Riesenstern mit 1540-fachen Radius der Sonne wechselt die Farbe und wird zum seltenen Hyperriesen
ATHEN/GRIECHENLAND. Wissenschaftler aus Athen haben den Stern WOH G64 über mehr als drei Jahrzehnte ausgewertet und dabei einen raschen Wandel entdeckt. Demnach wurde der frühere rote Überriese zwischen 2013 und 2014 deutlich wärmer und wirkte gelblicher. WOH G64 gilt seit seiner Entdeckung in den 1980er Jahren als Extremfall unter den roten Überriesen und hat den 1540-fachen Radius der Sonne. Die Arbeit wurde am 23. Februar 2026 in Nature Astronomy veröffentlicht.

Rote Überriesen sind massereiche Sterne mit mehr als acht Sonnenmassen, also deutlich schwerer als unsere Sonne. Sie leben nur ein bis zehn Millionen Jahre und enden oft in einer Supernova, also einer gewaltigen Sternexplosion.
Messreihen zeigen Sprung in der Temperatur
Das Team sichtete Helligkeitsmessungen ab 1992 und ergänzte sie mit neuen und archivierten Spektren, also Aufnahmen, bei denen Sternlicht in Farben aufgespalten wird. Dabei zeigte sich zuerst ein deutliches Abdunkeln im Jahr 2011, danach eine Erholung und ein auffälliger Farbwechsel.
Zwischen 2013 und 2014 wurde WOH G64 demnach um mehr als 1000 Grad Celsius wärmer und wirkte gelblicher. Im Jahr 2025 wurde der Stern erneut deutlich schwächer, außerdem änderte sich laut Analyse die Chemie in seiner äußeren Hülle. Die Auswertung spricht dafür, dass sich der Stern in Richtung gelber Hyperriese entwickelt. Gelbe Hyperriesen sind extrem selten und gelten als kurzer Übergang zwischen rotem Überriesen und dem Ende des Sternlebens.
Zwei Erklärungen stehen im Raum
Als mögliche Ursache nennen die Forschenden zwei Szenarien. Erstens könnte WOH G64 Teil eines Doppelsternsystems sein, in dem eine enge Wechselwirkung Material aus der Atmosphäre herausgerissen hat und so der Übergang in einen gelben Hyperriesen ausgelöst wurde.
Zweitens könnte es sich um einen gelben Hyperriesen handeln, der durch einen lang andauernden Ausbruch über Jahrzehnte rötlich wirkte und erst 2014 wieder in einen ruhigeren Zustand zurückkehrte. Beide Varianten würden erklären, warum sich das Aussehen des Sterns in astronomisch kurzer Zeit so stark veränderte.
Wichtiger Testfall für die letzte Sternphase
Der Fall wirft auch eine Grundsatzfrage auf: Sind besonders extreme rote Überriesen vielleicht häufiger Teil von Doppelsternsystemen, als bisher angenommen. Das wäre wichtig, weil solche Wechselwirkungen die Endphase massereicher Sterne und damit auch die Eigenschaften späterer Supernovae beeinflussen können.
Wie es mit WOH G64 weitergeht, bleibt offen. Denkbar sind eine Supernova, der Kollaps zu einem Schwarzen Loch oder eine Verschmelzung mit einem möglichen Begleiter.


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