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BEZIRK SCHÄRDING. Das neue Jagdjahr ist bereits gestartet. Wie die Abschusszahlen aus dem vergangenen Jagdjahr aussehen und welche Aufgaben die Jägerschaft hat, erzählt Bezirksjägermeister Franz-Konrad Stadler aus Freinberg im Tips-Interview.

Bezirksjägermeister Franz-Konrad Stadler aus Freinberg (Foto: privat)
Bezirksjägermeister Franz-Konrad Stadler aus Freinberg (Foto: privat)

Tips: Was können Sie mir über die Abschusszahlen aus dem vergangenen Jagdjahr 2021/22 sagen?

Stadler: Die Abschusszahlen gegenüber dem Vorjahr haben sich geringfügig erhöht. Die Abschusszahl für Rehwild beträgt im Bezirk Schärding 6.148 Stück (Vorjahr 6.048), an Schwarzwild wurden 26 Stück (Vorjahr 44 Stück) und es wurden 4.907 Stück (Vorjahr 5.500 Stück) Hasen erlegt.

Tips: Warum ist es wichtig, dass die Wildpopulationen kontrolliert werden und warum sind auch jährlich Abschüsse notwendig?

Stadler: Unsere Oberösterreichischen Jäger leisten aufgrund ihrer vielfältigen Aufgaben einen erheblichen Beitrag für unsere Natur und unseren Wald: Sie sorgen für eine nachhaltige Regulierung und Artenpflege der Wildtiere und somit für eine Erhaltung und Erhöhung der Biodiversität in unseren Kulturlandschaften. Sie tragen Verantwortung für Waldpflege und Forstschutz und leisten damit einen wesentlichen Beitrag zu einem zeitgemäßen Naturraummanagement. Sie haften für Schäden, welche bestimmte Wildtiere an land- und forstwirtschaftlichen Kulturen und Erzeugnissen anrichten. Die Rechte, Aufgaben und Pflichten der Jagd in Österreich sind durch das Jagdrecht gesetzlich klar geregelt. Das Jagdrecht regelt die Hegemaßnahmen, den Jagd- und Biotopschutz sowie die nachhaltige Wildnutzung. Es zielt auf eine Verbesserung des Lebensraums bzw. der Lebensumstände des Wildes ab. Jäger leisten viel für den Lebensraum von Wildtieren und die Kulturlandschaft. Sie regeln den Wildbestand nach dem Prinzip der Nachhaltigkeit und sorgen für einen artenreichen Wildbestand. Die österreichischen Jagdgesetze verpflichten Jäger dazu, das Wild nicht nur zu bejagen, sondern Verantwortung für die gesamte Tier- und Pflanzenwelt zu übernehmen. Die Aufgaben eines Jägers sind vielfältig. Nur wenige wissen, dass die Jägerschaft eine viel größere Zahl von Tierarten schützt, als sie bejagt. Zunächst wird unterschieden, welche Wildtiere bejagt werden bzw. bejagt werden müssen und solche, die nicht bejagt – bzw. ganzjährig geschont werden. So schreiben zum Beispiel Behörden vor, wie viel Reh- oder Rotwild in den Bezirken erlegt werden muss. Diese sogenannten Abschusspläne folgen dem Prinzip der Nachhaltigkeit. Das bedeutet, dass nicht mehr Wild entnommen werden darf, als zuwächst. Die Bejagung selbst macht nur einen Bruchteil der Tätigkeiten des Jägers aus.

Tips: Das Frühjahr ist Brut- und Setzzeit für viele Wildtiere: Wie kann man diese Jungtiere am besten schützen? Haben Sie hier Tipps für unsere Leser?

Stadler: Jäger klären auf und haben dafür Sorge zu tragen, dass unbefugte Personen und erholungssuchende Naturnutzer – wie zum Beispiel Wanderer, Mountainbiker oder Paragleiter – das Jungwild nicht berühren. Das bedeutet natürlich nicht, Naturnutzer aus dem Wald auszusperren: vielmehr klären Jägerinnen und Jäger auf, wie und wo auf die Bedürfnisse der Wildtiere Rücksicht zu nehmen ist. Doch wie so oft gilt es auch den Kraftplatz Wald zu teilen. Der Wald ist vor allem auch Lebensraum für unzählige Tiere. Von Ende April bis Mitte Juni erreicht die Brutzeit für Wildtiere ihren Höhepunkt. Stockenten, Rehe, Wildschweine, Fasane, Füchse und Hasen sorgen jetzt schon dafür, dass der Waldkindergarten gut gefüllt ist. Wer also dieser Tage einen Schritt in die Natur setzt, sollte stets eines im Gepäck haben: Respekt. So sollten insbesondere im Frühling zum Schutz der jungen Wildtiere Hundehalter ihre Vierbeiner an die Leine nehmen. Gerüche, Geräusche und Bewegungen von jungem Wild wecken mitunter Jagdinstinkte, gegen die Hundebesitzer machtlos sind. Aufgeschreckte und gehetzte Wildtiere laufen auf Straßen und können Unfälle verursachen. Ein trächtiges Reh kann sogar im Schockzustand das Kitz verlieren. Da muss der Hund das Tier gar nicht fangen.

Tips: Welche Themen beschäftigt die Jägerschaft im Bezirk derzeit am meisten?

Stadler: Die Jägerschaft des Bezirkes Schärding freut sich auf die kommende Maibockzeit und ersucht die Wanderer, Mountainbiker usw. auf den ausgewiesenen Wegen zu bleiben, um das Wild nicht unnötig zu beunruhigen. Um den angestrebten Umbau von Reinbeständen hin zu klimafitten Mischwäldern zu etablieren, muss ein dementsprechender Verjüngungserfolg erzielt werden. Gerade klimafitte Baumarten, wie Tanne, Lärche, Eiche, Douglasie und andere Edellaubhölzer, die in Zukunft vermehrt zur Anpflanzung kommen, sind durch einen angepassten Wildbestand zu ermöglichen. Der Optimalfall ist, wenn die jagdlichen und forstlichen Maßnahmen zwischen Jäger und Grundbesitzer abgestimmt werden.

Tips: Was wünschen Sie sich für das Jagdjahr 2022/23?

Stadler: Für das bereits laufende neue Jagdjahr wünsche ich mir, dass das gute Einvernehmen zwischen den Grundbesitzern, der Forstbehörde und Jägerschaft des Bezirkes Schärding weiterhin so wie bisher Bestand hat.


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