Kreative Köpfe geben dem Müll aus der Textilindustrie einen neuen Sinn
HASLACH. Was tun mit Industrieabfällen? Statt sie als unbrauchbaren Müll zu betrachten, will das EU-Projekt „Symcraft“ neue Wege aufzeigen, um sie sinnvoll weiterzuverwenden. In Haslach spielt dabei das Textile Zentrum eine zentrale Rolle: Es fungiert als Schnittstelle zwischen Wirtschaft und Kreativen und fördert innovative Ideen zur nachhaltigen Nutzung von Abfällen.

In acht Ländern Europas wird aktuell am Interreg-Projekt Symcraft gearbeitet, und zwar in den Themenfeldern Holz, Lebensmittel und Textiles. Ziel des Projektes ist es, Synergien zwischen Industrie und Handwerk zu stärken. Als etablierter Ort für Vernetzung und kreative Experimente lädt das Textile Zentrum in Haslach am 14. März zu einem Netzwerktreffen ein. Dort sollen Vertreter aus Industrie, Handwerk, Design und von Universitäten zusammenkommen, um gemeinsam neue Verwertungsideen zu entwickeln.
Marktplatz der Ideen
„Im Herbst haben wir bereits eine Analyse durchgeführt, welche Abfälle in der Textilindustrie entstehen und was damit bisher passiert“, berichtet Christina Leitner, Leiterin des Textilen Zentrums Haslach. „Dabei handelt es sich nicht nur um textile Reste wie Stanzteile oder Randabschnitte, sondern auch um Materialien wie Plastikspulen für Garn. Die Bandbreite ist enorm.“
Das Netzwerktreffen im März ist der nächste Meilenstein des Projekts. Mehrere Textilbetriebe werden vor Ort ihre Abfallmaterialien präsentieren. Auf einer Art „Marktplatz“ haben Handwerker, Designer, Studierende und Wissenschaftler die Gelegenheit, Ideen zu sammeln, sich auszutauschen und Kooperationen anzubahnen. „Es haben sich aber auch von sich aus einige interessierte Handwerker dazu angemeldet und das ist auch gewünscht. Wir wollen ganz offen an das Projekt herangehen“, freut sich Christina Leitner.
Geplant ist, dass auch Universitäten das Projekt in ihren Unterricht einbauen und so neue Ideen für eine Nachnutzung der Abfälle entstehen können.
Mehr Transparenz
„Das Projekt wird auch aufzeigen, welche Rahmenbedingungen es braucht, um Kooperationen zwischen Wirtschaft und Kreativen künftig zu erleichtern. Diese Prozesse sind aktuell sehr intransparent“, erhofft sich Leitner auch neue Erkenntnisse für die Branche. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Unterstützung von Nachwuchskünstlern und Designern. „Gerade junge Kreative stehen oft vor der Herausforderung, geeignete Materialien für ihre Projekte zu finden. Recycling und Wiederverwertung sind Themen, die in den letzten Jahren enorm an Bedeutung gewonnen haben“, erklärt Leitner.
Unikate und mehr
Spätestens im Sommer 2026 sollen alle entstandenen Produkte und Ideen wieder im Textilen Zentrum zusammengeführt und präsentiert werden. „Wir erwarten viele spannende Unikate, aber vielleicht verbirgt sich darunter auch eine Innovation, die für eine größere Produktion infrage kommt. Wir sind gespannt, was entsteht!“, so Leitner abschließend.


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.
Jetzt anmelden