Suche


Weitere Angebote

Sociale Medien

Kontakt
tips.at als bevorzugte Google-Quelle hinzufügen

Weltfrauentag: Drängendes Thema Gewaltschutz und wo es in Oberösterreich in der Gleichstellung Fortschritte gibt

Tips LogoKarin Seyringer, 08.03.2024 08:21

OÖ. Erst der 5. März 2024 war in Oberösterreich Equal Pay Day. Am heutigen 8. März wird wieder der Weltfrauentag begangen. Wie der aktuelle Gleichstellungsbericht des Landes OÖ zeigt, bewegen sich durchaus manche Dinge ins Positive, es gibt aber noch Luft nach oben, vor allem im Bereich Gewaltschutz.

 (Foto: AITTHIPHONG/stock.adobe.com)
(Foto: AITTHIPHONG/stock.adobe.com)

Frauen haben in Oberösterreich statistisch gesehen bis 5. März, also 65 Tage, gratis gearbeitet, das zeigt der Equal Pay Day in Oberösterreich, der 2024 auf diesen Tag gefallen ist. Österreichweit war es der 14. Februar, der Gender Pay Gap beläuft sich im Bundesschnitt also auf 12,4 Prozent, in Oberösterreich auf 17,8 Prozent. Gründe dafür unter anderem: unterschiedliche Arbeitsbewertung von Frauen und Männern, Teilzeitarbeit, dadurch erschwerte Aufstiegschancen, aber auch die für die ungleiche Verteilung von bezahlter und unbezahlter Arbeit, der Care-Arbeit.

Auch lesen: Einkommensunterschied in Oberösterreich am zweithöchsten

Frauenstrategie „Frauen.Leben 2030“: Gleichstellungsbericht zeigt Fortschritte

Vor sechs Jahren wurde in Oberösterreich überparteilich die Frauenstrategie „Frauen.Leben 2030“ einstimmig beschlossen. Der aktuelle Gleichstellungsbericht 2024 zur Strategie zeigt: Es gibt gute Fortschritte, aber es gibt noch vieles zu tun.

Drängendstes Thema: Gewalt an Frauen

Gerade das Thema Gewaltschutz ist eines der drängendsten:

Im Jahr 2023 betreute das Gewaltschutzzentrum OÖ 3.779 Personen, 78 Prozent der gefährdeten Personen waren Frauen. 2.665 Betretungs- und Annäherungsverbote wurden 2023 ausgesprochen, so im Tätigkeitsbericht des Gewaltschutzzentrums OÖ. 227 Anzeigen wegen Stalking wurden im vergangenen Jahr von der Polizei an das Gewaltschutzzentrum OÖ übermittelt. Hier ist laut Gleichstellungsbericht von einer noch höheren Zahl auszugehen.

Wenn Hilfe nötig ist, anonym, rund um die Uhr, kostenlos

  • Polizeinotruf 133
  • Frauen-Helpline: 0800 222555
  • Gewaltschutzzentrum OÖ: Beratung bei familiärer Gewalt und Stalking, Begleitung im Strafverfahren, Stockhofstraße 40, 4020 Linz, Tel. 0732 607760, E-Mail ooe@gewaltschutzzentrum.at
  • Frauenberatung OÖ, www.frauenberatung-ooe.at, hier sind auch alle Kontakte zu den Frauenhäusern in Oberösterreich zu finden.
  • PIA: Prävenation, Beratung und Therapie bei sexueller Gewalt: Niederreithstraße 33, 4020 Linz, Tel. 0732 650031, E-Mail: office@pia-linz.at
  • Krisenhilfe OÖ: 0732 2177
  • Autonome Frauenhäuser in Oberösterreich: www.aoef.at
  • Telefonseelsorge: 142
  • Opfer-Notruf: 0800 112 112
  • Helpchat.at
  • Rat auf Draht: 147
  • Weißer Ring – Verbrechensopferhilfe, Büro OÖ: Tel. 0699 13434015, E-Mail: ooe@weisser-ring.at
  • StoP – Stadt ohne Partnergewalt Linz, https://stop-partnergewalt.at/, E-Mail: linz@stop-partnergewalt.at

Beratung für Männer

Auch für Männer wird umfassende Beratung angeboten, im Gewaltfall und zur Prävention, unter anderem bei

  • Beziehungsleben.at, beziehungleben@dioezese-linz.at
  • Zentrum für Familientherapie und Männerberatung des Landes OÖ: 0732 7720-53300, zentrum-fm@ooe.gv.at
  • Männerinfo: 0800 400 777
  • Täter-Holine: 0820 439 258

Maßnahmen in Oberösterreich für Gewaltschutz

In Oberösterreich wurden mehrere Maßnahmen im Bereich Gewaltschutz in die Wege geleitet:

