Vizebürgermeister Steffan erhielt zum Abschied viel Applaus
RIED. Der langjährige Rieder Vizebürgermeister Michael Steffan (SPÖ) vollzog bei der Gemeinderatssitzung am Donnerstag seinen angekündigten Rücktritt.

Den Platz Steffans im Stadtrat und im Sportausschuss übernimmt SPÖ-Stadtparteiobmann Peter Stummer. Michael Steffan bleibt bis 2021 Gemeinderat-Ersatz und wird auch die Organisation der Sportgala ehrenamtlich weiterführen.
Kein 3. Vizebürgermeister mehr
Als 3. Vizebürgermeister wird Steffan keinen Nachfolger haben. Das Amt stünde nach der Wahlarithmetik der ÖVP zu (die dann zwei „Vizes“ hätte), wurde aber nach langjährigem Brauch der SPÖ (oder der jeweils drittstärksten Fraktion) „ad personam“ überlassen, damit alle drei großen Parteien einen Vizebürgermeister haben.
Gegen die automatische Weitergabe des Amtes an Peter Stummer regte sich jedoch in Teilen der ÖVP Widerstand. Mehrere Kandidaten beiderlei Geschlechts meldeten Ambitonen an, den der Partei rechtlich zustehenden Posten auch zu besetzen.
Nach einigen Tagen mit langwierigen Diskussionen, die dem Vernehmen nach in der ÖVP sehr heftig gewesen sein sollen, einigten sich die Fraktionen darauf, die Zahl der Vizebürgermeister zumindest für den Rest dieser Legislaturperiode von drei auf zwei zu reduzieren.
Dieser Vorschlag wurde im Gemeinderat einstimming beschlossen.
Würdigung vom Bürgermeister
Bürgermeister Albert Ortig dankte Steffan für „die Bereitschaft, über einen langen Zeitraum Verantwortung zu übernehmen und dieser gerecht zuwerden“. Steffan habe in der politischen Auseinandersetzung nie vergessen, wo seine politische Heimat sei, und er habe immer versucht, durch Argumente die Interessen seiner Gesinnung zu vertreten. Ortig: „Dass dabei immer Kompromisse nötig sind, war Michael Steffan bekannt und er war bereit, sie einzugehen.“ Nach der Auseinandersetzung seien die Einigungen immer mit Handschlagqualität erfolgt.
Rückblick
Steffan blickte zum Abschied auf 21 Jahre Rieder Kommunalpolitik zurück und sparte dabei zum Gaudium des gesamten Gemeinderats nicht mit ironischen Seitenhieben gegen Bürgermeister Ortig.
Steffans Politkarriere begann im November 1997, als die SPÖ nach einer Wahlniederlage einen Neustart mit neuen Gesichtern versuchte.
Damals wurde auch die erste Bürgermeister-Direktwahl durchgeführt, die Albert Ortig (ÖVP) klar gewann. Steffan: „In seiner bekannt bescheidenen Art hat er uns beim ersten Treffen mit einer Zigarre im Mund gleich klar gemacht, wer der Herr im Haus ist“. Steffan bekam den Schulausschuss, was er damals als Niederlage betrachtete.
Damals habe er aber gelernt, dass „gut Ding Weile braucht“: Die Renovierung der Sonderschule, die er schon damals mit dem damaligen Direktor Huber plante, sei jetzt in der Umsetzung.
Rieder Allianz
Die Wahl 2003 sei eine Zäsur gewesen und bot „die Chance zu einem Revanchefoul am Bürgermeister“ – in Form der bundesweit bekannt gewordenen „Rieder Allianz“.
Die wieder erstarkte SPÖ, die Knittelfeld-geschwächte FPÖ und die zum zweiten Mal mit einem Stadtrat im Gemeindeparlament vertretenen Grünen hatten zusammen die Mehrheit, machten sich die Aufteilung der Ausschüsse untereinander aus und stellten Ortig (der bei den Verhandlungen wegen eines Autounfalles ausfiel) und die ÖVP vor vollendete Tatsachen.
Zur allgemeinen Überraschung hielt diese Allianz drei Jahre lang. Letztlich, so Steffan, der damals Vizebürgermeister wurde, habe das Patt zwischen Bürgermeister und Allianz aber Stillstand für die Stadt bedeutet. 2006 sei wieder Vernunft eingekehrt, meinte Steffan. Die Fraktionen hätten die Ausschüsse einstimmig neu aufgeteilt und „in der Folge viele tolle Projekte für die Stadt umgesetzt“.
Respektvoller Umgang
Steffan bedankte sich bei den anderen Fraktionen für die „meistens respektvolle“ Art des Umgangs miteinander. Ihm sei immer wichtig gewesen, dass man sich auch nach einem politischen Streit noch in die Augen schauen konnte.
Über Bürgermeister Ortig sagte er, dass man sich nach der anfänglich „etwas kühlen“ Zusammenarbeit zusammengerauft habe. „Heute verbindet uns mehr als Politik.“
Dass sich Steffan auch in den anderen Fraktionen hohen Respekt erworben hat, zeigte der lange und kräftige Abschiedsapplaus, zu dem alle Mandatare aufstanden.


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.
Jetzt anmelden