40. Jubiläum: Die Eiermacher in Kremsmünster bauen Fleischverarbeitung aus
KREMSMÜNSTER. Die Eiermacher GmbH feiert heute, 11. September, ihr 40-jähriges Bestehen am Standort in Kremsmünster. Der Festakt steigt in der neuen Halle für die Geflügelfleischverarbeitung. Sie kostete laut Geschäftsführer Manfred Söllradl rund sieben Millionen Euro.

Zum 40-jährigen Bestehen erweitert die Eiermacher GmbH ihre Fleischverarbeitung. Die neue Halle soll die bisherigen Möglichkeiten nach Angaben des Unternehmens mindestens verdoppeln. Die Investition beträgt rund sieben Millionen Euro. Eröffnet werden soll sie noch heuer.
Aus rund 27 landwirtschaftlichen Betrieben entstand 1986 in Schlierbach die Eiermacher GmbH. Seit 2015 befindet sich der Firmensitz in Kremsmünster. Heute gehören 34 Gesellschafter zum Unternehmen. Rund 330 bäuerliche Produzenten arbeiten mit den Eiermachern zusammen.
„Trotz dieses starken Wachstums in den letzten Jahren und Jahrzehnten hat die Eiermacher GmbH einen starken bäuerlichen Hintergrund behalten“, sagte Martin Tragler, Vorsitzender des Beirats. Der Beirat vertritt die Gesellschafter im Unternehmen.
Drei Säulen: Eier, Küken und Fleisch
Die Eiermacher arbeiten in drei Bereichen. Dazu zählen Eier und Eiprodukte, die Brüterei mit Küken und Junghennen sowie Geflügelfleisch von Hähnen und Enten. Der Bereich Eiervermarktung ist laut Geschäftsführer Manfred Söllradl umsatzmäßig der stärkste.
Das Unternehmen setzt dabei nach eigenen Angaben auf biologische Haltung, Freilandhaltung und Bodenhaltung. „Freilandhaltung ist vor allem in der Steiermark sehr stark“, sagte Söllradl. Die Betriebe für biologische Eier liegen unter anderem in Kärnten, im Mühlviertel und im Waldviertel.
In der Eierpackstelle werden die angelieferten Eier sortiert, auf Qualität geprüft und verpackt. Zwei Sortiermaschinen können laut Unternehmen jeweils 80.000 bis 90.000 Eier pro Stunde verarbeiten. „Die Jahresmenge beträgt rund 190 Millionen Eier. Etwa zwei Drittel davon sind Bio-Eier, ein Drittel stammt aus Freilandhaltung“, erklärt der Geschäftsführer.
Eier für Handelsmarken
Die Eiermacher produzieren unter anderem für Toni’s Freilandeier, Lidl-Eigenmarken und FairHof. „Die wir zur Gänze selber herstellen“, sagte Söllradl über diese Marken.
Seit Ende 2015 werden laut Unternehmensangaben in der Bio-Legehennenhaltung alle männlichen Eintagsküken aufgezogen. Seit 2020 werden auch Junghähne für bestimmte Marken aus konventioneller Freilandhaltung aufgezogen. Die Aufzucht dauert laut Söllradl je nach Haltungsform etwa zehn bis zwölf Wochen.
Aus dem Thema Bruderhahn sei auch der Aufbau der Fleischverarbeitung entstanden. Zunächst wurden Hähne in einem umgebauten Schlachthof in Baumgartenberg verarbeitet. Weil dieser Standort weit entfernt gewesen sei und die Kapazitäten nicht ausgereicht hätten, errichtete das Unternehmen 2020 einen Schlachthof in Nußbach.
Schlachthof in Nußbach
Der Schlachthof in Nußbach wurde zuletzt 2023 erweitert. Dort können pro Stunde 4.200 Bio-Hähne und über 1.000 Bio-Enten geschlachtet werden. Das Geflügel wird dort geschlachtet, zerlegt und für die Weiterverarbeitung vorbereitet.
Die neue Halle in Kremsmünster dient der weiteren Fleischverarbeitung. Dort werden Teile vom Schlachthof verpackt und an den Handel geliefert. Außerdem soll die Verarbeitung etwa für Burger und andere Produkte möglich sein. Geplant sind auch ein Tiefkühllager und eine neue Produktionsanlage.
„Geflügelfleisch ist nämlich sehr im Kommen“, sagte Söllradl. Der allgemeine Fleischkonsum gehe zurück. Beim Geflügelfleisch sei der Verbrauch aber gleichbleibend oder steigend. Söllradl verwies darauf, dass Geflügelfleisch „religionsfrei“ sei.
Entenprojekt von Grund auf aufgebaut
Ein jüngerer Bereich ist die Bio-Ente. Laut Söllradl gab es zu Beginn des Projekts nur wenige Entenhalter in Österreich. Das Unternehmen baute deshalb eine eigene Kette auf: von Elterntieren und Brüterei über Mastbetriebe bis zu Zerlegung und Verpackung.
