Wie ein kleines Virus die Arbeitswelt komplett umkrempelt
BEZIRK ROHRBACH. Corona hat die Berufswelt komplett auf den Kopf gestellt. Wir haben nachgefragt, wie es in einzelnen Branchen ausschaut.

Unser Redaktionsalltag hat sich auf jeden Fall sehr verändert: Denn wir drei Redakteurinnen arbeiten von zu Hause aus, um unsere Leser wie gewohnt mit aktuellen regionalen Nachrichten versorgen zu können. Telefon und E-Mail sind momentan unsere wichtigsten Kommunikationsmittel. Persönliche Treffen gibt es nicht und wo wir zu normalen Zeiten geschwind auf ein Foto oder ein Gespräch vorbeigefahren wären, müssen wir uns jetzt eben anders behelfen.
Während unsere Arbeit also unter eingeschränkten Bedingungen weiterläuft, gibt es viele, die zum Nichtstun verdonnert sind. Und wiederum jene, die mehr denn je zu tun haben. Die Rede ist von den Beschäftigten in Lebensmittelgeschäften oder in der Lebensmittelproduktion, im Transportwesen, von Polizisten oder Postbeamten und natürlich von den Mitarbeitern im Gesundheits- und Pflegebereich, die besonders gefordert sind.
„Wir können nichts planen“
Im Klinikum Rohrbach wurde eine Isolierstation definiert, auf der ausschließlich Covid-Erkrankte bzw. Verdachtsfälle behandelt werden, informiert Diplomkrankenpflegerin Simone Schaubmeier. „Wir können keinen Tag planen, denn wir wissen nicht, wie viele Patienten aktuell aufgenommen werden müssen und eine professionelle Betreuung benötigen. Die Betreuung der Patienten fordert auch viel Fingerspitzengefühl, da sie oft Ängste haben.“ Sie appelliert, sich wirklich an die Regeln zu halten: „Nur so hat das Gesundheitssystem die Chance, mit den getroffenen Vorbereitungen und vorhandenen Ressourcen die notwendige Versorgung der krankenhauspflichtigen Covid-Patienten zu ermöglichen. Gemeinsam können wir es schaffen“, sagt Schaubmeier.
Gefragte Desinfektionsmittel
Eine Branche, in der derzeit ebenfalls viel los ist, ist der Hygienebereich. „Unsere Produktion hat sich auf die Hände- sowie Flächendesinfektion spezialisiert. Hier läuft die Produktion und Abfüllung sowie Etikettierung auf Hochtouren. Ebenso wie der Handel mit Schutzmasken, Einweghandschuhe sowie Einweghygieneartikel im Waschraum“, verrät Mario Hofer, Geschäftsführer von Purolex in Aigen-Schlägl. Er hat gemeinsam mit der ortsansässigen Firma Hehenberger Metalltechnik einen Spender für Desinfektionsmittel entwickelt, weil „es faktisch am Markt nichts mehr gibt.“ Dieser wird zu 100 Prozent in Handarbeit gefertigt, drei Arbeiter wurden schon zusätzlich für die Spender-Produktion angestellt, berichtet Mario Hofer. Obwohl durchgehend produziert wird, ist die Nachfrage dennoch größer als die Produktionskapazität. Im Einsatz sind die Spender aktuell bei Supermärkten oder bei Ärzten.
Elisabeth Lang, stv. Marktleiterin im Eurospar Altenfelden
Was hat sich seit Beginn der Corona-Krise für Sie geändert?
Mein Beruf als Einzelhandelskauffrau im Lebensmittelbereich hat mehr Wertschätzung bekommen, das lassen uns die Kunden auch viel öfter spüren. Man fühlt sich bei der Ausübung des Berufes wieder wichtiger, als man selbst geglaubt hat. In dieser Zeit wächst man auch wieder viel mehr als Team, mit den Kollegen zusammen. Es wird gemeinsam an einem Strang gezogen und wir stärken uns gegenseitig. In dieser Krisenzeit ist die körperliche und geistige Anstrengung gegenüber „normalen“ stressigeren Zeiten wie etwa vor und nach Feiertagen usw. noch größer.
Mit welchen Herausforderungen haben Sie besonders zu kämpfen?
Bestellungen sind sehr herausfordernd. Das Einkaufs-verhalten hat sich sehr verändert und weil es bei manchem Artikel im Großhandel zu vorübergehenden Engpässen kommen kann, gilt es herauszufinden, wo größere Mengen benötigt werden. Eine Herausforderung ist auch, dass man einer Infektion sehr stark ausgesetzt ist, dass man immer wieder Hände waschen, desinfizieren, Abstand halten muss. Die Mundschutzmasken erschweren unseren Alltag zusätzlich.
