Arbeitsmarkt in OÖ: Niemand soll zurückgelassen werden

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Karin Seyringer Karin Seyringer, Tips Redaktion, 07.04.2021 18:09 Uhr

OÖ. Trotz leichter Entspannung am oberösterreichischen Arbeitsmarkt gibt es Personengruppen, die sich schwertun, Fuß zu fassen. Mit verschiedenen Angeboten und Impulsen versucht das Land OÖ, Perspektiven zu geben und auch Chancen zu bieten.

Der oö. Arbeitsmarkt zeigt erste Signale der Erholung. Waren im Jänner 2021 in OÖ rund 53.500 Personen arbeitslos gemeldet, sind es im März 39.807. Die Arbeitslosenquote liegt im März bei 5,6 Prozent – die niedrigste in Österreich, wo diese im Schnitt bei 9,4 Prozent liegt. „Insgesamt ist die wirtschaftliche Lage im industriell geprägten Oberösterreich momentan auf dem Weg nach vorne, weite Bereiche der Industrie haben wieder volle Auftragsbücher und sind auf der Suche nach Fachkräften“, so Landeshauptmann Thomas Stelzer. Rund 22.000 Stellen seien aktuell offen, bei den Lehrstellen stehen 1.300 offene Stellen 550 Suchenden gegenüber, führt Wirtschafts-Landesrat Markus Achleitner aus.  

Sozial-Landesrätin Birgit Gerstorfer verweist hier nicht nur auf die erfreuliche Entwicklung am Arbeitsmarkt, im Vergleich zum Referenzjahr 2019 gebe es aber nach wie vor ein Plus von 6.000 Arbeitslosen – und ein großes Plus von Langzeitarbeitslosen. „Das ist ein massiver Auftrag, zu handeln“, so Gerstorfer. 

Es gehe auch um den Blick auf Einzelschicksale – warum Stelzer, Gerstorfer und Achleitner am Mittwoch Maßnahmen und Impulse des Landes OÖ auch gemeinsam mit Standortpartnern für jene Gruppen, die es besonders schwierig haben, (wieder) am Arbeitsmarkt Fuß zu fassen, vorstellten. Die Arbeitslosigkeit treffe besonders alle jene, die mit dem Tempo der  Arbeitswelt nicht in allen Bereichen Schritt halten können oder die es bei der Qualifizierung schwerer haben. „Aber genau diese Menschen wollen wir ganz besonders begleiten und dabei unterstützen, ihren Platz in der Arbeitswelt zu finden. Deshalb sind insbesondere auch die gemeinsam mit dem Sozialressort gesetzten Maßnahmen zur Unterstützung von sozial benachteiligten Menschen eine wesentliche Säule des 'Paktes für Arbeit & Qualifizierung 2021“, so die drei.

Härtefonds für Arbeitnehmer

So unterstreicht Stelzer den oö. „Corona-Härtefonds für Arbeitnehmer“ vom Land OÖ und der Arbeiterkammer. Mit gesamt fünf Millionen Euro werden an Arbeitnehmer, die aufgrund der Corona-Krise arbeitslos wurden oder weniger Lohn haben - bis zu 500 Euro pro Person - unterstützt, „wo wir versuchen, den ersten Schock mit Direkthilfe abzufedern“, so Stelzer. Noch bis 30. Juni können hier Anträge gestellt werden. Bislang wurde 7.000 Anträge gestellt.

„Job-Restart“ für Langzeitarbeitslose

Für Langzeitarbeitslose hat OÖ das „Job Restart“-Programm mit fünf Punkten für den Wiedereinstieg gestartet. Ende März waren 13.504  Langzeitarbeitslose in OÖ gemeldet. Betriebe und Gemeinden, die Langzeitarbeitslose aufnehmen, werden gefördert, je nach Bedarf stehen bis zu 80 Millionen Euro in dem Topf bereit. Alle Details dazu gibt's auf www.tips.at/n/530100

Zudem umfasse der „OÖ. Pakt für Arbeit & Qualifizierung 2021“ Maßnahmen für jene Gruppen, die es schwerer am Arbeitsmarkt haben. Zwei Beispiele: Für Arbeitslose Personen über 50 Jahren unterstützt die Servicestelle „Job und Wirtschaft“ bei der Suche nach einem geeigneten Arbeitsplatz. 40 Prozent der bisher 500 betreuten Personen konnten so bislang einen neuen Arbeitsplatz finden. Die Zuweisung erfolgt über das AMS OÖ oder auch eigeninitiativ, Kontakt und Infos unter www.job-wirtschaft.at

Ein zweites Beispiel sind Sozialökonomische Betriebe: 2021 werden 1.300 Personen in solchen Betrieben beschäftigt und qualifiziert. Ziel ist die Heranführung an eine Wiedereingliederung in den ersten Arbeitsmarkt in den verschiedensten Branchen. Durchschnittlich acht Monate sind Personen dort beschäftigt, rund ein Drittel gelangt in ein betriebliches Arbeitsverhältnis.

