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TRAUNKIRCHEN. Am Abend des Gründonnerstags wird der Kalvarienberg in Traunkirchen jedes Jahr zum Mittelpunkt eines alten religiösen Brauchtums. Bei der sogenannten Antlaßnacht versammeln sich Männer und Frauen, um gemeinsam alte Passionslieder zu singen und des Leidens Christi zu gedenken.

  1 / 7   Teilnehmer der Antlaßnacht in Traunkirchen tragen Laternen und singen gemeinsam alte Passionslieder am Gründonnerstagabend. (Foto: Hörmandinger)

In der Nacht von Gründonnerstag auf Karfreitag wird von 21 bis 3 Uhr zu jeder vollen Stunde an insgesamt 12 Plätzen im Ortszentrum eine Strophe über das Leiden Christi gesungen. Ein Vorsänger stimmt dabei die Lieder an, danach singen alle Teilnehmer gemeinsam.

Ursprung in der Gegenreformation

Der Ursprung des Antlaßsingens wird in einem Passionsspiel aus der Zeit der Gegenreformation vermutet. Es soll von der Todesangst Christi Bruderschaft der Jesuitenresidenz des Klosters Traunkirchen stammen. In dieser Zeit wurde im Jahr 1696 auch der Kreuzweg auf den Kalvarienberg errichtet, der als erster Kreuzweg im Salzkammergut gilt.

Nach dem letzten Rundgang am frühen Morgen wird am Ortsplatz das sogenannte 24 Stunden Lied mit 16 Strophen über das Leiden Christi gesungen. Anschließend geht die Betgemeinschaft den Kreuzweg auf den Kalvarienberg, wo bei jeder Station Litaneien gebetet und alte Lieder gesungen werden. Den Abschluss bildet im Morgengrauen die Litanei des bitteren Leidens.

Mehr als 300 Jahre ohne Unterbrechung

Das Antlaßsingen wird seit mehr als 300 Jahren gepflegt und soll der Überlieferung nach noch nie unterbrochen worden sein, auch nicht in Kriegszeiten. Der Brauch wird ohne organisatorische Leitung durchgeführt, teilnehmen kann jeder, der kommen, mitsingen und mitbeten möchte.

Die Antlaßnacht in Traunkirchen gilt als Ausdruck tief verwurzelter Volksfrömmigkeit und ist bis heute ein fester Bestandteil des religiösen Brauchtums in der Region.


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