Was möchten Sie gerne Ihren Mitmenschen/Kunden sagen?
Unseren Kunden möchte ich sagen, dass sie etwas Geduld haben sollen, wir versuchen das Bestmögliche aus dieser Situation zu machen, aber wir stoßen momentan auch immer wieder an unsere Grenzen. Doch langsam aber sicher geht es wieder bergauf! Ein Dank an viele unsere Kunden, die uns durch kleine Gespräche, Lob und nette Worte unterstützen und aufheitern.
Was wünschen Sie sich für die Zukunft, die Zeit nach Corona?
So schnell wie möglich in die Normalität zurückzukehren. Dass auch in Zukunft der Zusammenhalt wie im Moment bleibt und unsere Berufsbild auch weiterhin die Wertschätzung und die Rücksichtnahme erhält.
Simone Schaubmeier, Diplom-Krankenpflegerin, Klinikum Rohrbach
Was hat sich seit Beginn der Corona-Krise für Sie geändert?
Auf unserer Station hat sich seit der Corona-Krise alles verändert. Seit März ist unsere Station als Isolierstation definiert und behandelt ausschließlich Patienten mit einer bestätigten Covid-Erkrankung bzw. Covid-Verdachtsfälle. Seit Beginn der Krise hat sich damit so gut wie alles geändert. Angefangen vom Tagesablauf, Dienstplan, Räumlichkeiten bis hin zu baulichen Veränderungen, die die neue Situation mit sich bringen. Wir haben alles auf die neue Situation umgestellt. Natürlich ist auch der soziale Kontakt mit Kollegen und mit anderen Berufsgruppen verändert.
Mit welchen Herausforderungen haben Sie besonders zu kämpfen?
Auf der Isolierstation erfolgt die Arbeit am Patienten ausschließlich in Schutzkleidung. Um eine Verschleppung des Virus zu verhindern, verwenden wir im Patientenzimmer weder Laptop noch Fieberkurve. Es bedarf einer anderen Dokumentationsform. Die Betreuung der Patienten fordert viel Fingerspitzengefühl. Wir versuchen, sie zu informieren, ihnen Mut und Hoffnung zu machen. Was uns hilft, sind der gute Zusammenhalt im Team, Wertschätzung und, trotz allem, Humor.
Was möchten Sie gerne Ihren Mitmenschen/Kunden sagen?
Bleibts dahoam und schützt somit jene, die es selbst nicht mehr können. Es reicht nicht aus, sich jetzt kurzfristig an die Ausgangsbeschränkungen zu halten: Mindestens zwei Meter Abstand und keinen längeren engen/direkten Kontakt als 15 Minuten sollten als Grundprinzip für die nächsten Monate angesehen werden. Dadurch kann es gelingen, die Ausbreitung weiterhin gering zu halten. Die Situation zeigt uns aber auch, wie wichtig die regionale Versorgung ist.
Was wünschen Sie sich für die Zukunft, die Zeit nach Corona?
Wir wünschen uns, dass nach der Corona-Krise nicht vergessen wird, welche Herausforderung die Beschaffung von Schutzkleidung und Medikamenten in der globalisierten Welt bedeutet hat und wie wichtig eine regionale Produktion und Verfügbarkeit dieser Produkte ist.
Andreas Hannerer, Polizeibeamter, Rohrbach-Berg
Was hat sich seit Beginn der Corona-Krise für Sie geändert?
Man achtet vor allem bei Amtshandlungen darauf, den nötigen Abstand einzuhalten, sofern dies möglich ist. Natürlich stellt man sich vor jedem Einsatz die Frage, ist mein Gegenüber infiziert, aber das muss man ausblenden. Man wird vorsichtiger, bewusster. Ich achte noch mehr auf Hygiene, Händewaschen und Desinfizieren – und bin mir der Gefahr einer Ansteckung bewusst. Generell kann man jedoch sagen, dass die Menschen in unserem Bezirk sehr diszipliniert sind und bis auf wenige Ausnahmen an die Vorgaben halten.
Mit welchen Herausforderungen haben Sie besonders zu kämpfen?
Wie kann ich mich im Außendienst am besten schützen? Man muss penibel alle Vorschriften zum Selbst- und Fremdschutz einhalten. Sich die Abstandsregeln immer wieder in Erinnerung rufen. Ansonsten einfach darauf achten, sich nicht anzustecken um den Dienstbetrieb aufrechterhalten zu können. Privat ist sicher die Kinderbetreuung in der schullosen Zeit eine gewaltige Herausforderung für alle, deren Einsatz gerade jetzt besonders wichtig ist.
