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SALZKAMMERGUT. Seit 18 Jahren beobachtet das Forschungsprojekt „Massenbilanz am Hallstätter Gletscher“, kofinanziert von Land OÖ und Energie AG, den Rückgang des größten Gletschers im Dachsteinmassiv. Seit 2006 hat der Gletscher ein Drittel seiner Masse verloren (über 56 Millionen Kubikmeter) und rund 800.000 Quadratmeter an Eisfläche unwiederbringlich eingebüßt.

Hallstätter Gletscher im Jahr 2024 (Foto: Land OÖ)
  1 / 2   Hallstätter Gletscher im Jahr 2024 (Foto: Land OÖ)

Global gesehen hat in den vergangenen 35 Jahren der Massenverlust der Gletscher deutlich zugenommen: Derzeit verlieren die Gletscher weltweit 335 Milliarden Tonnen Eis pro Jahr. Diese Schmelze trägt jährlich zu einem Anstieg des Meeresspiegels um knapp einen Millimeter bei. Am Dachstein zeigen die Messergebnisse: Die Gletscherschmelze setzt sich unvermindert fort, vor allem aufgrund der sich verschiebenden Jahreszeiten mit sehr späten Schneefällen und immer extremeren Sommertemperaturen.

„Die Klimakrise ist in Österreich angekommen und ihre Auswirkungen sind für uns bereits deutlich spürbar: Schwere Unwetter oder unerträgliche Hitze. Unsere Gletscher reagieren sensibel auf diese Extremwetter und sie schmelzen seit Jahren kontinuierlich dahin. Wir werden den Hallstätter Gletscher nicht mehr retten können – kommende Generationen werden dieses einzigartige Naturjuwel nur mehr von Bildern aus längst vergangenen Zeiten kennen. Die Gletscherschmelze ist ein Warnsignal – wenn wir jetzt nicht mutig vorangehen und das Klima konsequent schützen, dann ist es zu spät. Dann werden sich die Berge und dieser Planet wie wir ihn kennen, unwiederbringlich verändert haben“, warnt Klimaschutzministerin Leonore Gewessler.

Forschungsarbeit am Institut für Interdisziplinäre Gebirgsforschung

Das oberösterreichische Gletschermessprogramm wird in Partnerschaft mit dem Institut für Interdisziplinäre Gebirgsforschung (IGF) in Innsbruck durchgeführt. Das IGF ist eine Forschungseinrichtung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW). Das Team des IGF untersucht die Erscheinungsformen und Auswirkungen von Prozessen des Klimawandels und der Globalisierung in den Gebirgsräumen der Erde. Mit der Ausrichtung auf Durchführung von Langzweitforschung und mit Hilfe von umfangreichen Datenbanken und Modellen zur Beobachtung erforscht das IGF-Team Mensch-Umwelt-Systeme in Gebirgen.

Interaktive Installationen des Landes OÖ machen Gletscherschwund sichtbar und sind Besuchermagnet auf der modernisierten Bergstation am Dachstein In der Bergstation auf 2.700 Höhenmetern wurden, finanziert vom Land Oberösterreich, zwei Installationen entwickelt: Ein interaktiver Touchscreen visualisiert Daten und Fakten zu klimabedingen Veränderungen der Region Dachstein, die aus der App APPtauen Dachsteingletscher (Land Oberösterreich) stammen – und speziell für die großflächige Darstellung am Touchscreen erweitert und optimiert wurden. Im Panoramarestaurant kann das Digitale Fernrohr ausprobiert werden: Der Blick in die reale Berglandschaft wird ergänzt von einer digitalen Ebene (Overlay), die sich je nach Bewegung am Drehrad des Fernrohres verändert und Informationen einspielt. Besucher/innen erhalten einen völlig neuen Blick auf die Gipfelkette, die imposante 850 Meter hohe Dachstein-Südwand oder das Abschmelzen des Gletschers am Rosmarie Stollen.

Dem Klimawandel auf der Spur

Mit dem Start des Forschungsprojektes „Klima und Massenhaushalt des Hallstätter Gletschers“ wurde 2006 eine viele Jahrzehnte andauernde wissenschaftliche Tradition fortgesetzt, die von Friedrich Simony eingeleitet wurde. Im kommenden Oktober wird bereits die 18. Bilanz vorliegen.

In den ersten Jahren war der massive Massenverlust vor allem in der unteren Gletscherhälfte augenscheinlich und messbar, mittlerweile ist die gesamte Gletscherfläche betroffen. Wie auch den Vergleichsbildern aus 2006 und 2024 ersichtlich wird.

Die Glaziologen sind in der Messperiode ab Mai bis Ende September zwischen sechs und zehn Tagen pro Jahr direkt am Eis unterwegs. Mit den notwendigen Instandhaltungsarbeiten im Winter summierte sich die Arbeit am „ewigen“ Eis auf rund zwölf bis 14 Tage im Jahr. Seit Projektbeginn waren die Glaziologen rund um Klaus Reingruber über 200 Mal im hochalpinen Gelände am Dachstein und am Hallstätter Gletscher unterwegs.


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