Mittwoch 29. Mai 2024
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BEZIRK SCHÄRDING. Kaum einer kann sich das Hausbauen noch leisten, nicht nur wegen der hohen Zinsen und Baupreise, sondern auch wegen der Kreditimmobilienmaßnahmen-Verordnung (KIM-V). Diese erschwert es vor allem jungen Häuslbauern, sich einen Kredit aufzunehmen. Tips sprach mit Matthias Breidt, Geschäftsleiter Raiffeisenbank Region Schärding und Martin Doblinger, Regionaldirektor Privatkunden Bezirk Schärding der Sparkasse OÖ.

Der private Wohnbau ist stark zurückgegangen. (Foto: adobestock_by-studio)
Der private Wohnbau ist stark zurückgegangen. (Foto: adobestock_by-studio)

Die Folgen der Kreditimmobilienmaßnahmen-Verordnung (KIM-V) auf den privaten Wohnbau waren gravierend. Demzufolge war der Rückgang bei Wohnbaufinanzierungen deutlich merkbar. „Die Rahmenbedingungen für den privaten Wohnbau zum einen durch ein deutlich gestiegenes Preisniveau und zum anderen durch das deutlich höhere Zinsniveau waren ohnehin schon schwierig. Dass zudem dann auch noch die regulatorische Verschärfung durch KIM-V eingeführt wurde, hat die Situation nochmals erschwert. Durch das Zusammentreffen dieser Faktoren konnten wir einen zeitweiligen Rückgang bei Wohnbaufinanzierungen bis zu 80 Prozent feststellen“, berichtet Matthias Breidt, Geschäftsleiter von der Raiffeisenbank Region Schärding.

Rückgang bei der Kreditnachfrage

Martin Doblinger, Regionaldirektor der Sparkasse OÖ in Schärding, betont, dass damit die Schaffung von Eigentum erheblich erschwert wurde. „In Kombination mit der allgemeinen Teuerung und gestiegenen Zinsen löste dies einen spürbaren Rückgang bei der Kreditnachfrage aus. Was große Hausbau-Projekte betrifft, sind die Menschen zurückhaltender geworden. Für viele ist es schon Herausforderung genug, sich das alltägliche Leben leisten zu können.“

Traum vom Eigenheim

Dennoch, die Menschen haben sich auf die Situation und die Teuerung eingestellt und den Rahmenbedingungen angepasst. Bei der Raiffeisenbank Region Schärding stellt man eine leicht steigende Nachfrage bei Wohnbauberatungen fest. „Auch 2024 ist der Traum vom Eigenheim weiter vorhanden. Denn ein Eigenheim ist und bleibt eine gute Möglichkeit der Zukunftsvorsorge. Wir bemerken allerdings, dass die Menschen aufgrund der wirtschaftlichen Lage beim Wohnen kreativer werden: Mehrgenerationen-Häuser sind wieder im Kommen und natürlich hat auch das Sanieren zahlreiche finanzielle Vorteile. Mit einer Förderberatung können zudem die Investitionskosten gesenkt werden. Davon profitieren vor allem junge Menschen und Familien“, weiß Doblinger.

Das Wohnbaupaket

Matthias Breidt ist sich sicher, dass das von der Bundesregierung in Kraft gesetzte Förderpaket zu einer Verbesserung beitragen wird. Möchte jetzt eine Familie ein Haus bauen, muss sie 20 Prozent des Kaufpreises durch Eigenkapital aufbringen. Die monatliche Kreditrate darf höchstens 40 Prozent des monatlichen Netto-Haushaltseinkommens nicht übersteigen. Die Laufzeit der Kredite ist auf 35 Jahre begrenzt. „Grundstücke und vorhandenes Wohnungseigentum gelten mit einem Ansatz von 80 Prozent weitgehend als Eigenkapital und erleichtern damit etwas die Kreditvergabe. Mit Anfang März 2024 gab es eine einheitliche Regelung zum Ausnahmekontingent zur KIM-V. Dies führt zu einer Reduzierung der Bürokratie und zu einer Erhöhung der Flexibilität bei der Vergabe von Immobilienkrediten“, so der Finanzexperte der Sparkasse Oberösterreich. Ob es mit dem Rückgang der Inflationsrate zu Zinssenkungen kommen wird, weiß niemand so genau. Wie sich das Jahr und die geopolitische Lage entwickeln werden, ist unklar. „Die Notenbank wird jedenfalls datenabhängig agieren und ihre Geldpolitik auf das sich ändernde Umfeld kontinuierlich anpassen. Momentan gehen wir davon aus, dass die EZB zur Jahresmitte die erste Zinssenkung vornehmen wird und in Summe die Leitzinsen am Ende des Jahres niedriger stehen als heute“, sagt Doblinger.


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