„Corona änderte die Zugänglichkeit der Angebote für Krebspatienten“
BEZIRK BRAUNAU. Der Februar steht mit dem Weltkrebstag und dem Kinderkrebstag am 15. Februar ganz im Zeichen des Kampfes gegen Krebs. Welche Hilfsangebote es im Bezirk Braunau gibt und wie sich die Krebshilfe in der Pandemie verändert hat, verrät die Psychologin Gudrun Pointner von der Krebshilfe-Beratungsstelle Braunau.

Jährlich erkranken in Österreich etwa 42.000 Menschen an Krebs. Obwohl sich in den letzten Jahren der Behandlungserfolg verbessert hat, ist die Diagnose für Betroffene und ihre Angehörigen immer noch niederschmetternd.
Erster Ansprechpartner für Menschen mit einer Krebsdiagnose ist das Behandler-Team im Krankenhaus. Hier können Patienten medizinische Infos und auch beispielsweise Informationen zur Ernährung, Pflegemaßnahmen oder Bewegung erfragen. Auch ein psychologischer oder ein seelsorgerlicher Beistand wird hier angeboten.
Patienten sind zögerlicher
Wie in vielen anderen Bereichen hatte die Covid-Pandemie auch in der Krebstherapie ihre Auswirkungen. „Corona änderte die Zugänglichkeit der Angebote für Krebspatienten. Manche scheuen sich nun davor, ins Krankenhaus zu gehen. Sie sind unsicher, welche Voraussetzungen gerade gelten oder wollen das Personal im Spital nicht „zusätzlich belasten““, berichtet Pointner.
„Ich bemerke daher eine Tendenz, dass Patienten weniger umfassend aufgeklärt sind, wenn sie mit mir Kontakt aufnehmen. Oft brauchen sie Ermutigung, noch einmal nachzufragen und sich die für sie wichtigen Informationen zu holen, denn oft tauchen erst nach dem stationären Aufenthalt im Alltag relevante Fragen auf.“
Zudem komme es vereinzelt vor, dass Patienten von OP-Termin-Verschiebungen betroffen sind. Das betreffe zwar nicht lebenswichtige Eingriffe, aber solche, die beispielsweise Schmerzen reduzieren könnten.
Experten für Spezialfragen
Bei der Krebshilfe stehen in den regionalen Beratungsstellen zusätzlich Psychologen, Psychotherapeuten sowie ein großes Experten-Team für Spezialfragen zur Verfügung. Sie bieten eine medizinische und komplementärmedizinische Beratung, Hilfestellungen zur Ernährung und Pflegemaßnahmen oder auch eine sozialrechtliche oder sexualtherapeutische Beratung an. Außerdem gibt es das Projekt „Mama/Papa hat Krebs“, das Familien beratend zur Seite steht.
„Vieles wird aktuell telefonisch oder in Videokonferenzen organisiert. Manche Patienten möchten lieber ein Gespräch in Präsenz. Wir versuchen hier Angebote möglichst flexibel bereitzustellen“, erklärt die Psychologin.
Neue Angebote
Seit der Pandemie gibt es auch neue Angebote. Bei „Web und call“ werden Online-Vorträge angeboten, bei denen auch Fragen an die Referenten möglich sind. Das „Herrenzimmer“ ist außerdem ein spezielles Online-Format für Männer.
Aktuelle Veranstaltungen sind auf der Homepage der Krebshilfe zu finden. Von Yoga bis zum therapeutischen Singen, vom Wandertag bis hin zu Schminkstipps während der Chemotherapie ist hier alles dabei. „Man kann auch im Archiv vergangene Veranstaltungen abrufen“, verrät die Beraterin.
In den vielen Broschüren der Krebshilfe können Patienten außerdem Infos zu unterschiedlichen Tumorarten oder anderen Themen nachlesen. Die Broschüren stehen zum Download zur Verfügung, können aber auch gratis bestellt werden.
„Gute und sachliche Information ermöglicht unseren Patienten, Entscheidungen für sich und ihre Erkrankung zu treffen. Angst ist meist ein schlechter Ratgeber“, betont Pointner. Zudem erleben es Patienten oft als große Entlastung, wenn sie einen fixen Ansprechpartner zu bestimmten Themen haben, berichtet die Expertin.
Angehörige unterstützen
Pointners Ansicht nach würden auch Angehörige öfter Unterstützung brauchen. „Sie sind unmittelbar von der Erkrankung ihres Familienmitglieds betroffen, sind emotional genauso belastet, sind aber meist zugleich sehr gefordert damit, die Betroffenen zu unterstützen, Aufgaben im Alltag zu übernehmen und werden oft von der Umgebung als Ansprechpartner ausgewählt.“
Konkrete Hilfsangebote
Krebspatienten wiederum werden oft mit Ratschlägen, Forschungsergebnissen und neuen Therapieansätzen überschüttet. Pointner rät Betroffenen, diese Hilfsangebote tatsächlich als „Angebote“ zu verstehen. „Die Entscheidung darüber, welches Angebot das aktuell Richtige für den Einzelnen ist, darf beim Betroffenen selbst bleiben. Auch in unseren Beratungen zeigen wir Wege auf, aber welchen Weg ein Betroffener gehen will, ist seine Sache. Wir begleiten den Weg, für den sich Patienten entscheiden.“
Die Beraterin empfiehlt ganz konkrete Hilfsangebote, wie zum Beispiel am Tag nach der Chemo ein Mittagessen zu bringen oder die Kinder mit auf den Spielplatz zu nehmen, damit sich Patienten ausruhen können.
Angehörige sollten außerdem keine Scheu davor haben, etwas zu unternehmen, auch wenn jemand in der Familie erkrankt ist. „Meiner Erfahrung nach ist es aber sehr positiv für alle, wenn Angehörige gut auf einen Ausgleich achten, vielleicht auch lustige Dinge erleben, die sie dann ihren Kranken zu Hause erzählen können“, so die Psychologin.
Was viele nicht wissen
Was viele Patienten nicht wissen ist, wie häufig das chronische Erschöpfungssyndrom bei Tumorerkrankungen auftreten kann. „Andauernde Müdigkeit, Erschöpfung bei alltäglichen Anstrengungen begleitet von Konzentrations- und Gedächtnisstörungen und depressiv gefärbter emotionaler Reaktion kommen laut Studien bei etwa der Hälfte aller Krebspatienten vor.“
3.500 Beratungen pro Jahr
In Oberösterreich werden bei der Krebshilfe pro Jahr rund 3.500 Beratungen in Anspruch genommen. In Braunau waren es 2020 zirka 100.
Als beste Vorbeugung zum Schutz vor der Krankheit gilt unter anderem eine gesunde Ernährung, Bewegung und Früherkennungsuntersuchungen. Weitere Infos gibt es unter www.krebshilfe-ooe.at


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