Internationaler Frauentag: Existenzsicherung und faire Entlohnung sind nach wie vor Thema
RIED. Der Internationale Frauentag wird am 8. März begangen. Er entstand als Initiative sozialistischer Organisationen in der Zeit um den Ersten Weltkrieg im Kampf um die Gleichberechtigung, das Wahlrecht für Frauen und die Emanzipation von Arbeiterinnen. Im 21. Jahrundert spielen Themen wie Existenzsicherung und faire Entlohung nach wie vor eine gravierende Rolle. Gerlinde Zdralek leitet seit zwölf Jahren die Frauenberatungsstellen in Ried, Schärding und Grieskirchen. Aus ihrer langjährigen Beratertätigkeit kennt sie die Sorgen und Nöte ihrer Klientinnen.

Die Gleichstellung von Frauen und Männern ist ein wichtiges politisches und ökonomisches Anliegen. So möchten Dienstnehmerinnen auch am Ende des Monats ein faires Einkommen in der Tasche haben. „Gehälter sind ohnehin, unabhängig des Geschlechts, in branchenbezogenen Kollektivverträgen verankert. Folglich darf es keine Lohnunterschiede für gleiche Arbeit und Qualifikation geben“, sagt Gerlinde Zdralek von der Frauenberatungsstelle Frauennetzwerk3.
Geschlechterspezifische Teilung des Arbeitsmarktes
In der Realität gibt es allerdings Einkommensunterschiede, deren Ursachen vielfältig sind. Hier spielt die geschlechterspezifische Teilung des Arbeitsmarktes eine wesentliche Rolle. Männer arbeiten vorwiegend in Produktions-, beziehungsweise produktionsnahen Branchen mit höherem Lohn. Frauen hingegen sind zumeist in niedrig entlohnten Dienstleistungsbranchen wie Handel, Gastgewerbe, Gesundheits- und Sozialberufe zu finden. In Verbindung mit der mehrheitlich von Frauen geleisteten Versorgungsarbeit der Familie, einhergehend mit Teilzeitbeschäftigung, längerer Berufsabwesenheit und geringeren Vordienstzeiten, schlägt sich auch hier der Verdienstunterschied nieder.
Geringe Einkommenssicherheit
Geringe Einkommenssicherheit stellen auch prekäre Arbeitsverhältnisse dar, die viele Frauen betreffen. Typische Erscheinungsformen sind geringfügig Beschäftigte, befristete Dienstverhältnisse, Teilzeitjobs, neue Selbstständige und gewerbetreibende Ein-Personen-Unternehmen. Bei letzterer Berufsgruppe gilt es allerdings einige Hürden zu überwinden, die für eine langfristige Existenzsicherung Voraussetzung sind:
• genug Eigenkapital
• eine erfolgsversprechende Geschäftsidee
• wirtschaftliches Fachwissen
• bürokratische Ausdauer
• keine Angst vor dem Scheitern
Karriere oder Kind
Wofür soll sich Frau nun entscheiden: Karriere oder Kindererziehung? „Das eine schließt das andere nicht aus. Es ist eine Frage der Lebensplanung, der eigenen Sozialisierung, der eigenen Bedürfnisse und Lebensumstände. Frauen (und Männer) sollen die Wahlfreiheit haben. Die Aufgabe des Staates spielt dabei eine wesentliche Rolle, er ist zuständig für entsprechende Ressourcen: gute Schul- und Ausbildungsmöglichkeiten, ausreichend Kinderbetreuungsangebote, leistbarer Wohnraum und dergleichen. Und nicht zuletzt, bedarf es gegenseitiger Unterstützung durch Partner, Ehemann/Frau und Familie“, berichtet die langjährige Beraterin Gerlinde Zdralek.
Existenzsicherung ist in der Frauenberatungsstelle häufig Thema. Bei beruflichen wie persönlichen Anliegen, beispielsweise Scheidung, stellt sich klarerweise die Frage nach Erwerbstätigkeit und Vereinbarkeit von Beruf und Familie.
Kostenlose Beratung
Das Frauennetzwerk3 bietet individuelle, vertrauliche und kostenlose Beratung in unterschiedlichsten Lebenslagen. „Wir verstehen uns als Anlaufstelle für Frauen und Mädchen (ab 16 Jahren), die kostenlos und vertraulich Information und Beratung in persönlichen, familiären, sozialen und beruflichen Angelegenheiten suchen“, so Zdralek. Die Beratung erfolgt nach Terminvereinbarung in rechtlichen und therapeutischen Fragen mit kompetenten Kooperationspartnern.
Kontakt
Geschäftsstelle Ried, Johannesgasse 3 von Montag bis Donnerstag 8 bis 16 Uhr
Geschäftsstelle Grieskirchen, Wagnleithnerstraße 2 am Montag 9 bis 16 Uhr (im Familienzentrum)
Geschäftsstelle Schärding, Alfred-Kubin-Straße 9b am Mittwoch von 9 bis 16 Uhr (im Familien- und Sozialzentrum)
Terminvereinbarung: 0664/5178530 und 0664/8588033, www.frauennetzwerk3.at


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