Peter Niedermoser: „Den nächsten Sommer nicht wieder verschlafen“
LINZ/OÖ. Peter Niedermoser, Präsident der Ärztekammer Oberösterreich, betont, wie wichtig die flächendeckende ärztliche Versorgung in den zwei Jahren der Pandemie war. „Vorausblickend wird wichtig sein, dass der Sommer nicht wieder verschlafen wird.“

Im Vergleich zu anderen Ländern ist Österreich bisher gut durch die Pandemie gekommen. „Das liegt neben dem Einsatz vieler Beteiligter auch daran, dass das Gesundheitssystem in den letzten Jahren im Vergleich zu anderen Ländern nicht vollständig zu Tode gespart wurde. Dazu ist in anderen Ländern die Versorgung in den Alten- und Pflegeheimen auf einem deutlich schlechteren Niveau“, berichtet Ärztekammer OÖ-Präsident Peter Niedermoser, der auch die flächendeckende medizinische Versorgung durch Hausapotheken lobt. „Die Medikamenten-Versorgung muss wieder vermehrt durch den Arzt erfolgen können. Gerade im ländlichen Raum ist es für ältere und nicht mobile Personen extrem wichtig, dass die Versorgung mit Medikamenten durch den Arzt ihres Vertrauens erfolgt.“
Welchen logistischen Aufwand es bisher zu bewältigen gab, zeigen nicht zuletzt folgende Zahlen: So wurden unter anderem 3.776.028 Schutzmasken, 12.808.550 Paar Handschuhe und 67.200 Liter Desinfektionsmittel an die OÖ-Ordinationen verteilt.
3.776.028 Schutzmasken an die Ordinationen verteilt
Rückblickend waren die Beschaffung der Schutzmaterialien sowie zu Beginn 2021 die Impfkampagne herausfordernd. „Alleine im Februar 2021 wurden 3.051 Mediziner geimpft. Insgesamt erhielten 22.500 Mitarbeiter der Gesundheitsberufe innerhalb weniger Wochen ihren ersten Stich“, so Niedermoser, der rät: „Der Sommer darf nicht wieder verschlafen werden, die Entwicklungen müssen genau beobachtet werden, vor allem jene auf der Südhalbkugel, wo dann Wintersaison ist. Dann muss Bilanz gezogen werden und gehören alle wichtigen Institutionen wie Ärzteschaft, Politik, Spitalsträger und Pflege an einen Tisch. Diese Diskussion muss auf Basis von Fakten basieren und emotionslos geführt werden. Die Fragen müssen dann lauten: Was hat gut, was hat nicht gut funktioniert? Wo gibt es kurz- und mittelfristig Potenzial für Verbesserungen?“
Ruf nach „fairer Abgeltung“
Der Einsatz habe maßgeblich dazu beigetragen, dass Oberösterreich bisher aus medizinischer Sicht einigermaßen gut durch die Pandemie gekommen ist. Dieses Engagement muss fair abgegolten werden. Niedermoser: „Daher fordern wir unter anderem schon länger gegenüber dem Bund einen außerordentlichen Biennalsprung. Der Bund stellt für entgangene Einnahmen der Krankenanstalten und höhere Ausgaben der Länder in den Jahren 2020 und 2021 einen Pauschalbetrag von insgesamt 750 Millionen Euro zur Verfügung. Dieses Spitalspaket soll bis 31. März 2022 ausbezahlt werden. Dieser Schritt war längt überfällig. Das Geld muss dorthin fließen, wo die wichtigsten Ressourcen liegen, zum Spitalspersonal und insbesondere zu den Ärzten sowie den Pflegekräften.“


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