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„Ich möchte nicht, dass unsere Fans bis zum letzten Spiel warten müssen“

Walter Horn, 19.02.2018 13:32

RIED. Noch 16 Spiele – dann will die SV Guntamatic Ried wieder da sein, wo sie hingehört: Nicht in der „Erste Liga“, sondern in der ersten Liga. Zum Saisonstart sprach Tips mit Cheftrainer Lassaad Chabbi.
von WALTER HORN

Lassaad Chabbi: „Nur der Aufstieg zählt!“ (Foto: GEPA/Florian Ertl)
Lassaad Chabbi: „Nur der Aufstieg zählt!“ (Foto: GEPA/Florian Ertl)

Tips: Wie lief die Vorbereitung?

Lassaad Chabbi: Sehr gut. Die Mannschaft hat gut gearbeitet. Es ist sensationell, was mein Trainerteam und die medizinischen Betreuer geleistet haben. Wir hatten in der gesamten Vorbereitung nur einen Verletzten. Auch Walch ist wieder fit.

Tips: Worauf haben Sie im Training die Schwerpunkte gelegt?

Chabbi: Zu Beginn vor allem auf die Fitness, in Spanien dann mehr auf Taktik und die Automatismen.

Tips: In den Testspielen haben Sie gegen einige starke Gegner gespielt.

Chabbi: Es ist wichtig für uns, in Freundschaftsspielen gegen starke Gegner zu spielen, um zu wissen, wo wir stehen. Ein paar 5:0-Siege gegen viertklassige Gegner bringen uns nicht weiter. Wir analysieren diese Spiele sehr genau. Die Fehler zeigen wir den Spielern, damit sie sie nicht wiederholen. Ich glaube, das ist der richtige Weg.

Tips: Der Kader hat sich in der Winterpause kaum verändert...

Chabbi: Das ist ein großer Vorteil. Ich bin kein Freund von Wintertransfers. Wir sind Erster in der Tabelle, wir brauchen keinen Spieler, der herkommt und glaubt, gleich zu spielen. Mit Constantin Reiner, Philipp Prosenik und Flavio Dos Santos haben wir drei starke Spieler geholt, die charakterlich zu uns passen.

Tips: A propos Dos Santos – wann kommt er denn?

Chabbi: Ich habe Vertrauen in ihn. Ich komme aus Tunesien und weiß, dass es Schwierigkeiten geben kann, wenn man einen neuen Reisepass braucht. Auch in Österreich hat die Umstellung auf den neuen Pass manchmal 15 Tage gedauert. Die Kapverden haben leider keine Botschaft in Wien. Ich bin überzeugt, dass er nichts dafür kann. Er hat aber die gesamte Vorbereitung verpasst – wenn er kommt, wird er noch drei bis vier Wochen brauchen, bis er spielen kann.

Tips: Thomas Reifeltshammer und Marcel Ziegl waren ja so lange verletzt, dass sie für die Mannschaft beinahe Neuzugänge sind. Wie weit sind die beiden?

Chabbi: Beide sind jetzt fit und haben gut trainiert. Wir haben aber einen guten Kader und wir sind Erster, da können wir nicht so viel ändern. Ich habe ihnen gesagt, dass es keine Garantie für einen Stammplatz gibt. Aber jeder Spieler weiß, dass er bei mir seine Chance bekommt.

Tips: Die Mannschaft ist ja praktisch unverändert. Kann man damit rechnen, dass sie daher noch besser und konstanter spielt als im Herbst? Was können die Zuschauer im Frühjahr von der SV Ried erwarten?

Chabbi: Dass wir den Verein dahin zurückbringen, wo er zwanzig Jahre lang war. Die Mannschaft wird mit Sicherheit noch kompakter sein. Sie ist stabiler und steht gut auf eigenen Füßen. Die Fitness ist besser und körperlich sind wir noch stärker geworden.

Tips: Richten Sie die Taktik nach den vorhandenen Spielern oder versuchen Sie, die Spieler in ein System einzubauen?

Chabbi: Wir müssen flexibel sein, die Taktik ist nicht so entscheidend. Am Schluss entscheiden Disziplin, Ordnung und die Fähigkeit der Spieler. Es gibt so viele Fähigkeiten, die im Fußball gefragt sind. Ob du mit Dreierkette oder Fünferkette oder Schneekette spielst, am Ende entscheidet die Qualität der Spieler.