Was möchten Sie gerne Ihren Mitmenschen/Kunden sagen?
Bitte befolgt die Ausgangsbeschränkungen – bleibts dahoam! Keine unnötigen Ausfahrten unternehmen, auch wenn das Wetter noch so schön ist, auf Motorradspazierfahrten verzichten! Es kommen wieder andere Zeiten und dann kann man diesem Hobby unbeschwert nachgehen. Und an die Jüngeren gerichtet: Ich weiß, es ist verdammt schwer, sich nicht zu treffen, Party zu machen, zu feiern. Aber es geht jetzt eine Zeitlang nicht anders. Freut euch dafür auf die Zeit danach!
Was wünschen Sie sich für die Zukunft, die Zeit nach Corona?
Wieder mehr Solidarität. Verstärkt die heimische Wirtschaft bedienen, regional einkaufen, regional urlauben, bewusster leben. In allen Köpfen sollte nun verankert sein, wie wichtig ein funktionierendes, nicht kaputt gespartes Gesundheitssystem ist. Und wie wichtig manche, vielleicht nicht so angesehene Berufsgruppen eigentlich sind. Das sind die wahren Systemerhalter der Gesellschaft.
Mario Hofer, Hygieneberater, Aigen-Schlägl
Was hat sich seit Beginn der Corona-Krise für Sie geändert?
Bei uns haben sich die Kunden an sich verschoben. Gastronomiekunden sind komplett weggebrochen, dafür bedienen wir jetzt 80 Prozent Gewerbekunden (vorher waren es 40 %) und 20 Prozent Privatkunden (vorher 15 %). Unsere Produktion hat sich auf die Hände- sowie Flächendesinfektion spezialisiert. Aktuell ist auch die Nachfrage nach Spendern für Desinfektionsmittel sowie für Einweghygieneartikel rasant nach oben gestiegen.Die Firma selbst habe ich nach außen hin abgeschottet. Abholung von vorbestellten Materialien gibt es nur noch in einer eigenen Halle ohne Kontakt.
Mit welchen Herausforderungen haben Sie besonders zu kämpfen?
Zu kämpfen haben wir mit den Rohstoffen, wir warten ständig auf irgendeine ,Grundzutat“. Aufgrund dieser Verknappung ziehen auch die Rohstoff- und in Folge die Endpreise an. Die Rohstoffhändler erhöhen täglich die Preise, in den vergangenen Wochen stiegen dieEinkaufspreise teilweise um 700 Prozent. Ich habe außerdem auf einen 2-Team-Zyklus umgestellt, damit immer nur die halbe Belegschaft arbeitet. Dadurchverlängern sich leider die Lieferzeiten.
Was möchten Sie gerne Ihren Mitmenschen/Kunden sagen?
Unsere Produktion läuft auf Hochtouren, damit sich jene mit Desinfektionsmitteln schützen können, die unsere Gesellschaft derzeit aufrechterhalten! Und ganz wichtig ist, jeden Tag dankbar sein. Dankbar für unsere Gesundheit und unser schönes Leben.
Was wünschen Sie sich für die Zukunft, die Zeit nach Corona?
Für mich geht es so weiter wie bisher. Ich stehe morgens auf, bin dankbar für meine Gesundheit, für meine Familie, für meine Arbeit. Und starte jeden Morgen mit einem Lächeln und positiv in den Tag.
Maria Grünbacher, Landwirtin/Direktvermarkterin, Arnreit
Was hat sich seit Beginn der Corona-Krise für Sie geändert?
Mit der Corona-Krise und der Angst der Bevölkerung vor Versorgungsengpässen ist mir zum ersten Mal die Krisenanfälligkeit des herrschenden Systems richtig aufgefallen. Verzweifelte Kundschaften haben angerufen, ob wir denn noch genug Vorräte hätten, vor allem Getreide. Sie hätten kein Vertrauen in die Supermärkte mehr, mögliche Grenzsperren machten Zulieferungen unsicher. Unser kleiner Bio-Hofladen machte einen Tag lang den Umsatz seines Lebens! Mittlerweile hat sich alles wieder eingependelt. Viele Leute lassen sich die Waren schicken. Die Kunden sind froh, dass wir so viele verschiedene Produkte herstellen.
Mit welchen Herausforderungen haben Sie besonders zu kämpfen?
