das ganze Jahr hin farbenfrohen Anblick dieses schönen Augebietes bestimmt vor allem die außergewöhnlich hohe Anzahl an krautigen Blütenpflanzen, unter denen auch einige Besonderheiten zu finden sind.
Fast alle der heimischen Orchideenarten kommen in dem beschriebenen Gebiet vor. Sie gehören zu den gefährdetsten Pflanzenarten, weil sie besonders empfindlich auf Veränderung im Wasser- und Nährstoffangebot an ihren Standorten reagieren. Für die Bestäubung sind sie auf bestimmte Bienen-, Wespen- und Hummelarten spezialisiert. Fällt der Bestäuber etwa durch den Einsatz von Insektiziden aus, kommt es zu keiner Fortpflanzung. Einen besonders schönen Eindruck bietet die Au zur Zeit der Blüte des Sumpfstendels, eine Orchidee, die mit ihren großen, weißen Blütenständen die offenen Flächen überzieht. Im Herbst färbt sich das vorherrschende Pfeiffengras rot und gibt dem Augebiet das besondere herbstliche Gepräge.
In der Pfandler Au hat sich nach dem menschlichen Eingriff der Flussregulierung eine ungewöhnlich artenreiche Vegetation natürlich entwickelt, die nicht nur von besonderer landschaftlicher Schönheit ist, sondern auch angesichts des bedrohlichen Artenrückganges eine wichtige Rolle für die Erhaltung gefährdeter Arten einnimmt.
In den letzten Jahren kam es durch weitere Eingriffe entlang der Ischl leider zu einer Änderung der Vegetation - die Rotföhren-Erika-Pflanzengemeinschaft wird immer mehr vom normalen Laubmischwald verdrängt, da die regelmäßige Durchnässung fehlt. „Wir hoffen, dass mit der Unterschutzstellung als Naturschutzgebiet auch eine baldige behutsame Sanierung verbunden ist, um den Verlust der Artenvielfalt zu bremsen“, sagt Gschwandtner.


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