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MAUTHAUSEN. Jahrzehntelang hat sich Gerti Jahn für die SPÖ politisch engagiert. 2003 ist sie erstmals für den Wahlkreis Mühlviertel in den Landtag eingezogen. 2011 wurde sie Klubchefin, im Jänner 2014 folgte sie Joschi Ackerl als Sozial-Landesrätin nach. Aufgrund des schwachen Wahlergebnisses am 27. September hat sich die Mauthausnerin nun aus der Politik zurückgezogen.

  1 / 2   Eine politische Funktion will Jahn in Zukunft nicht mehr bekleiden, verschiedene Initiativen zu unterstützen kann sie sich aber vorstellen.  Foto: Weihbold

Tips:Seit 1. November sind Sie in Pension. Wie geht es Ihnen damit?

Gerti Jahn: Persönlich geht es mir sehr gut. Ich mache alles, was mir Freude macht, aber politisch mache ich mir sehr große Sorgen.

Tips:Die SPÖ erlebte am 27. September einen schwarzen Tag. Was ist schief gelaufen? Warum kann die SPÖ ihre Wähler nicht mehr erreichen?Jahn: Wir leben in wirtschaftlich sehr schwierigen Zeiten. Viele Menschen haben große Sorgen. Angst um den Arbeitsplatz, niedrige Einkommen, ... und in der Arbeitswelt wird auch der Druck immer größer. Die Kluft zwischen Arm und Reich wird immer größer. Einfache Lösungen gibt es für dieses Problem nicht, die der FPÖ hören sich vielleicht gut an, aber für die kleinen Leute haben die noch nie wirklich was getan.Tips:Viele sagen, die Flüchtlingssituation war ausschlaggebend. Ist das so leicht?Jahn: Nein, das sehe ich nicht so. Aber die Ängste der Menschen sind dadurch verstärkt worden. Politik ist eine Frage von Stimmungen. Die Verunsicherung ist sehr groß. Das Problem ist, dass immer nur über das Negative berichtet wird. Auch was die Flüchtlingsunterkünfte betrifft, für die ich im Land zuständig war. Es wird immer nur über die Kosten geredet, viel Geld kommt aber davon auch der heimischen Wirtschaft zugute.

Tips:Sie sind dafür bekannt, immer eine sehr sachliche Politik geführt zu haben. Hätten Sie vielleicht manchmal mehr auf den Tisch hauen sollen?

Jahn: Ich würde keine andere Politik machen, weil gegenseitiges Aufheizen immer nur ins Negative geht. In manchen Dingen lauter und bestimmter zu sein, wäre aber sicher wichtig.

Tips:Wenn man Bilanz zieht, treten meist die positiven Dinge in den Vordergrung. Worauf sind Sie besonders stolz?Jahn: Es gibt viele Dinge, auf die ich stolz bin. Politik ist was anderes als die täglichen Aufreger. Dass nach eineinhalb Jahren Forderung nach einem Behindertenfond dieser nun endlich auf die Tagesordnung beim Bundesfinanzausgleich kommt zum Beispiel. Oder dass 90 Prozent der Menschen in Altenheimen ein Einzelzimmer haben, daran hat Joschi Ackerl schon immer gearbeitet. Auch die Arbeit im Integrationsbereich, sonst würde vieles bei uns anders aussehen. Oder auch das Förderkonzept für Frauenübergangswohnungen war ein wichtiger Schritt.

Tips:Der Kampf für die Gleichstellung von Mann und Frau war Ihnen immer ein wichtiges Anliegen. Es scheint aber oft, dass dieses Thema gar nicht mehr so populär ist?Jahn: Ich glaube, dass diese Situation, die wir jetzt haben (keine Frau mehr in der Landesregierung) ein Alarmzeichen für viele ist. Es zeigt, dass es eben nicht selbstverständlich ist. Dabei ist es so wichtig, dass Frauen und Männer gemeinsam an Lösungen arbeiten, weil sie einfach verschiedene Sichtweisen haben. Dieses Bewusstsein ist auf Männerseite anscheinend noch nicht groß genug, deswegen braucht es Frauenförderprogramme und auch Quoten. Und es braucht eine Frauenbewegung, die sich dafür engagiert.

Tips:Wenn Sie die SPÖ OÖ jetzt neu ausrichten müssten. Wo würden Sie ansetzen?Jahn: Für die gesellschaftliche Weiterentwicklung braucht es Leute, die das in die Hand nehmen, deshalb sehe ich die Abwertung der Politik als großen Schaden. Es geht darum, künftig Zuversicht zu vermitteln, dass wir für alle ein gutes Leben schaffen. Für die Jungen muss man da in der Kommunikationspolitik aber sicher neue unkonventionellere Wege suchen.


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