Hilfe beim Einstieg in den „ersten Arbeitsmarkt“

Die Nachfrage nach Fachkräften ist zwar trotz hoher Arbeitslosigkeit groß, die Integrationschancen von Personen mit Vermittlungshemmnissen – sei es das Alter, gesundheitliche Einschränkungen, lange Arbeitslosigkeit, Betreuungspflichten – sinken gleichzeitig aber.

Einen besonderen Schwerpunkt legen die Angebote des Sozialressorts auf Jugendliche und junge Erwachsene, die es schwierig haben. „Der Einstieg junger Menschen in das Erwerbsleben soll nicht mit Arbeitslosigkeit beginnen“, so Gerstorfer, denn das wirke sich Jahrzehnte aus. „In sozialökonomischen Beschäftigungsprojekten bekommen Menschen eine zweite Chance. Sie erhalten eine sozialpädagogische Begleitung und können einer sinnvollen Beschäftigung nachgehen.“ Mit den Projekten sollen zu Beginn auch Vermittlungshemmnisse abgebaut und Persönlichkeitsstabilisierung und Persönlichkeitsbildung erreicht werden.

Die verschiedenen Angebote und Initiativen sind dabei inhaltlich sehr unterschiedliche und auch regional in Oberösterreich breit gefächert. Beispiele sind

  • der Verein Saum - Sozial- und Ausbildungsinitiative Unteres Mühlviertel und Verein Bildungszentrum Salzkammergut (BIS), Ebensee, Projekt „Buntspecht“
  • VFQ - Gesellschaft für Frauen und Qualifikation mbH, Linz, Projekt „IT-G@rage“, Linz
  • FAB - Verein zur Förderung von Arbeit und Beschäftigung, Linz, „DO IT“ Jugendprojekt Wels
  • Verein für Arbeit, Beratung und Bildung - VABB, Steyr, Projekt „Job start“
  • VSG - Verein für Sozial- und Gemeinwesenprojekte, Linz, Projekt „Kick“
  • Bischöfliche Arbeitslosenstiftung, Linz, Projekt „ju-can“

Mit den beiden Projekten „resp@ct“ und „upgrade“ werden zudem zielgruppenspezifische Unterstützungsprojekte für ausgegrenzte Jugendliche und junge Erwachsene bis 24 Jahren, die sich weder in Arbeit, noch in Ausbildung, Schulung oder in Betreuung einer relevanten Institution (AMS, Produktionsschule, etc.) befinden, angeboten.

Achleitner verweist darauf, dass auch die Plätze der überbetrieblichen Lehrlingsausbildungen auf 1.400 Plätze verdoppelt wurden.

Beschäftigungsprojekte für Sozialhilfebezieher

Einen weiteren Schwerpunkt setzt das Sozialressort bei Beschäftigungsprojekten für Sozialhilfebezieher. „Mit diesem Angebot erhalten sie eine echte Chance auf Qualifikation, die dazu führt, dass sie möglichst dauerhaft am Arbeitsmarkt unterkommen und nicht mehr  auf Unterstützung aus der Sozialhilfe angewiesen sind. Durch die Finanzierung des  Sozialressorts kann rund 1.350 Personen ein Ausbildungs-  bzw. Beschäftigungsplatz zur Verfügung gestellt werden“, so die Landesrätin. 

Fokus auf Altenpflege- und Betreuung

Für beide Seiten sinnvoll sei der Fokus auch auf die Ausbildung in der Altenpflege und -betreuung. Das Sozialressort investiert auch 2021 in kostenlose Ausbildungsangebote. Konkret werden 700 von insgesamt 1.080 Ausbildungsplätzen im Rahmen einer Implacementstiftung zur Verfügung gestellt. Nicht nur dem Personalmangel in diesem Bereich werde entgegengewirkt, die Personen hätten eine sinnstiftende Arbeit, regional und auch krisensicher.

Wichtig für Stelzer, Achleitner und Gerstorfer: „Niemand wird zurückgelassen, allen wird ein Angebot gemacht.“

 

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