Mehr Austritte: Corona hat die Bindung zur Kirche gelockert

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Martina Gahleitner Tips Redaktion Martina Gahleitner, 13.01.2022 07:04 Uhr

BEZIRK ROHRBACH. 375 Personen haben im Vorjahr die Kirche formell verlassen. Damit sind 2021 deutlich mehr Menschen aus der Kirche ausgetreten, als im Jahr 2020.

Damals verzeichnete die Kirchenbeitragsstelle Rohrbach 285 Austritte; 2019 waren es 301 Austritte. 34 Personen sind 2021 im Einzugsgebiet wieder eingetreten, 2020 waren das 17 Personen. Mit Stichtag 1. Jänner 2022 gibt es exakt 48.259 Katholiken im Bezirk Rohrbach, ein Jahr zuvor waren es noch 48.687.

Ist die rückläufige Katholiken-Zahl nun nur der Pandemie geschuldet oder steckt mehr dahinter? Natürlich sei es immer herausfordernd, Anknüpfungspunkte vor allem für junge Leute zu schaffen, sagt dazu Abt Lukas Dikany vom Stift Schlägl. „Wo etwa die Ministranten­arbeit gut klappt, kommen junge Leute und Familien in die Kirche. Oder beim Sternsingen konnten die Kinder und Jugendlichen erleben, wie sich die Menschen über ihren Besuch freuten und wir hatten heuer besonders gute Spendenergebnisse. Ziel muss immer sein, nahe am Menschen zu sein.“ Aber Corona sei schon „unglaublich herausfordernd für jede Pfarrgemeinde – nicht nur wegen der sich ständig ändernden Vorschriften“, ergänzt der Klostervorsteher.

„Können Gläubige nur bedingt ansprechen“

„Viele Kirchenbesucher, die vorher regelmäßig gekommen sind, sind verloren gegangen. Das macht uns Sorgen und im Mitbrüder-Kreis fragen wir uns schon, wie es weitergehen wird.“ In der aktuellen Situation könne man die Gläubigen nur bedingt ansprechen, nennt Abt Lukas etwa Online-Gottesdienste via Livestream, die es in einigen Gemeinden gibt, Pfarrzeitungen und Homepages. Durch Corona ist auf jeden Fall die „Bindung zur Kirche lockerer geworden. Dazu kommen vielleicht auch finanzielle Engpässe, die zum Austritt geführt haben“, meint er.

Pfarrleben ist mühsam

Auch wenn er froh ist, dass es in den Kirchen keinen totalen Lockdown mehr gibt und vor allem im vergangenen Sommer einige Feste gefeiert werden konnten, gestaltet sich das Pfarrleben in diesen unsicheren Zeiten sehr mühsam. Lukas Dikany denkt etwa an die Vorbereitung für Erstkommunion und Firmung oder auch an die Pfarrgemeinderatswahlen, die im März anstehen. „Wir sollten Leute für die Mitarbeit motivieren, können aber nicht mit voller Power fahren“, sagt er.

Treue Kirchgänger nicht vergessen

Bei all den Sorgen, übersieht der Schlägler Abt aber das Positive nicht: „Es gibt so viele, die der Kirche die Treue halten und vielleicht nicht jeden Sonntag, aber doch regelmäßig trotz Maskenpflicht in die Kirche kommen. Oder jene, die vor Ort die Kirche unterstützen“, nennt er als Beispiel die Pfarre Rohrbach, die das Mega-Projekt Kirchensanierung dank der vielen Spenden meistern konnte. „Das sind schöne Zeichen, dass den Menschen der Glaube etwas wert ist. Gerade in Krisenzeiten brauchen Menschen etwas, das sie trägt“, ist Abt Lukas überzeugt.

Dünneres Beziehungsgeflecht

Auch der aus Helfenberg stammende Bischofsvikar Wilhelm Vieböck möchte den Blick darauf lenken, dass sich „nach wie vor sehr viele Menschen in Oberösterreich der Kirche zugehörig fühlen und sich in ihr engagieren. Dafür ein herzliches Vergelt’s Gott!“ Mehr als 70.000 Menschen in OÖ stellen sich regelmäßig ehrenamtlich in den kirchlichen Dienst. „Das vielfältige Engagement zeugt davon, dass wir nach wie vor eine lebendige Kirche sind, getragen von 914.916 Katholikinnen und Katholiken.“ Landesweit sind im Vorjahr 12.865 Personen ausgetreten. „Das Beziehungsgeflecht ist offensichtlich dünner geworden“, meint Vieböck. „Wenn soziale Kontakte in Zeiten von Lockdowns, Homeoffice und regulierten Verhaltensmaßnahmen eingeschränkt werden, dann hat das Auswirkungen auf Beziehungen – auch in Bezug auf Institutionen wie die Kirche. Nicht alles an Beziehungsarbeit kann in nachgehender Seelsorge oder über den digitalen Raum geschafft werden. Die Austritte tun als einzelne, wie auch als hohe Gesamtzahl weh, so wie jedes Wort der Trennung.“

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