Suche


Weitere Angebote

Sociale Medien

Kontakt
tips.at als bevorzugte Google-Quelle hinzufügen

„Wos host g’sogt?“: Pilotprojekt mit kostenlosen Dialektkursen in Oberösterreich startet

Tips LogoKarin Seyringer, 03.09.2026 19:49

OÖ/LINZ. Wenn die „Schlapfn“ zum „Schlafen“ werden, dann kann das schonmal zu Problemen führen. Denn wer Deutsch gelernt hat, versteht deshalb noch lange nicht jedes „Oberösterreichisch“. Genau hier setzt das Pilotprojekt „Dialekt für alle“ an: Menschen, die nicht in Österreich geboren wurden und rechtmäßig in Oberösterreich leben, können kostenlos Dialekt lernen. Die neuen Kurse, gefördert vom Integrationsressort des Landes OÖ, starten Mitte September in Linz und online.

Integrations-Landesrat Christian Dörfel (Mitte) mit den beiden Dialekt-Trainern Dominik Klinger (l). und Serverin Eigner. (Foto: Medienhaus Klinger)

„Ich wurde schon gefragt, warum man in Österreich Deutsch lernen muss, wenn hier doch nicht Deutsch gesprochen wird“, schmunzelt Dominik Klinger, Inhaber des auf Sprach- und Bildungsangebote spezialisierte Medienhauses Klinger und Teil des Projekts „Dialekt für alle“. Er unterrichtet seit sieben Jahren oö. Dialekt, auch am BFI und WIFI.

Im Beruf, in Vereinen, in der Nachbarschaft oder innerhalb der Familie gehört Dialekt für den Großteil zum Alltag. Menschen, die Deutsch als Fremdsprache gelernt haben, aber auch Personen zum Beispiel aus Norddeutschland, stehen dabei oftmals vor einem Rätsel.

Wenn die „Schlapfn“ zum „Schlafen“ werden

Die Gründe, Dialekt zu lernen, sind sehr unterschiedlich, berichtet Klinger: „Es ist eine türkische Frau, die ihre eigene Familie verstehen will – denn ihr österreichischer Mann spricht mit den Kindern im Dialekt. Ein bosnischer Pfleger, der seine älteren Patienten besser verstehen will. Oder ein Franzose, der bei Familientreffen mit seiner Verlobten aus Gmunden auch mal mitreden will.“

So berichtet er aus der Praxis auch von der Erzählung einer philippinischen Pflegekraft, bei der ein Pflegeheimbewohner seine „Schlapfn“ wollte, sie allerdings verstand, dass er „schlafen“ wolle – und daher das Zimmer vorerst wieder verlassen habe. Auch eine Kindergartenhelferin ohne Dialektkenntnisse verstehe vielleicht nicht gleich, warum ein Kind weine.

Oberösterreich ist dabei das erste Bundesland, dass sich diesen Sprachbarrieren widme.

Umgesetzt mit Integrationsstelle des Landes

Das Pilotprojekt „Dialekt für alle“ soll diese sprachliche Hürde abbauen. Möglich wird das kostenlose Angebot durch eine Förderung in Höhe von 25.000 Euro der Integrationsstelle des Landes OÖ für das Pilotprojekt.

„Wer in Oberösterreich leben will, muss nicht nur Deutsch können, sondern auch verstehen, wie wir sprechen“, ist Integrations-Landesrat Christian Dörfel (ÖVP) überzeugt. „Denn wer unseren Dialekt versteht, fühlt sich schneller zugehörig, und integriert sich dadurch leichter.“

Dörfel sieht eine wertvolle Ergänzung zum bestehenden Angebot an Deutschkursen in Oberösterreich. „Er richtet sich an alle Zuwanderer, die schon Deutsch können.“ Nicht nur, um besser im Alltag zurechtzukommen, „es geht hier auch um die qualifizierte Zuwanderung, gerade im Bereich der Pflege.“

111 kostenlose Kursplätze, B1-Niveau empfohlen

Das Projekt ist bis 1. Juli 2027 für insgesamt 111 Teilnehmer finanziert. Gefördert werden jeweils 40 Unterrichtseinheiten sowie das zughörige Kursbuch. Deutschkenntnisse auf B1-Niveau sind erwünscht, um auf gefestigtes Deutsch aufbauen zu können.

Kursbuch aus Erfahrung heraus entwickelt

Das Kursbuch wurde – da es bislang keine für „Oberösterreichisch“ gab, von Klinger anhand seiner langjährigen Erfahrung selbst entwickelt. Aktuell wird an einer adaptierten Ausgabe für Niederösterreich mit Erscheinung 2027 gearbeitet.

