Esplanade-Wildwuchs: „Manchmal fühle ich mich im Tal der Gesetzlosen“
GMUNDEN. Die „Entfesselung der Wirtschaft“ und die aktive Bürgerbeteiligung an der Neugestaltung der Esplanade dürften sich selbst ÖVP-Gemeinderäte anders vorgestellt haben. Die Gemeindepolitik sieht sich jedenfalls mit verhaltensoriginellen Unternehmern und manchen gesetzlich nicht gedeckten Aktivitäten konfrontiert.

Bürgermeister Stefan Krapf (ÖVP) ließ bei der vorwöchigen Gemeinderatssitzung jedenfalls einen tiefen Seufzer los. Er werde seit geraumer Zeit (verbal, An. d. Red.) geprügelt und für den zunehmenden „Wildwuchs“ entlang der Promenade verantwortlich gemacht. Der Eindruck vieler Kritiker dürfte nicht täuschen. „Manchmal glaube ich, ich wohne im Tal der Gesetzlosen“, so Krapf.
Offensichtlicher Verzicht auf Genehmigungen
Da dürften manche Gewerbetreibende den Begriff Selbständigkeit äußerst offensiv auslegen und die Umsetzung ihrer Geschäftsideen sehr unbürokratisch angehen. Vielleicht liegt es aber auch an Kommunikationsproblemen. Ein Beispiel: Einen positiven Grundsatzbeschluss des Stadtrates, den Gemeindegrund an der Esplanade als Gastgarten nutzen zu dürfen, nahm eine Café-Lokalbetreiberin zum Anlass, um dort Betonfundamente für Sonnenschirme errichten zu lassen (siehe Foto) – laut Bürgermeister ohne Absprache mit der Gemeinde und ohne Genehmigung. „Aber auch tolle Projekte müssen genehmigt werden“, so Krapf. Die Baugrube wurde noch am selben Nachmittag wieder geschlossen und der ursprüngliche Zustand wieder hergestellt.
„Geheime“ Bauarbeiten, nicht genehmigte Automaten
Auch andere Esplanade-Betriebe dehnten ihre „Geschäftsfelder“ auf nicht verpachtete Gemeindegrundstücke aus, um so Verkaufsflächen und Umsatzmöglichkeiten zu erhöhen oder stellten nicht genehmigte Getränkeautomaten auf. Der Kreativität, um die sommerlichen Tage und den damit verbundenen Flanierwillen der Gmunden-Besucher ökonomisch zu optimieren, schienen keine Grenzen gesetzt.
Dem „Wildwuchs auf der Esplanade“ will man nun ein Ende setzen. „Das geht so nicht, sonst stellen wir als Gemeinde selbst irgendwelche Automaten auf, um Einnahmen zu lukrieren. Die Schnellentschlüsse im Stadtrat waren ein Fehler“, gibt sich Bau-Stadtrat Reinhold Kassmannhuber (BIG) geläutert.
In Schranken weisen
Der Kritik und dem Ruf, illegales Treiben entsprechend zu beenden, schlossen sich auch FPÖ, SPÖ und Grüne an. „Wir wollen Jungunternehmer auf vielfältige Weise unterstützen, aber es ist Differenzierung nötig“, meinte SP-Gemeinderat Markus Medl. Etwaige Änderungswünsche müssten dem Grundkonzept für die Neugestaltung der Esplanade entsprechen und mit der Stadtgemeinde abgestimmt werden. „Jeder Wirt, der expandieren will, muss sich an die Gesetze halten. Da müssen wir ganz klare Grenzen ziehen“, so Bürgermeister Krapf.


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