Alarmierende Studie: Hirnerkrankung bei mehr als der Hälfte der untersuchten Spieler
SYDNEY/AUSTRALIEN. Bei 31 von 51 untersuchten ehemaligen Rugby-League-Spielern in Australien wurde die degenerative Hirnerkrankung CTE festgestellt. Die Betroffenen spielten auf unterschiedlichen Leistungsniveaus und waren teilweise erst 20, 30 oder 40 Jahre alt.

Eine Untersuchung der Australian Sports Brain Bank hat bei 31 von 51 untersuchten ehemaligen Rugby-League-Spielern Anzeichen der degenerativen Hirnerkrankung Chronisch-traumatische Enzephalopathie (CTE) festgestellt. Das berichtet der australische Sender “ABC“.
Unter den Betroffenen sind auch der frühere NRL-Spieler und Trainer Paul Green sowie Keith Titmuss, der 2020 im Alter von nur 20 Jahren nach einer Trainingseinheit unter großer Hitze starb.
31 Fälle von CTE: Australische Studie wirft Fragen auf
Die Ergebnisse geben neue Hinweise auf die möglichen langfristigen Folgen wiederholter Kopfverletzungen im Rugby League.
Wie „ABC“ berichtete, wurden die Gehirne von 51 Rugby-League-Spielern untersucht, die auf unterschiedlichen Ebenen gespielt hatten – vom Amateur- bis zum Profisport. Bei 31 der untersuchten Gehirne wurde CTE festgestellt.
Untersuchte teilweise erst in ihren 20ern
Besonders bemerkenswert ist das Alter einiger Betroffener: Die untersuchten Spieler waren teilweise erst in ihren 20ern, 30ern oder 40ern. CTE kann bislang nur nach dem Tod durch die Untersuchung von Gehirngewebe eindeutig diagnostiziert werden.
Zu den identifizierten Fällen gehören Paul Green, ehemaliger NRL-Profi und später erfolgreicher Trainer, sowie Keith Titmuss von den Manly Sea Eagles.
Titmuss starb im November 2020 im Alter von 20 Jahren nach einer Trainingseinheit unter extremen Hitze-Bedingungen. Sein Tod wurde seinerzeit mit einer durch die Hitze ausgelösten Erkrankung in Verbindung gebracht – die nun festgestellte CTE ist davon als separater Befund zu unterscheiden.
Mehrere Kontaktsportarten untersucht
Die aktuellen Zahlen stammen laut ABC aus den ersten 150 Gehirnuntersuchungen der Australian Sports Brain Bank an Menschen, die Kontaktsportarten betrieben hatten. Neben der Rugby League wurden dabei auch andere Sportarten berücksichtigt.
CTE wird mit wiederholten Schlägen oder Erschütterungen des Kopfes in Verbindung gebracht. Die Erkrankung kann mit fortschreitenden Veränderungen des Gehirns einhergehen und unter anderem mit kognitiven, emotionalen oder Verhaltensproblemen verbunden sein.
Ein einzelner Zusammenhang zwischen einer Erkrankung und einer bestimmten Verletzung lässt sich daraus jedoch nicht ableiten.
Auch NFL betroffen
CTE ist nicht ausschließlich im Rugby League dokumentiert. Die Erkrankung wurde unter anderem bei ehemaligen Spielern der US-amerikanischen National Football League (NFL) sowie bei Athleten aus Rugby Union und anderen Kontaktsportarten festgestellt.
Die neuen australischen Befunde wurden von der Molekularbiologin und Datenwissenschaftlerin Jennifer Cropley auf der International Sports Concussion Conference in Melbourne vorgestellt. Die Konferenz fand am Dienstag (8. September) statt.
Die Untersuchung dürfte die Diskussion über den Umgang mit Kopfverletzungen und wiederholten Kopftreffern im Rugby League weiter anheizen. Zugleich weisen die Ergebnisse nicht darauf hin, dass jeder Spieler mit einer Geschichte von Kopfverletzungen zwangsläufig CTE entwickeln wird.
Für die Forschung bleibt daher entscheidend, welche Faktoren das individuelle Risiko beeinflussen und welche langfristigen Folgen wiederholte Gehirnerschütterungen und subkonkussive Treffer tatsächlich haben.








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