Lehrlingsmarkt: Das Potenzial an Jugendlichen besser ausschöpfen
BEZIRK ROHRBACH. Ein schlechtes Zeugnis oder Lernschwächen bedeuten nicht zwangsläufig, dass eine Lehrausbildung scheitern muss. Verlängerte Lehre oder Teillehre schaffen Perspektiven für Jugendliche, die Unterstützungsbedarf haben - und gleichzeitig auch für Betriebe, die damit das Potenzial am Lehrlingsmarkt besser ausschöpfen können. Bei einer Veranstaltung am 23. Februar erfahren Unternehmer mehr über diese besonderen Formen der Lehrlingsausbildung.

Jugendcoach Harald Hehenberger ist an vorderster Front für ausgrenzungsgefährdete Jugendliche tätig und weiß, dass diese ebenso wie ihre Eltern froh über die besonderen Formen der Lehre sind. Nur den Betrieben sei diese Möglichkeit zu wenig bekannt, meint er. Die von der Jugendplattform des Bezirkes initiierte Informationsveranstaltung am 23. Februar in der Tischlerei Scheschy in Neufelden soll hier Abhilfe schaffen. „Wir wollen die Jugendlichen von der Schule bis zum Lehrabschluss begleiten und betreuen. Sie sollen nicht nur eine Lehre anfangen, sondern diese auch positiv beenden“, definiert Hehenberger das erklärte Ziel. Das gelingt auch: Dank der Betreuung und persönlichen Assistenz ist die Durchkommensquote bei den Lehrabschlussprüfungen höher, als bei regulären Lehrlingen.
Bei einer verlängerten Lehre ändert sich an der Ausbildung eigentlich nur die Dauer - diese wird um ein Jahr verlängert. Das heißt, der Jugendliche hat ein Jahr mehr Zeit, die Berufsschule zu schaffen und wird die ganze Zeit über betreut. Eine Teillehre ist für Jugendliche gedacht, die den regulären Lehrplan nicht schaffen können. „Sie bekommen einen individuellen Lehrplan und können Teile eines Berufes erlernen. Das kann aber das Sprungbrett in eine normale Lehre sein“, weiß der Jugendcoach aus Erfahrung.
Finanzielle Unterstützung für Unternehmen
„Ein Zeugnis sagt nicht aus, was ein Mensch leisten kann“, ist auch AMS-Leiterin Michaela Billinger von den besonderen Formen der Lehrausbildung überzeugt. „Es geht darum, dass Jugendliche eine Chance bekommen, auch wenn sie Förderbedarf haben.“ Sie weiß, dass der Bedarf an Lehrlingen gegeben ist: „Wir haben 210 Lehrstellen ausgeschrieben, aber die Lehrstellensuchenden stimmen nicht immer mit dem Anforderungsprofil überein.“ Wirtschaftskammer-Bezirksstellenleiter Klaus Grad will das Potenzial an Jugendlichen besser ausschöpfen: „Es gibt einige Firmen, die keine Lehrlinge finden oder gar keine mehr suchen.“ Aber diese seien die Fachkräfte der Zukunft. Für die Unternehmen lohnt sich das Modell auch finanziell: Verlängerte Lehre und Teillehre werden durch die Wirtschaftskammer und das AMS gefördert.
Information
Die Informationsveranstaltung „Lehrlinge sind unsere Zukunft“ findet am Dienstag, 23. Februar, von 17 bis 19 Uhr in der Tischlerei Scheschy in Neufelden statt. Dabei schildern auch Unternehmer und Lehrlinge ihre Erfahrungen mit diesen Modellen. Ein Teil des Abends ist außerdem der Lehre für Asylwerber gewidmet.
Um Anmeldung wird gebeten: Tel. 05-90909-5650 oder rohrbach@wkooe.at.


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