Weitere 1,9 Millionen Euro für von der Dürre geplagte Bauern – dennoch bleiben Existenzen gefährdet
BEZIRK ROHRBACH/OÖ. Das Land Oberösterreich hat auf die massiven Proteste der Landwirte (Tips berichtete) reagiert und stellt weitere 1,9 Millionen Euro aus Landesmitteln für Landwirte, die von der Trockenheit betroffen sind, zur Verfügung. Die Direkthilfe wird auf 92 zusätzliche Katastralgemeinden, die bisher leer ausgingen, ausgeweitet. Und trotzdem: Die Natur lässt sich nicht rundum versichern – noch so ein Sommer, und es geht um Existenzen, sagen betroffene Landwirte.

Bisher waren für Oberösterreichs Bauern rund zehn Millionen Euro allein an Direkthilfen vorgesehen, fünf Millionen Euro davon werden bereits durch das Agrarressort des Landes Oberösterreich kofinanziert. Dies konnte nun aufgestockt werden. Anstelle der bundesweiten Niederschlagsgrenze von 320 mm gewährt Oberösterreich den betroffenen Bauern die finanzielle Direkthilfe bis zu einer Niederschlagsmenge von 350 mm. Somit kommen in 92 weiteren Katastralgemeinden rund 1.500 Landwirte in den Genuss der Förderung. „Gerade im rinderstärksten Bundesland wollen wir treffsicher unterstützen. Die Situation in Oberösterreich zeigte, dass eine Ausweitung der Direkthilfe für unsere Bauern essentiell ist. Mit dieser zusätzlichen Finanzhilfe leisten wir einen Beitrag zum Bestehen unserer Familienbetriebe“, begründet Agrar-Landesrat Max Hiegelsberger die Ausweitung.
14.000 Euro Futterkosten
Für die Landwirte sind die Entschädigungszahlungen überlebensnotwendig: Wenn sich so ein extrem trockener Sommer wiederholt, sind Betriebe in Gefahr, sind sich etwa die Landwirte in den Granitland-Gemeinden Altenfelden und Neufelden einig. Auf manchen Betrieben mussten ein Viertel des Viehbestandes verkauft und bereits jetzt 14.000 Euro Futterkosten ausgelegt werden.
„Die Natur lässt sich nicht rundum versichern. In der Landwirtschaft trägt man ein hohes Risiko und auch eine hohe Verantwortung, daher ist man in so einem Fall auf Unterstützung angewiesen“, heißt es. Neufelden und Altenfelden schauen trotz massiver Ausfälle auch nach Aufstockung der Landesmittel bei der Entschädigung durch die Finger, die Gemeinden St. Martin und Kleinzell hingegen stehen auf der Liste der förderungswürdigen Katastralgemeinden.
Der Regen zählt, nicht die Wolkendichte
Die Höhe der Dürre-Entschädigung wird anhand der Daten von Wetter-Messpunkten in jeder Katastralgemeinde ermittelt. „Unser Problem ist, dass an den Wetterpunkten nur die Wolkendichte, nicht aber die tatsächliche Niederschlagsmenge gemessen wird“, erklärt Landwirt Franz Mittermayr. In Neufelden und Altenfelden gab es demnach viele stark bewölkte Tage, an denen jedoch kein Tropfen Regen auf Wiesen und Felder gefallen ist. „Diese Messtechnik ist doch veraltet“, ergänzt Landwirt Walter Reiter, der sich nur darüber wundern kann, wie die scheinbare Niederschlagsmenge in einer von Technik umgebenen Welt derart rückständig gemessen wird.
Akzeptable Lösung ist nötig
Selbst wenn die Entschädigungszahlungen ohnehin bei weitem nicht ausreichen, um den durch die Dürre entstandenen Schaden zu begleichen, wollen die Landwirte diese Situation nicht einfach hinnehmen. Ihnen geht es vor allem darum, nicht im (nicht vorhandenen) Regen stehen gelassen zu werden und für mehr Verteilungsgerechtigkeit einzustehen. „Wir arbeiten das ganze Jahr über hart und uns ist es schon wichtig, dass wir berücksichtigt werden“, betonen die Mitglieder der Ortsbauernschaft Neufelden. Deren Sprecher Franz Stöbich hat die Zusage von Bürgermeister Hubert Hartl, dass nun versucht wird, gemeinsam mit Altenfelden doch noch eine akzeptable Lösung zu finden.
Die Voraussetzungen für die zusätzlichen Landesmittel bleiben gleich wie beim Maßnahmenpaket des Bundes: Anspruchsberechtigt sind Betriebe mit mindestens drei Raufutter verzehrenden Großvieheinheiten (RGVE) und zwei Hektar Grünland bzw. Feldfutter ohne Silomais, die in der Langperiode (1. April 2018 bis 31. August 2018) ein Niederschlagsdefizit von 40 Prozent bzw. in der Kurzperiode (42 aufeinanderfolgende Tage innerhalb der Langperiode) ein Defizit von 95 Prozent aufweisen. Alternativ kann auch die Differenz des Niederschlags, im Vergleich zu den letzten zehn Jahren, über 220 mm liegen bzw. die Niederschlagsmenge in der KG unter 320 mm und speziell in Oberösterreich nun unter 350 mm liegen.


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