Vogelgrippe breitet sich aus: Österreich verhängt neue Schutzmaßnahmen
ÖSTERREICH. Nach einem weiteren bestätigten H5N1-Fall in Oberösterreich reagiert das Gesundheitsministerium mit österreichweiten Schutzmaßnahmen. Für Menschen besteht keine Gefahr.

Österreich erlebt den bisher kritischsten Moment dieser Vogelgrippe-Saison. Nur wenige Tage nach dem bestätigten Fall im Burgenland wurde das hochansteckende H5N1-Virus nun auch in einem Geflügelbetrieb im Bezirk Steyr nachgewiesen. Rund 800 Gänse in Freilandhaltung waren betroffen, eine auffällige Sterblichkeit im Bestand gab den ersten Hinweis. Die Untersuchungen im Nationalen Referenzlabor bestätigten schließlich die Befürchtungen: H5N1 ist zurück – und näher denn je.
Schutzzonen, Sperren und gekeulte Bestände
Die Reaktion folgte sofort. Der Betrieb wurde gesperrt, die restlichen Tiere tierschutzgerecht gekeult. Rund um den Hof richtete das Gesundheitsministerium eine Schutzzone von drei Kilometern und eine Überwachungszone von zehn Kilometern ein. In diesen Bereichen gelten ab sofort massive Einschränkungen: Stallpflicht, Verbringungsverbot, strenge Meldepflicht bei jeder Auffälligkeit und lückenlose Kontrollen aller Geflügelhaltungen. Tiermärkte und Ausstellungen sind untersagt. Für die Region bedeutet das eine spürbare Anspannung – viele Betriebe müssen binnen Stunden ihre Abläufe radikal ändern.
Ab Donnerstag gilt österreichweit Stallpflicht
Die wachsende Dynamik zwingt das BMASGPK nun zu einem Schritt, der zuletzt in der Saison 2024/25 gesetzt wurde: Ab Donnerstag wird entlang großer Seen und Flüsse österreichweit eine Stallpflicht verhängt. Die Maßnahmen orientieren sich an den bekannten Hochrisikozonen – überall dort, wo Zugvögel rasten oder Wasserflächen teilen. Die Veterinärbehörden sprechen bereits von der „heikelsten Phase“ des Herbstes. Die aktuellen Vorgaben sollen eine unkontrollierte Ausbreitung verhindern, bevor weitere Betriebe betroffen sind.
Wildvögel als Infektionstreiber
Seit Ende September wurden vermehrt infizierte Wildvögel in mehreren Bundesländern entdeckt – besonders Schwäne, die weite Strecken zurücklegen und das Virus unbemerkt weitertragen können. Erst wenn Stress oder Kälte dazukommt, bricht die Erkrankung sichtbar aus. In Kärnten, Niederösterreich, Oberösterreich und der Steiermark häufen sich die Funde. Die beiden jüngsten Ausbrüche in Geflügelbetrieben zeigen, wie schnell der Sprung vom Wildtier auf Nutzgeflügel erfolgen kann.
Europa am Höhepunkt der Welle
Auch europaweit steigen die Zahlen dramatisch an. In nur vier Wochen wurden mehr als 300 HPAI-Fälle dokumentiert – viele davon in unmittelbarer Grenznähe zu Österreich. Experten warnen, dass der Höhepunkt des herbstlichen Vogelzugs immer eine Phase erhöhter Gefahr darstellt.
Trotz der angespannten Lage bleibt ein entscheidender Punkt bestehen: Für Menschen besteht laut Gesundheitsministerium keine Gefahr.


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