Impfen in Österreichs Apotheken ab 2027 geplant
Ö/OÖ. Die Bundesregierung will Impfungen in österreichischen Apotheken ab 2027 ermöglichen. Ein Gesetzesentwurf sieht vor, dass entsprechend ausgebildete Apotheker Personen ab 14 Jahren gegen bestimmte Krankheiten impfen dürfen. Ziel ist es, den Zugang zu Schutzimpfungen zu erleichtern und die Durchimpfungsraten zu erhöhen. Die Ärztekammer für OÖ hingegen fordert einen flächendeckenden Ausbau der Hausapotheken.

Der Entwurf wurde Anfang November 2026 zur Begutachtung verschickt. Laut Gesundheitsministerin Korinna Schumann (SPÖ) soll die gesetzliche Umsetzung rechtzeitig zum Beginn der Zeckensaison im Frühjahr 2027 erfolgen. Fragen zur Finanzierung und zur Verteilung der Impfstoffe sind laut Staatssekretär Sepp Schellhorn (NEOS) noch zu klären.
Ausbildung und Eintrag im Impfpass
Vorgesehen sind zunächst Impfungen mit Totimpfstoffen. Apotheken wird demnach das Spritzen der Zeckenimpfung (FSME), der Kombinationsimpfung Tetanus, Keuchhusten und Diphtherie sowie des Impfschutzes vor Hepatitis B an Personen ab 14 Jahren erlaubt. Ziel ist ein niederschwelliger Zugang sowie die Anhebung der Durchimpfungsraten.
Impfen dürfen laut Entwurf Apotheker, die eine Impfausbildung samt Prüfung absolviert haben. Personen mit erhöhten Risiken bei Impfungen sind ausgenommen. Jede Impfung muss dokumentiert und im elektronischen Impfpass eingetragen werden.
Schumann begründete das Vorhaben damit, dass zusätzliche Wege und organisatorische Hürden Menschen von empfohlenen Impfungen abhalten könnten. Wer einen Impfstoff in der Apotheke kauft, könnte ihn künftig auch dort verabreicht bekommen. Das Angebot sei als Ergänzung zur ärztlichen Versorgung gedacht. „Es geht ausdrücklich nicht darum, Ärztinnen und Ärzte zu ersetzen oder Gesundheitsberufe gegeneinander auszuspielen. Wir schaffen vielmehr eine zusätzliche Möglichkeit, um einfach mehr Menschen zu erreichen.“
„Wir haben klare Voraussetzungen, wann das Impfen in Apotheken möglich sein soll, nämlich nur bei bestimmten Impfungen, nur bei Personen ab 14 Jahren bzw. wenn keine medizinischen Gründe dagegensprechen. Gleichzeitig werden Impfungen nur mit einer entsprechenden Ausbildung durchgeführt. Mit diesen Voraussetzungen setzen wir einen sehr verantwortungsvollen Rahmen“, so auch Staatssekretärin Barbara Eibinger-Miedl (ÖVP). Sie und Schellhorn kündigen zudem Verwaltungsvereinfachungen für Apotheken an.
Apothekerkammer fordert Erweiterung
Die Österreichische Apothekerkammer begrüßt den Entwurf als ersten Schritt, hält die Beschränkung auf einzelne Impfstoffe aber für zu eng. Sie fordert, möglichst rasch alle Totimpfstoffe in Apotheken zuzulassen. Insbesondere die Impfung gegen Influenza sollte nach Ansicht der Kammer hinzukommen.
„Impfen ist die wichtigste und wirksamste Präventionsmaßnahme, die wir haben. Das Impfen in Apotheken ist international eine Erfolgsgeschichte: Es erhöht nachweislich die Durchimpfungsraten und erreicht Menschen, die sonst ungeimpft blieben“, so Gerhard Kobinger, 2. Vize-Präsident der Österreichischen Apothekerkammer.
Nach Angaben der Kammer haben bereits mehr als 3.000 Apotheker die erforderliche Impfausbildung absolviert.
Ärztekammer will flächendeckend Hausapotheken
Die Ärztekammer für Oberösterreich hingegen zeigt sich wenig erfreut und verweist auf die Ausstattung und das geschulte Personal in Ordinationen.
„Wir sind gespannt, wie das in der Praxis ablaufen wird“, so die Kurienspitze der niedergelassenen Ärzte in der OÖ-Ärztekammer um Kurienobmann Paul Niederberger und Kurienobmann-Stellvertreterin Johanna Holzhaider zum Impfen in Apotheken.
Holzhaider betont, dass Ärzte die Krankengeschichte ihrer Patienten kennen und auf Aufklärung sowie eine allfällige Notfallbehandlung vorbereitet seien.
„Wir brauchen den Impfstoff nur vor Ort.“ Daher fordert Holzhaider das sogenannte One-Stop-Konzept, mit dem der niedergelassene Bereich (mit oder ohne Kassenvertrag) das gesetzliche Recht erhalten soll, verschreibungspflichtige Medikamente direkt in ihrer Ordination an Patienten abzugeben. Gleichzeitig brauche es einen flächendeckenden Ausbau der Hausapotheken.
„Aus Sicht der Patientinnen und Patienten wäre aus den genannten Gründen eine faire Koexistenz von Hausapotheken und öffentlichen Apotheken ein großer Gewinn für die stetig wachsende Bevölkerung“, so Niederberger.








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