„Es gibt kein schöneres Hobby“: Rieder Amateurfunker sind größte Ortsgruppe Österreichs
WIPPENHAM. Der Amateurfunk ist in Österreich seit 100 Jahren im Österreichischen Versuchssenderverband ÖVSV organisiert. Tips sprach mit Karl Feichtenschlager, dem Leiter und Ausbildungsreferenten der Ortsgruppe Ried/ Grieskirchen, über die ungebrochene Faszination des Funkens in Zeiten von Smartphone und Internet.

Mit mehr als 170 Mitgliedern, die aus ganz Österreich und auch Deutschland kommen, ist die Ortsgruppe mit der Kennung ADL 507 die größte in Österreich. Daran ist Karl Feichtenschlager nicht ganz unbeteiligt.
Der Zerspanungstechniker hat sich schon als 16-Jähriger über CB-Funk mit seinen Freunden unterhalten. 1999 machte er die Funkprüfung, wurde schon kurz nach seinem Vereinseintritt Schriftführer und 2009 Obmann. Damals hatte der Verein etwa 70 Mitglieder. Die Nachwuchsarbeit liegt Feichtenschlager besonders am Herzen, sein Engagement zeigt Erfolge. Am jährlichen Kurs nehmen regelmäßig 15 bis 20 Personen teil. Jeden ersten Sonntag im Monat treffen sich die Vereinsmitglieder im Gasthaus Mair in Geiersberg.
Von den rund 6.000 Amateurfunkern in Österreich ist etwa die Hälfte in Vereinen organisiert. Der Einstieg ist relativ günstig. „Für ein paar hundert Euro bekommt man schon brauchbare Geräte“, sagt Feichtenschlager. „Nach oben gibt es aber kaum Grenzen.“ Er besitzt selbst moderne Geräte für mehrere tausend Euro, aber auch 50 Jahre alte Raritäten. Durch eine PV-Anlage sind alle Geräte autark.
Die Herausforderung beim Funken ist die sehr anspruchsvolle Prüfung, bei der man in den Grundlagen der Elektrotechnik firm sein muss. Wer besteht, kann eine Station beantragen und bekommt ein Rufzeichen zugeteilt.
Ionosphäre
Wie gut die Verbindung ist und wie weit das Funksignal reicht, hängt von der Ionosphäre ab – einem elektrisch geladenen Bereich der Erdatmosphäre, der sich in einer Höhe von etwa 60 bis 1.000 Kilometern über der Erdoberfläche erstreckt. Durch die Strahlung der Sonne werden dort elektrisch geladene Teilchen erzeugt, an denen elektromagnetische Wellen gebrochen (refraktiert) und dadurch zur Erde zurückgelenkt werden. So können im Kurzwellenbereich große Reichweiten erzielt und weltweite Funkverbindungen möglich werden. Funkverbote gibt es aus Österreich nur für Nordkorea und Eritrea.
Die wichtigsten Informationen, die die Funker austauschen, sind technische Daten: wo und wann ihr Signal empfangen wurde, wie stark und wie klar es war. Viele Funker bestätigen den Empfang nicht nur digital, sondern verschicken auch physische Bestätigungskarten – Feichtenschlager hat unter anderem eine vom ehemaligen König Hussein von Jordanien, der aktiver Amateurfunker war. „Unter uns Funkern gibt es keine Rangordnung und Titel. Hinter dem Mikro sind wir alle gleich. Es gibt kein schöneres Hobby als das Funken.“
Nur „Belangloses“ erlaubt
Themen wie Politik oder Religion sind beim Funken tabu; laut Gesetz darf nur „Belangloses“ geredet werden. Jegliche kommerzielle Nutzung ist verboten, darunter fallen auch Bestellungen. Feichtenschlager: „Ich darf meine Frau nicht anfunken und ihr sagen, dass sie mir aus der Stadt Bier mitbringen soll. Das geht legal nur mit dem Smartphone.“
Bei Notfällen können die Amateurfunker von den Behörden zu Hilfeleistungen verpflichtet werden, indem sie zum Beispiel Notrufe weiterleiten oder Verbindungen aufrechterhalten. In der Praxis kam es in Ried noch nicht dazu. Zur Feuerwehr, dem Roten Kreuz und der Bezirkshauptmannschaft pflegt man sehr gute Kontakte.
Radio aus aller Welt
Faszinierend ist für Feichtenschlager der Radioempfang aus der ganzen Welt. „Es gibt Listen, welche Sender wann in welchen Sprachen senden. Manche senden regelmäßig, manche nur einmal im Jahr oder noch seltener. Ich suche gerne nach seltenen Stationen und Exoten.“








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