Tips: Sollen in Zukunft noch mehr Spieler aus der Akademie und von den Amateuren zur Kampfmannschaft kommen?

Chabbi: Es trainieren immer wieder einige AKA- und Amateurspieler bei uns und sie kommen auch zu Einsätzen, wie Stefano Surdanovic, Arne Ammerer oder Severin Hingsamer. Jetzt kommt noch Belmin Cirkic dazu. Vier junge Spieler waren in Spanien dabei und haben auch in den Tests gespielt. Sie sind dran, brauchen aber Geduld. Wir haben eine tolle Akademie mit tollen Trainern, die ihre Arbeit sehr gut machen.

Tips: Wie ist der Stellenwert der älteren Spieler? Wenn man über die SVR redet, hört man manchmal: „Beim Chabbi spielen ja nur die Jungen“.

Chabbi: Bei Fußballern gibt es kein alt und jung, nur gut und schlecht. Thomas Gebauer ist 34 Jahre alt, und er ist einer der besten Torhüter in der ersten und zweiten Liga. Ich bin Trainer – ich brauche schnelle Leute und Spieler, die umsetzen, was ich ihnen sage. Wie alt sie sind, ist egal. Wir haben auch gar keine alten Spieler – Fröschl ist mit 29 Jahren einer der ältesten, und der spielt in fast jedem Spiel. Es gibt nicht jung und alt, es gibt nur Erfolg.

Tips: Das einzige Saisonziel ist der Aufstieg. Ist es wichtig, ob man das als Erster oder als Zweiter schafft?

Chabbi: Nur der Aufstieg zählt.

Tips: Wie wirkt sich diese „Pflicht zum Aufstieg“ auf die Mannschaft aus? Ist das eher Druck oder Ansporn?

Chabbi: Der Druck wäre größer, wenn nur Ried aufsteigen wollte. Aber er liegt auch bei Innsbruck und Wiener Neustadt – die haben auch klipp und klar gesagt, dass sie aufsteigen wollen. Ich bin überzeugt, dass wir das Ziel erreichen – auch weil wir viele Spieler haben, die schon einmal aufgestiegen sind oder um den Aufstieg gespielt haben. Die wissen, worum es geht.

Tips: Wird das letzte Heimspiel ein Aufstiegsfinale oder eine Aufstiegsparty?

Chabbi: Ich möchte nicht, dass unsere Fans bis zum letzten Spiel warten müssen. Es sind noch 16 Spiele, da wollen wir das Maximum an Punkten holen – auch damit wir möglichst früh für die Bundesliga planen können.

Tips: Ist der Kader stark genug für die Bundesliga oder wären viele Verstärkungen nötig?

Chabbi: Ich bin überzeugt, dass die Qualität so hoch ist, dass dieser Kader auch oben eine gute Rolle spielen kann. Die meisten Spieler haben Verträge, die auch für die Bundesliga gelten. Fränky Schiemer und ich haben das so gemacht, weil wir von ihrer Qualität überzeugt waren.

Tips: Welche Mannschaften werden die größten Konkurrenten um den Aufstieg sein?

Chabbi: Die größten Konkurrenten sind die Vereine, für die es um nichts mehr geht. FAC und Blau-Weiß Linz stehen im Abstiegskampf unter Druck. Die Spiele gegen Innsbruck oder Wiener Neustadt werden sicher schöne Spiele. Wir müssen aber erst einmal gegen Lustenau und Kapfenberg und Wattens gewinnen. Als ich vor einem Jahr mit Lustenau Herbstmeister war, haben wir auch gegen den LASK verloren. Das hat aber nichts gemacht, weil wir gegen die anderen Mannschaften mehr Punkte geholt haben.

Tips: Nach dem Auftakt gegen den FAC kommt gleich der Cup-Schlager bei Rapid. Wie hoch schätzen Sie die Chancen der SVR ein?

Chabbi: Das werden beides schöne Spiele. Wir müssen in beiden voll konzentriert sein. Ich möchte erst einen guten Start. Der Pokal hat dann seine eigenen Gesetze, da sind die Chancen immer 50 zu 50.


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