Signale deuten auf El Niño hin: Wetterphänomen könnte bis Winter anhalten
WIEN. Die Anzeichen für ein neues El-Niño-Ereignis verdichten sich. Laut aktuellen Prognosen internationaler Wetter- und Klimadienste liegt die Wahrscheinlichkeit bei 96 Prozent, dass das Phänomen bis in den Winter 2026/27 anhält. Weltweit könnte dies erneut Auswirkungen auf Niederschläge, Dürren und Extremwetter haben.

Das Klimaphänomen ENSO (El Niño Southern Oscillation) zählt zu den bedeutendsten natürlichen Klimaschwankungen der Erde. Dabei verändern sich Luftströmungen und Meeresströmungen im tropischen Pazifik, was weltweit Auswirkungen auf das Wettergeschehen haben kann.
Wie Klimaforscher Marc Olefs von der GeoSphere Austria erklärt, sprechen die aktuellen Daten klar für die Entwicklung eines El-Niño-Ereignisses. Die US-Wetterbehörde NOAA stuft den Pazifik derzeit zwar noch als neutral ein, hat jedoch bereits einen sogenannten „El-Niño-Watch“ ausgerufen.
Weltweit drohen Wetterextreme
El Niño geht mit einer überdurchschnittlichen Erwärmung der Meeresoberfläche im östlichen Pazifik einher. Dadurch verändern sich Wetter- und Niederschlagsmuster rund um den Globus.
Mögliche Folgen sind Dürre und Hitze in Australien, Indien, Pakistan und Teilen Afrikas. Gleichzeitig steigt in Regionen wie Peru, Ecuador, Südostchina oder im Nordwesten der USA die Gefahr von Starkregen und Überschwemmungen. Auch Stürme im Nordpazifik können häufiger auftreten.
Mehrere internationale Klimamodelle sehen inzwischen sogar die Möglichkeit eines starken bis sehr starken El-Niño-Ereignisses. Ob das Phänomen tatsächlich eine ähnliche Intensität wie die markanten Ereignisse der Jahre 1997/98 oder 2015/16 erreicht, lässt sich derzeit aber noch nicht sicher beurteilen.
Natürliche Schwankung trifft auf Klimawandel
El Niño verstärkt den langfristigen Erwärmungstrend der Erde zeitweise zusätzlich, ist jedoch nicht dessen Ursache. Während Treibhausgase die globale Erwärmung dauerhaft antreiben, beeinflusst ENSO vor allem die Verteilung der Wärme zwischen Ozean und Atmosphäre.
„Selbst wenn wir alle kühleren La-Niña-Jahre der vergangenen Jahrzehnte miteinander verbinden, sehen wir eine deutliche langfristige Erwärmung“, erklärt Olefs. Das zeige, dass der menschengemachte Klimawandel unabhängig von natürlichen Schwankungen weiter fortschreitet.
Geringe Auswirkungen auf Österreich
Für Österreich bleibt der Einfluss von El Niño vergleichsweise begrenzt. Nach Einschätzung der GeoSphere Austria sind für Wetterextreme im Alpenraum vor allem regionale Wetterlagen, die atlantisch-europäische Zirkulation sowie der Klimawandel entscheidend.
El Niño könne zwar indirekte Signale nach Europa senden, diese seien jedoch deutlich schwächer und weniger verlässlich als in anderen Weltregionen. Konkrete Auswirkungen auf den kommenden Winter oder mögliche Hitzewellen in Österreich lassen sich daher derzeit nicht ableiten.


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