Corona: In der Akutphase hat sich das Tagesgeschäft in der Rettungseitstelle Innviertel verändert
RIED. Seit 1999 gibt es in Ried die Rettungsleitstelle Innviertel. Hier laufen die Fäden des Rotkreuz-Netzwerks der Bezirke Braunau, Ried und Schärding zusammen. Tips sprach mit dem Dienstführenden Andreas Höll über die Aufgaben der Disponenten und wie sich die Arbeit in den letzten Monaten Corona-bedingt verändert hat.

Geht ein Anruf in der Rettungsleitstelle Innviertel ein, muss der Disponent den Überblick wahren. Er entscheidet mit gezielten Fragestellungen, welche Art von Hilfe der Anrufer braucht. 30 Disponenten, davon 13 fest angestellt, sind rund um die Uhr 365 Tage im Jahr für die Bevölkerung da. Viele Leute glauben, dass der mit dem sie telefonieren, auch zu ihnen kommt. Dem ist aber nicht so.
Das passiert nach dem Anruf
Die Kollegen des Rettungsdienstes übernehmen nach der Alarmierung, die zeitgleich und während des Telefonates erfolgt. Sobald ein Anruf eingeht, wird die Rettungskette aktiviert. Alle Fragen sind durchdacht. Der Disponent muss sich ein Bild machen. Wer ist der Anrufer, wo ist der Notfallort, wie sind die Wetterbedingungen. Bei Nebel könnte beispielsweise ein Hubschrauber nicht fliegen. Ist der Patient ansprechbar, atmet er, blutet er, hat er Schmerzen, hat er ein Herz-Kreislaufversagen, muss er vom Anrufer vor Ort bis zum Eintreffen der Rettungssanitäter bzw. des Notarztes wiederbelebt werden. Der Disponent trifft dann die Entscheidung ob der Anrufer den hausärztlichen Notdienst, einen Rettungswagen oder den Notarzt braucht.
Die Rettungsleitstelle in Zeiten von Corona
Besonders gefordert waren die Disponenten Covid-bedingt von März bis Mitte April. „In der Akutphase vom März bis Mitte April gab es eine komplette Veränderung im Tagesgeschäft. Die Krankenhäuser wurden von der Auslastung heruntergefahren, in der Dienststelle wollten wir nur ein Mindestmaß an Leuten haben. Es gab so viele Anfragen von der Bevölkerung, weil sie auf 1450 nicht durchgekommen sind. Wie komme ich zu einer Testung? Zu Spitzenzeiten mussten 200 Anrufe im Viertelstundentakt entgegen genommen werden, da ein Gespräch mit den Gesundheitsberatern auch etwa fünf bis zehn Minuten dauert. In der Leitstelle selber nahm die Zahl der Anrufe in dieser Zeit leicht ab, jedoch wurden hier durch die Vortraigefunktion der Rettungsleitstelle Innviertel für die 1450 die Gespräche deutlich länger. Um diese Herausforderung zu meistern, musste kurzfristig ein sechster Arbeitsplatz eingerichtet werden. „Jeder Tag war neu. Täglich mussten alle auf den neuesten Wissenstand gebracht werden. Vom Meldewesen an die Gesundheitsbehörde bis hin zur Probendisposition“, so Höll. In den Folgemonaten wurde, basierend auf den Erfahrungen der Disponenten, binnen kürzester Zeit ein EDV-System für die Probenlogistik entwickelt, das die Abwicklung sehr viel einfacher macht.Gerade zu Wochenbeginn ist die Anruflast für 1450 besonders hoch, weil fühlt sich jemand am Wochenende kränklich, wartet er erstmal bis zum Montag und ruft dann die 1450 an. Um den Anforderungen gerecht zu werden, unterstützen hier mittlerweile die Rettungsleitstellen und Call-Center mit speziell geschulten Mitarbeitern, die eine Vorabfrage durchführen.
Notrufnummer 144
Hausärztlicher Notdienst 141
Gesundheitsberatung 1450
Apotheken-Notdienst 1455


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