Die größte Herausforderung für mich ist, die Frühjahrsarbeiten am Hof und die sehr arbeitsintensive Direktvermarktung, mit der „Schule daheim“ vereinbaren zu können. Die Kleinen brauchen Unterstützung und haben sehr viel zu machen, ich renne den ganzen Vormittag zwischen Laden, Kindern, Telefon, Kundschaften, Computern und Schulbüchern hin und her. Jeden Tag! Aber: Der Vollerwerbsbetrieb muss trotzdem weiterlaufen, er ist unsere einzige Einnahmequelle.
Was möchten Sie gerne Ihren Mitmenschen/Kunden sagen?
Wir haben Lager voller Schätze, Saatgut für dieses Frühjahr liegt bereit und die Wintergetreide wachsen bereits auf den Feldern. Vom Saatgut bis zum Getreideprodukt, bei den Tees, Honig und Fleisch – wir sind ziemlich autonom in der Produktion. Es ist ein richtig gutes Gefühl zu wissen, uns selbst und viele andere Menschen mit hochwertigen Lebensmittel versorgen zu können, wenn unsere großen „Konkurrenten“ schwächeln. Mir kommt unsere Arbeit gerade sehr sinnvoll vor.
Was wünschen Sie sich für die Zukunft, die Zeit nach Corona?
Ich wünsche mir eine staatlich angeheuerte Trendwende in der Landwirtschaft! Viele kleine, ökologische Höfe sollen wieder aufsperren und die verschiedensten Lebensmittel herstellen. Diesen Höfen wünsche ich solche Kundschaften, wie wir sie haben. Die bei ihnen einkaufen und damit wesentlich zur Ernährungssicherheit und Krisenstabilität einer Gesellschaft beitragen.
Manfred Lindorfer, Volksschul-Lehrer, Arnreit
Was hat sich seit Beginn der Corona-Krise für Sie geändert?
Ich würde meine momentane Situation so beschreiben: Man stelle sich vor, man ist Chefkoch, arbeitet mit anderen Köchen und alle helfen zusammen. Und plötzlich steht der Chefkoch alleine in der Küche, er verschickt den vorbereiteten Speiseplan und muss hoffen, dass die anderen diesen erledigen, ohne Tipps und Hilfestellungen geben zu können, ohne aufmunternden Kommentar zwischendurch. Für mich hat sich also „geändert“, dass es vorbereitungsmäßig mindestens so viel Arbeit ist wie vorher, dass die Korrekturen genauso da sind und dass das Wichtigste an meinem Beruf – die Schüler – ganz einfach fehlen!
Mit welchen Herausforderungen haben Sie besonders zu kämpfen?
Herausforderung ist, Material an die Schüler weiterzugeben, das sie nicht über- und nicht unterfordert. Ich erstelle für jede Woche für meine Kinder Arbeitsaufträge, die ich persönlich vorbeibringe – inklusive einer kleinen Überraschung. Bisher gemachte Arbeiten liegen zum Abholen und Anschauen bereit. Neben dieser analogen Vermittlung (mit Sicherheitsabstand) gibt es digital gelegentlich einen Link zu einem Film, einem Lied oder Webseiten. Und wir Lehrer haben ein Video gemacht, um den Einsatz der Eltern und Kinder zu würdigen.
Was möchten Sie gerne Ihren Schülern sagen?
Liebe Kinder, momentan erleben wir etwas, was es zuvor noch nie gegeben hat! Wir brauchen noch etwas Geduld, und dann freuen wir uns alle riesig, wenn wir uns endlich in der Schule wiedersehen können, um gemeinsam zu singen, zu basteln, zu zeichnen, zu turnen und zu lernen! Auch wenn während des Schuljahres auch etwas „nervige“ Tage dabei sind, ich freue mich schon sehr auf euch! Ich weiß, wie sehr ihr es vermisst, mit euren Klassenkameraden in der Schule zu sein und das werden wir nachher umso mehr schätzen!
Was wünschen Sie sich für die Zukunft, die Zeit nach Corona?
Ich möchte weiter mit so viel Freude und Engagement mit meinen Kids arbeiten, wie vor dieser Krise! Wir in Arnreit haben ja zum Glück ein wirklich gutes Dreieck Eltern-Lehrer-Schule. Jetzt lernen wir, wie wertvoll ganz einfache tägliche Rituale sind und wie schön und wichtig der persönliche Kontakt ist. Ich wünsche mir auch, dass in den Schulen Ruhe einkehrt nicht alljährlich Neuerungen eingeführt werden.


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