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OÖ. Obwohl Depressionen zu den häufigsten Erkrankungen weltweit zählen, fehlt für Menschen, die betroffen sind, oft das Verständnis. Warum psychische Erkrankungen noch immer zu den Tabuthemen in unserer Gesellschaft gehören, verrät Sonja Hörmanseder, Geschäftsfeldleiterin der Krisenhilfe bei pro mente Oberösterreich.

Traurige Stimmung oder Depression: Bei Unsicherheit die Krisenhilfe anrufen!Foto: shutterstock.com/crazystocker

Nicht jeder Durchhänger ist eine Depression, aber laut dem Depressionsbericht Österreich, der im Vorjahr veröffentlicht wurde, leiden fünf Prozent der Österreicher an einer solchen und das ist nicht wenig. „Es ist nach wie vor ein Tabuthema, obwohl wir viele Kampagnen machen. Psychisch Erkrankte leiden sehr darunter, dass sie nicht verstanden werden“, so Hörmanseder im Tips-Gespräch.

Man möchte meinen, an einer Depression erkranken vorwiegend Menschen, die in sich gekehrt sind, doch weit gefehlt. „Eine Depression kann jeden treffen, auch Menschen, die viele Freunde haben und viel in Gesellschaft sind. Grundsätzlich gibt es eine grundsätzliche Veranlagung, die auch genetisch sein kann. Das heißt aber noch lange nicht, dass sie auch ausbricht. Es muss dann einen Auslöser geben, z.B. einen Schicksalsschlag“, weiß die Expertin der pro mente.

Durchhänger oder Depression: Wie erkenne ich den Unterschied?

Angehörige können aber genau dann oft schwer unterscheiden, ob es sich nun um eine Traurige Phase oder den Beginn einer Depression handelt. „Wenn jemand einen Hänger hat, dann verschwindet das nach einigen Tagen wieder. Ernst wird es, wenn diese Phase länger als zwei Wochen andauert. Die Anzeichen sind Angst, Unruhe, Schlafstörungen und Antriebslosigkeit. Oft kommen auch starke Gewichtsveränderungen dazu.“

Kommen mehrere dieser Anzeichen zusammen, ist es an der Zeit, sich professionelle Hilfe zu suchen. Unter Tel. 0732/2177 ist rund um die Uhr jemand telefonisch erreichbar. „Bei uns rufen Betroffene, aber auch Angehörige an, die mit der Situation überfordert sind. Das Problem ist, der Betroffene muss zuerst selbst erkennen, dass schon länger was nicht passt und das ist oft schwierig, weil diese Leute sehr oft auf Unverständnis stoßen. Eine Depression ist keine Charakterschwäche. Wenn diese Antriebslosgkeit da ist, haben viele das Gefühl, dass sie willensschwach sind und fühlen sich dann schlecht, weil sie nichts mehr schaffen“, erklärt Hörmanseder.

Unterstützung holen und den Hausarzt aufsuchen

Bei einer Kontaktaufnahme mit der Krisenhilfe OÖ werden zuerst mal verschiedene Ressourcen hinterfragt. „Hat jemand Angehörige oder Freunde, an die er sich wenden kann. Manche wollen sich dann einfach niemanden anvertrauen. Viele Menschen wollen mit ihren Problemen auch niemanden belasten.“ Wichtig sei, dann sehr rasch einen Arzt aufzusuchen. „Das ist am Anfang immer der Hausarzt, der Arzt meines Vertrauens. Da ist auch die Hemmschwelle am niedrigsten. Nicht jeder muss dann Medikamente nehmen, das kann aber helfen, um die Antriebslosigkeit und Erschöpfung zu bekämpfen und vor allem, wenn ein Lebensunmut auftaucht.“

Ziel muss sein, mit Unterstützung die Lebensfreude wieder zurückzuholen. „Menschen, die oft jahrelang dahinkämpfen, erleben ein unfassbares Leid und zweifeln ständig an sich selbst. Die Psychische Gesundheit wird leider oft nicht mitgedacht, da haben wir noch viel zu tun“, so Hörmanseder.


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