Der Anteil österreichischer Entenproduktion sei zwischen 2017 und 2025 von vier auf 25 Prozent gestiegen, sagte Söllradl unter Verweis auf Zahlen der Statistik Austria. Entenfleisch bleibt jedoch ein Saisonprodukt. Zwei Drittel der Menge würden zwischen Martini und Weihnachten gegessen, ein Drittel im restlichen Jahr. Deshalb sei die Möglichkeit zur Tiefkühlung wichtig.
Hohe Standards und klare Herkunft
Söllradl sieht die hohen Anforderungen an die heimische Produktion als Herausforderung im Wettbewerb. „Österreich produziert unter sehr hohen Standards bei Tierwohl, Qualität und Lebensmittelsicherheit“, sagte er im Interview. Diese Standards verursachten höhere Kosten, während ausländische Ware oft günstiger produziert werde.
Entscheidend sei eine klare Herkunftskennzeichnung, auch bei verarbeiteten Lebensmitteln und in der Gastronomie. „Besonders bei verarbeiteten Lebensmitteln und in der Gastronomie fehlt oftmals noch die nötige Transparenz“, sagte Söllradl.
Die Standards für die Betriebe kommen laut Geschäftsführer von den Kunden und aus den jeweiligen Richtlinien, etwa der Bio-Richtlinie. Kontrolliert werden die Höfe von externen Kontrollstellen. „Wir selber kontrollieren die Betriebe nicht“, sagte Söllradl. Dadurch solle die Kontrolle klar von der Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und landwirtschaftlichen Betrieben getrennt bleiben.
Interesse an Geflügelhaltung steigt
Die Geflügelbetriebe seien laut Söllradl meist langfristige Partner. Die jährliche Fluktuation liege bei rund drei Prozent. Derzeit gebe es mehr Anfragen von Betrieben, als aufgenommen werden könnten. Eine Warteliste gebe es aber nicht, betonte Söllradl. Das Unternehmen plane die Produktion und nehme Betriebe je nach Bedarf auf.
Er beobachte, dass sich auch Ackerbauern wieder stärker für Tierhaltung interessieren. „Wir sehen jetzt, dass die neue Generation der Ackerbauern wieder nach der Tierhaltung kommt“, sagte Söllradl. Gründe seien unter anderem der Bedarf an Wirtschaftsdünger für die Felder sowie schwierige Bedingungen in anderen Bereichen der Landwirtschaft.
Die durchschnittliche Größe eines Bio-Freilandbetriebs liege bei 5.000 bis 6.000 Legehennen. Bei konventionellen Freilandbetrieben seien es rund 12.000 Tiere. Größere Ställe wolle das Unternehmen laut Söllradl nicht aufnehmen.
Vorsorge bei Geflügelpest
Ein Ausbruch der Geflügelpest kann für Betriebe weitreichende Folgen haben. „Bei einem Ausbruch zählen schnelle Reaktion, strenge Biosicherheit und eine enge Zusammenarbeit mit Behörden und Tierärzten“, erklärte Söllradl. Stallpflicht, Schutzmaßnahmen oder Tierverluste bedeuteten für betroffene Bauern eine wirtschaftliche und emotionale Belastung.
Beim Schlachthof in Nußbach setzt das Unternehmen deshalb auch auf eine Waschanlage für Transportfahrzeuge und Kisten. Die Reinigung der Transportmittel sei ein wichtiger Teil der Vorsorge, sagte Söllradl. „Die Tiergesundheit steht ganz oben.“
Bio-Kennzeichnung in Österreich vertrauenswürdig
Auch persönliche Vorlieben verriet Geschäftsführer Manfred Söllradl in einem Interview: Seine Lieblingsrasse sei das Zweinutzungshuhn „Sandy“. „Diese Rasse steht für gute Legeleistung, Fleischqualität und mehr Tierwohl miteinander zu verbinden“, sagte er. Auffällig seien auch die cremefarbenen Eier.
Bei Eierspeisen greift Söllradl am liebsten zur klassischen Eierspeise aus österreichischen Bio-Eiern. „Dazu frisches Bauernbrot – mehr braucht es eigentlich nicht.“ Eiernockerl, Spiegelei oder ein weiches Frühstücksei esse er aber ebenfalls gerne.
Und einen Tipp an Konsumenten beim Einkauf von Eiern und auch Fleisch hat er ebenfalls parat: „Achtet auf die Herkunftsbezeichnung und auf die Haltung. Wenn man den Tieren wirklich etwas gutes will, greift zu Bio-Artikeln. Dieser Kennzeichnung kann man in Österreich vertrauen.“








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