Suche


Weitere Angebote

Sociale Medien

Kontakt

Behördenchaos nach Identitätsbetrug: Pensionist (75) soll 180.000 Euro Strafen zahlen

Tips LogoVerena Beneder, LL.B., 28.02.2026 22:14

FRANKREICH. Es klingt wie ein Szenario aus einem falschen Film. Ein 75-jähriger Pensionist aus der Normandie erhält Tag für Tag Dutzende Strafzettel für Verkehrsverstöße, die er nie begangen hat. Die Forderungen summieren sich inzwischen auf rund 180.000 Euro. Teile seiner Rente sind eingefroren, sein Konto wurde belastet. Der Grund: Kriminelle missbrauchen seit Jahren seine Identität.

Symbolbild: peopleimages.com/stock.adobe.com
Symbolbild: peopleimages.com/stock.adobe.com

Berichten zufolge lebt der Mann in Étainhus nahe Le Havre. Bereits 2019 wurde sein E-Mail-Konto gehackt. In alten beruflichen Nachrichten befand sich eine Kopie seines Personalausweises, die er früher einmal digital verschickt hatte. Genau dieses Dokument fiel den Tätern in die Hände. Mit den gestohlenen Daten tauchte sein Name plötzlich in behördlichen Registern auf: einmal als Fahrzeughalter, als Steuerschuldner und schließlich sogar als Geschäftsführer einer Firma.

Scheinfirma meldet Tausende Autos an

Im November 2024 eskalierte der Fall. Unter seinem Namen wurde eine Firma mit der Bezeichnung „CJM-Automobile“ gegründet. Innerhalb weniger Tage sollen darüber rund 3.000 Fahrzeuge zugelassen worden sein. Jedes dieser Autos konnte bei Verkehrsverstößen automatisch dem eingetragenen Halter zugeordnet werden. Und dieser Halter war laut Register der 75-Jährige. Seitdem landen täglich zwischen 25 und 40 neue Strafzettel in seinem Briefkasten. Mal geht es um Geschwindigkeitsüberschreitungen, mal um Parkverstöße oder Abstandsdelikte. Die Summe der Forderungen wuchs immer weiter, bis sie schließlich die Marke von 180.000 Euro erreichte.

Pension eingefroren, Konto belastet

Die Behörden reagierten mit automatisierten Vollstreckungsmaßnahmen. Kontobeträge wurden eingefroren, Teile der Rente blockiert. Für den Pensionisten beginnt damit ein zermürbender Kampf gegen die Bürokratie. Jede Behörde behandelt ihren Vorgang getrennt. Immer wieder muss er Anzeigen vorlegen, seine Unschuld erklären und neue Nachweise einreichen. Währenddessen erzeugen die fehlerhaften Halterdaten im System weiterhin neue Bescheide. Die örtliche Gendarmerie versucht inzwischen, eingehende Strafzettel direkt an die tatsächlichen Fahrer weiterzuleiten. Eine umfassende Bereinigung aller Einträge steht jedoch aus. Solange die falschen Daten in den Registern bestehen, bleibt das Problem bestehen. 


Mehr zum Thema


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.

Jetzt anmelden