Ein Mühlviertler bereichert die kulinarische Landschaft Kopenhagens
PREGARTEN/ MAUTHAUSEN. Der 24-jährige Pregartner Philipp Inreiter besitzt seit zwei Jahren ein japanisches Lokal in Kopenhagen. Nach seiner Lehre in Mauthausen und verschiedenen Zwischenstopps in Amerika und Japan machte er sich in der Hauptstadt Dänemarks selbständig. Tips besuchte ihn in seinem Lokal.

Tips: Was bekommt man bei dir genau serviert?
Inreiter:Ramen. Das ist in Japan, was Pizza in Italien ist. Es besteht aus verschiedenen Komponenten. Die Basis ist eine Brühe aus Gemüse, Salz und Miesmuschel oder auch Soja. Einlagen sind spezielle asiatische Nudeln, Gemüse oder Fleisch.
Tips: Was ist so besonders an Ramen?
Inreiter:Naja es ist in der Herstellung sehr komplex. Die wichtigste Zutat ist die Zeit: Denn man muss sich wirklich für jede Zutat ausreichend Zeit nehmen. Ein Ramen benötigt in der Herstellung locker zwei bis drei Tage, um den richtigen Geschmack zu haben. Bei uns braucht ein Ramen sogar bis zu sieben Tage.
Tips: Wie bist du nach deiner Lehre beim Weindlhof in Mauthausen überhaupt nach Kopenhagen gekommen?
Inreiter:Kopenhagen ist in Europa ein kulinarisches Mekka und hat so natürlich einen gewissen Reiz für Köche.
Tips: Wann wusstest du, dass du Koch werden möchtest und keine musikalische Karriere einschlagen willst?
Inreiter: Die Zeit als Sängerknabe war für mich eine tolle und wichtige Erfahrung. Sie hat mir gezeigt, dass man anderen Kulturen aufgeschlossen sein muss und ich glaube dadurch wurde aus mir der Weltenbummler, der ich heute bin. Aber ich wollte bereits als Kind Koch werden – mein Traum war immer ein eigenes Restaurant am Markusplatz in Venedig zu eröffnen. Jetzt ist es halt in Kopenhagen.
Tips: Was ist nach deiner Lehrzeit alles passiert?
Inreiter: Zuerst der Zivildienst. Mir war relativ schnell klar, dass ich nicht in Österreich bleiben möchte. Ich bin dann für ein dreimonatiges Praktikum nach Kopenhagen gegangen. Dort habe ich im Noma gearbeitet, dieses wurde schon öfters als weltbestes Restaurant ausgezeichnet. Nach den drei Monaten habe ich eine fixe Anstellung als chef de partie bekommen.
Tips: Aber?
Inreiter: Dort bin ich dann nicht mehr lange geblieben. Zwischendurch bin ich dann nach Wien und wollte mit meiner damaligen Freundin eine Kaffeerösterei betreiben. Allerdings stellte sich das als sehr schwierig raus und der Kaffee war einfach nicht gut. Also bin ich nach Japan.
Tips: Anderes Land andere Kultur. Welche Erfahrungen hast du dort gemacht?
Inreiter:Ich habe im RyuGin Poppongi in Tokio gearbeitet. Zu ausländischen Praktikanten waren die relativ nett aber es war eine sehr harte Zeit. Keiner konnte englisch und ich kann kein japanisch. Aber ich habe es geschafft und bin froh diese Erfahrung gemacht zu haben.
Tips: Wie ging es dann weiter?
Inreiter: Ja, dann bin ich wieder zurück nach Kopenhagen und habe nochmal für ein halbes Jahr im Relæ gearbeitet. Aber ich wusste, ich möchte mein eigener Chef sein und durch Zufall lernte ich meinen jetzigen Geschäftspartner auf der Straße kennen und wir entwickelten unsere Idee.
Tips: Wieso Ramen?
Inreiter:Weil es Ramen in Kopenhagen eigentlich nicht wirklich gibt. Ich bin dann für meine kulinarische Recherche sehr viel in Amerika und Japan unterwegs gewesen und habe mir schließlich, beim meiner Meinung nach besten Ramen-Koch, die Fähigkeiten angeeignet.
Tips: Wann habt ihr dann endgültig eröffnet?
Inreiter:Von der Idee bis zu Eröffnung verging mehr als ein Jahr. Aber am 14. Februar 2017 wurde unser Lokal „Slurp Ramen Joint“ dann endlich eröffnet. Bereits vor der Eröffnung herrschte in den sozialen Netzwerken ein wahrer Hype um unser Lokal. Die Leute stehen heute noch Schlange - egal ob im Regen oder bei eisigen Temperaturen. Dieses Phänomen ist eigentlich sehr untypisch für Dänemark.
Tips: Wie hast du die Zeit von der Idee bis zur Eröffnung empfunden?
Inreiter:Es war eine wahnsinnig stressige Zeit und wir haben Tag und Nacht hart gearbeitet. Aber er war eine gute Phase, denn nur so kann man den Erfolg auch richtig schätzen.
Tips: Wie viele Mitarbeiter habt ihr?
Inreiter:13. Wir haben sechs Tage die Woche offen und 22 Sitzplätze – geben allerdings täglich rund 200 Portionen raus. Da ist diese Anzahl schon sehr nötig.
Tips: Hast du die österreichische Küche ein Stück weit nach Kopenhagen gebracht?
Inreiter:Ja, ich koche gerne typisch österreichisch. Letztens habe ich Grammelknödel gekocht aber auch Kaiserschmarrn und Schnitzel dürfen nicht fehlen.
Tips: Was hast du für die Zukunft geplant?
Inreiter:Bald wird eine TV-Show gestartet, die auch auf Youtube zu sehen sein wird. „The probably best food-show ever made“ wird Restaurants, Kaffees, Bar und Produzenten von Kopenhagen ins Licht rücken. Und langfristig, ich glaube ich werde nicht in Kopenhagen bleiben.
Tips: Sondern?
Inreiter: Ich könnte es mir in New York City oder Los Angeles gut vorstellen. Aber auch in Seoul, da ja meine Frau von dort ist. Wir werden sehen, wo mich die Zeit hintreibt.


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