Zwei eng verbundene Originale: Der Alte Turm und Rupert Hörlezeder erzählen Geschichte(n)
HASLACH. Als lebendiges Zeichen einer langen, wehrhaften Geschichte ist der alte Turm von Haslach ein echtes Original. Und mit Rupert Hörlezeder (84) als Kustos des darin befindlichen Heimatmuseums bringt wiederum ein weiteres Haslacher Original den Besuchern die Historie des alten Weberortes näher.

Eine bestimmte Faszination für den alten Turm ist es nicht unbedingt, die Rupert Hörlezeder mitbringt. Das könnte man so nicht sagen. Es ist eher die Tatsache, dass er besonders viele Exponate im Heimathaus noch von seiner eigenen Kindheit und Jugend kennt, die ihn zum perfekten Kustos für den alten Turm macht. „Weißt du, woher der Spruch „etwas auf dem Kerbholz haben“ kommt?“, fragt er da etwa und sogleich hat er das entsprechende Ausstellungsstück parat, das eben jene Geschichte zu erzählen weiß.
Aber natürlich weiß er auch einiges über den Turm selbst. Etwa, dass er um 1480 als Teil einer großen Befestigungsanlage rund um Haslach fertiggestellt wurde. Der Markt wurde nämlich 1427 komplett von den Hussiten zerstört und damit so etwas nicht wieder passieren möge, bauten die Haslacher die große Verteidigungsanlage. Bei einem Brand 1910 wurde das oberste Geschoss des Turms – drei Ebenen sind es insgesamt – stark in Mitleidenschaft gezogen. Doch ein Bürger, Johann Mayrhofer mit Namen, rettete den Turm vor dem Abriss und ließ ein Heimatmuseum errichten. Seit 1927 kann man es besuchen und es gehört – neben jenem in Freistadt – zu den ältesten seiner Art im Mühlviertel.
Von Handwerk bis Haushalt
Und so stapft Rupert Hörlezeder seit nunmehr zwölf Jahren zwischen Mai und Oktober jeden Samstag um 10 Uhr die paar Stufen auf den Turm hinauf, nimmt den großen, alten Schlüssel aus der Hosentasche und sperrt die Türe auf, die zu den Schätzen der Gemeinde im Inneren führt. Da ist nicht nur altes Handwerkszeug, sondern Haushaltsgegenstände von anno dazumal, kirchliche Gegenstände und natürlich Militaria aller Art, die Zeugnis von der früheren Bedeutung Haslachs als regionales Zentrum abgeben. Wer sich für die Geschichte der Heimat interessiert, kann dort einen ganzen Vormittag den Ausführungen Hörlezeders lauschen und es wird nicht langweilig. Denn die vielen Anekdoten, die der frühere Schustermeister dazu zu erzählen weiß, lassen die Geschichte im Kopf lebendig werden.
Vor Vergessen bewahren
„An vielen Samstagen sitze ich aber ganz alleine hier und dann lese ich halt was. Wenn wer kommt, dann sind das meistens Leute, die irgendwie mit Haslach verbunden sind und beispielsweise gerade zu Besuch bei Verwandten hier sind“, erklärt Hörlezeder. Dann erzählt er von der Zeit, in der Haslach als erster Ort in Oberösterreich elektrischen Strom im Haus und eine elektrische Straßenbeleuchtung hatte. Oder vom Wiedersehen mit ehemaligen russischen Besatzern bei einem Musik-Ausflug nach Russland. Es ist wichtig, dass dieses Wissen nicht in Vergessenheit gerät. Rupert Hörlezeder leistet einen großen Beitrag dazu.


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