  • Der Ausbau von Frauenübergangswohnungen und Frauenhäusern: Derzeit gibt es in Oberösterreich sechs Frauenhäuser (Linz, Wels, Steyr, Vöcklabruck, Ried und Braunau), zwei weitere sind in Planung (Bad Ischl, Mühlviertel).
  • Das Frauenhaus Braunau wurde im Mai 2023 in Betrieb genommen, der Ersatzbau des Frauenhauses Ried im Innkreis soll im Jahr 2024, sowie das Familienkompetenzzentrum Frauenhaus Steyr im Jahr 2025 fertiggestellt werden.
  • Geplant sind in den nächsten Jahren insgesamt 21 Frauenplätze mit 36 Kinderplätzen in Frauenübergangswohnungen und Frauenhäusern zusätzlich in Oberösterreich.
  • Kampagnen zu Cybermobbing und sexualisierter Gewalt in oö. Freibädern („NO GO“) wurden umgesetzt.
  • Verbesserte Finanzierung der 23 Frauenberatungsstellungen durch Bund und Land OÖ

Frauenstrategie: Was sich auch getan hat

Die Frauenstrategie umfasst acht Handlungsfelder mit mehr als 100 Maßnahmen, die von allen Ressorts des Landes, Stakeholdern, auch der Wirtschaft umzusetzen sind.

Ein Auszug der Entwicklungen:

Kinderbetreuung

  • Umgesetzt wurden unter anderem mehr Gehalt für Pädagoginnen (Einstiegsgehalt in OÖ nach der Matura 3.200 Euro) und Assistenzkräfte
  • Krabbelstuben-Betriebe in letzten zehn Jahren von 200 auf 406 verdoppelt
  • Seit 2023/24: Öffnungszeiten bei institutionellen Einrichtungen auf mindestens 47 pro Jahr ausgeweitet, verpflichtendes Angebot der Nachmittagsbetreuung bei Bedarf ab drei Kindern

Aktueller Stand Politik und Landesdienst

  • Fünf der zehn Landesdirektionen werden von Frauen geleitet (50 Prozent)
  • Frauenanteil Landesregierung: 22,2 Prozent (zwei Landesrätinnen)
  • Frauenanteil im Oö. Landtag: Seit 2024 sind 37,5 Prozent Frauen als Abgeordnete bestellt (21 Abgeordnete)
  • In der Regionalpolitik beträgt die Frauenquote 30,5 Prozent bei Gemeinderätinnen und 32,8 Prozent bei Stadträtinnen.
  • In 49 von 438 Gemeinden wurde eine Frau zur Bürgermeisterin gewählt (11,2 Prozent).

Berufsbilder attraktiver machen

  • Programme wie der Girls Day, die Power Girls FIT - Frauen in der Technik und Mentoring-Programme wie Cross-Mentoring oder HTL-Mentoring für Mädchen haben dazu beigetragen, das Interesse an MINT-Berufen bei Mädchen zu steigern.
  • Das digitale Lernspiel „Robitopia“ mit einem MINT-Schwerpunkt hat ebenfalls in der begleitend dazu durchgeführten Studie positive Auswirkungen gezeigt, indem das MINT-Interesse bei Mädchen signifikant gesteigert wurde.
  • Diese Maßnahmen tragen dazu bei, Geschlechterklischees aufzubrechen und Mädchen für technische und naturwissenschaftliche Berufe zu begeistern.

Weitere Entwicklungen

  • Seit dem letzten Gleichstellungsbericht wurde Gendermedizin an der FH Gesundheitsberufe OÖ und an der Med-Uni der JKU Linz in den Lehrplänen fest verankert.
  • 40 Prozent der landwirtschaftlichen Betriebe in OÖ werden von Frauen geführt (EU-Schnitt: drei von zehn)
  • Zehn Prozent der 96.000 Feuerwehr-Mitglieder in OÖ sind Frauen (9.771) – Verdoppelung innerhalb der letzten zehn Jahre. Mittlerweile sind Frauen auch in den Führungsebenen der Oö. Feuerwehren vertreten.
  • Leicht positive Tendenz im OÖ Fußballverband: Anstieg von sechs auf sieben Prozent weiblicher Spielerinnen im Gesamtpool
  • Projekt FEMily zur Stärkung von Frauen mit Migrationshintergrund
  • Das Kompetenzzentrum für Karenz und Karriere KOMPASS im Auftrag des Frauenreferates des Landes OÖ und in Kooperation mit der WKOÖ in der Business Upper Austria – OÖ Wirtschaftsagentur GmbH unterstützt die Etablierung familienfreundlicher, flexibler Arbeitsmodelle in Unternehmen.
  • Im Rahmen der Frauenstrategie ist auch die Wirtschaft angehalten, Schritte auf dem Weg zur Gleichstellung zu setzen. Ein Beispiel: In der FACC AG wurde neben weiteren Maßnahmen das Frauennetzwerk „FACC Wings for Women“ gegründet.
  • Datenbank zur laufenden Sammlung von Best Practice Beispielen zur Umsetzung der Frauenstrategie, zu finden unter www.frauenreferatooe.at/frauenstrategie-best-practice.htm 

Mehr zum Thema: Linzer Bündnisse rufen zur Demo am Weltfrauentag auf


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.

Jetzt anmelden