Inhaltlich wird vor allem auf das gesprochene Wort fokussiert. Eine Regel als Beispiel: In Oberösterreich wird der Buchstabe A meist als O ausgesprochen: „Wos host g’sogt?“. Geübt wird auch anhand von Austropop-Liedern. Auch Audios wurden eingesprochen.

Mittransportiert wird bei den Kursen zudem die OÖ. Hausordnung, zum Beispiel in Diskussionsrunden. „Ein Deutschkurs hat viele vorgefasste Regeln, im Dialektkurs geht es hingegen sehr stark ums sprechen und hören – ums verstehen“, erläutert Dialekt-Trainer Severin Eigner.

Auch lesen: OÖ. Hausordnung mit 13 Regeln für ein gutes Zusammenleben

Start Mitte September

Die neuen Dialektkurse starten Mitte September. Ein Kurs bietet Platz für 8 bis 16 Personen, bei der Anmeldung ist zu entscheiden, ob am Kurs in der Regel vor Ort in Linz oder via Zoom teilgenommen wird. Auch die Zoomteilnahme sei dabei kein Frontalunterricht, so Dialekt-Trainer Eigner, im Kurs ist eine KI-unterstützte Kamera vorhanden. Das Angebot ist daher für alle interessierten Berechtigten in ganz Oberösterreich eine gute Möglichkeit.

Lern-App bis Ende des Jahres

Ergänzend zu den Kursen arbeitet das Medienhaus Klinger gemeinsam mit einer Prager Sprachschule an der Dialekt-Lern-App „EMA“. Sie soll den Kursteilnehmern ab Ende des Jahres kostenlos zur Verfügung stehen. Mittels der App können zum Beispiel in einer Einheit durchgemachte Inhalte zwischen den Einheiten wiederholt werden.

Geplant sind laut Klinger auch ein Kurs am Vormittag vor allem für Mütter sowie ein Spätabendkurs ab 22.30 Uhr.

Alle Infos, eine Liste der aktuell angebotenen Kurse, Voraussetzungen, Kontakt und Anmeldung unter dialektkurs.at


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.

Jetzt anmelden


Weitere Beiträge

Oberösterreich mit zweitniedrigster Pro-Kopf-Verschuldung

Oberösterreich mit zweitniedrigster Pro-Kopf-Verschuldung

OÖ/LINZ. Oberösterreich gehört bei der Pro-Kopf-Verschuldung zu den Bundesländern mit den niedrigsten Werten. Laut aktuellen Zahlen der Statistik ...

Tips - total regionalKarin Seyringer
OÖ-Arbeitsmarkt bleibt stabil, Frauenarbeitslosigkeit aber deutlich gestiegen

OÖ-Arbeitsmarkt bleibt stabil, Frauenarbeitslosigkeit aber deutlich gestiegen

OÖ. Die Zahl der Arbeitslosen ist in Oberösterreich im August gegenüber dem Vorjahr gestiegen. Besonders deutlich fiel der Zuwachs bei Frauen ...

Tips - total regionalKarin Seyringer
Kunstuni Linz und IT:U verstärken Gründer-Netzwerk „hub,ert“

Kunstuni Linz und IT:U verstärken Gründer-Netzwerk „hub,ert“

OÖ/LINZ. Das oberösterreichische Gründer-Netzwerk „hub,ert“ bekommt Zuwachs: Die Kunstuni Linz und die IT:U – Interdisciplinary Transformation ...

Tips - total regionalKarin Seyringer
Mit der Pflegelehre in einen Beruf mit Zukunft

Mit der Pflegelehre in einen Beruf mit Zukunft

OÖ. Mit der Pflegelehre gibt es seit 2023 in Oberösterreich einen direkten Einstieg nach der Pflichtschule. Sie verbindet praktische Ausbildung ...

Tips - total regionalOnline Redaktion
Raiffeisenlandesbank OÖ steigert Halbjahresgewinn deutlich

Raiffeisenlandesbank OÖ steigert Halbjahresgewinn deutlich

OÖ/LINZ. Die Raiffeisenlandesbank Oberösterreich hat im ersten Halbjahr 2026 deutlich mehr verdient als im Vorjahreszeitraum. Der Gewinn vor ...

Tips - total regionalKarin Seyringer
Weniger Lust auf Jobwechsel, mehr Zufriedenheit im aktuellen Job

Weniger Lust auf Jobwechsel, mehr Zufriedenheit im aktuellen Job

Ö. Der aktuelle Arbeitsmarkt-Kompass zeigt im zweiten Quartal 2026 erste Zeichen einer Stabilisierung: Die Wechselbereitschaft der heimischen ...

Tips - total regionalOnline Redaktion
Weitere Beiträge