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OÖ/LINZ. Die Industriellenvereinigung OÖ (IV OÖ) fordert angesichts der wirtschaftlichen Lage erneut einen Kurswechsel. Das geplante Doppelbudget des Bundes wird heftig kritisiert. Das Motto, auch beim traditionellen Industrieempfang in der Kepler Hall der JKU Linz: „Mut zur Veränderung“.

  1 / 10   V.l.: Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer, Landeshauptmann Thomas Stelzer, IV OÖ-Präsident Thomas Bründl und IV-Präsident Georg Knill. (Foto: IV OÖ/Roland Pelzl)

„Wir leben in einer Zeit enormer Veränderungen. Die Welt ist fragiler geworden, die internationalen Wettbewerbsbedingungen haben sich deutlich verschärft, Österreich hat in den letzten Jahren deutlich an Attraktivität als Industriestandort verloren“, sagt IV-OÖ-Präsident Thomas Bründl. Seit rund einem Jahr ist er in diesem Amt, es sei seither nicht langweilig gewesen, schmunzelt der starlim-sterner-Geschäftsführer angesichts der nationalen und vor allem internationalen Entwicklungen. 

Trotzdem sieht Bründl Oberösterreich gut aufgestellt. Besonders im Bereich der Künstlichen Intelligenz habe sich das Bundesland in den vergangenen Jahren zu einem europäischen Hotspot entwickelt. Rund um die Kepleruni Linz und die Fachhochschule OÖ sei ein international beachtetes Ökosystem entstanden. Ziel müsse nun sein, diese Stärken in Produktivität, Innovation und wirtschaftliches Wachstum umzusetzen.

„Keine Antworten auf Standortprobleme“

Kritisch beurteilt die IV OÖ dagegen die Politik des Bundes. Das aktuelle Doppelbudget liefere aus ihrer Sicht keine Antworten auf die Standortprobleme Österreichs. Vor allem bei Pensionen, Gesundheit, Bürokratieabbau und der Aufgabenverteilung zwischen Bund und Ländern fehlten notwendige Reformen. „Das Paket beninhaltet keine Maßnahmen zur Mindset-Veränderung.“

Die IV fordert diesen Mentalitätswechsel aber: „Wir leben in einer Zeit der Überintervention. Der Staat greift immer stärker in die Wirtschaft ein. Preisbremsen, Förderungen, Regulierungen und neue Berichtspflichten werden zur Standardantwort auf nahezu jedes Problem.“

Eine der größten Sorgen: „Europa verliert laufend an industrieller Bedeutung. „Wir müssen Tun und unsere Kultur verändern - weg von 'Misserfolg vermeidend' hin zu erfolgssuchend!“

Es brauche dazu Anreize für Eigenverantwortung und unternehmerische Freiheit sowie einfachere Verwaltungsabläufe. Als „Lichtblick“ bezeichnet Bründl zuletzt abgeschlossene Handelsabkommen. 

Neue Regional-Strategie

Im Auftrag der IV OÖ wurde eine Studie zur künftigen Wachstumsstrategie des Bundeslandes erstellt. Das Ergebnis: Die Regionen Oberösterreichs unterscheiden sich stark und benötigen maßgeschneiderte Strategien. Eine Angleichung aller Regionen sei nicht zielführend. „Gefragt ist nicht Nivellierung, sondern die konsequente Vertiefung bestehender Stärken bei gleichzeitiger Erschließung neuer Wachstumsfelder“, betont IV-Chefökonom Christian Helmenstein.

Ein weiterer Schwerpunkt der Forderungen betrifft die Energiepolitik. IV OÖ-Geschäftsführer Joachim Haindl-Grutsch kritisiert das „Gold Plating“ Österreichs. Das Ziel Österreichs, bereits 2040 klimaneutral zu werden, während man auf EU-Ebene das Jahr 2050 anstrebt, verursache erhebliche volkswirtschaftliche Kosten. 

„Es ist völlig inakzeptabel, dass die österreichische Bundesregierung den Standort Österreich zusätzlich schwächt, indem sie statt wie die EU 2050 das Jahr 2040 als Ziel für die Klimaneutralität beschlossen hat“, so Haindl-Grutsch. Die Energie- und Klimapolitik müsse technologieoffen, wirtschaftlich sinnvoll und europäisch abgestimmt erfolgen.

Industrieempfang in der Kepler Hall

In der vollbesetzen Kepler Hall am JKU-Campus wurde Dienstagabend auch zum traditionellen oö. Industrie-Empfang geladen.

Die Stimmung unter der versammelten Industriespitze des Landes war trotz der zahlreichen Herausforderungen positiv. Die wirtschaftliche Erholung werde sich in den nächsten Monaten fortsetzen, so der Tenor.

Dass es mehr Mut zur Veränderung benötigt, bekräftigte auch eine Talkrunde, bestehend aus Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer, Landeshauptmann Thomas Stelzer, IV-Präsident Georg Knill und IV OÖ-Präsident Thomas Bründl.


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