„Wir müssen aufzeigen, wie viele Vorteile jeder durch Europa hat“

Omer Tarabic Omer Tarabic, Tips Redaktion, 21.05.2019 15:50 Uhr

ST. FLORIAN. Der gebürtige St. Florianer Josef Weidenholzer ist seit Dezember 2011 Mitglied des Europäischen Parlaments und seit Juli 2015 Vizepräsident der Progressiven Allianz der Sozialdemokraten der die gesamte SPÖ-Delegation im Europäischen Parlament angehört.

Tips: Herr, Weidenholzer, sie waren acht Jahre im EU-Parlament. Warum treten Sie bei den kommenden Wahlen nicht mehr an?

Weidenholzer: Ich bin 69. Es es Zeit für eine neue Lebensphase, in der ich mehr Zeit haben will für alles, was die letzten Jahre zu kurz gekommen ist. Vor allem die Familie. Darauf freue ich mich.

Tips: Wie sehr hat sich Europa in den vergangenen Jahren verändert?

Weidenholzer: Europa hat sich zum größten Binnenmarkt der Welt entwickelt. Der Euro ist nach der Krise wieder stabil. Wir leben in Frieden und objektiv betrachtet geht es uns gut. Diese Stabilität ist für uns selbstverständlich geworden. Doch wenn wir über den Tellerrand der EU schauen, ist es das nicht. Es ist ein Status quo, dessen Erhalt viel Arbeit in Brüssel gefordert hat. Ein Meilenstein der letzten Jahre war sicher auch die Flüchtlingskrise von 2015. Die hätten wir mit mehr Geschlossenheit der Staaten bestimmt besser bewältigt. Aber einige Nationalstaaten wollen das gemeinschaftliche Europa nicht umsetzen.

Tips: Wo sehen Sie Europa in fünf Jahren?

Weidenholzer: Wohin sich Europa entwickelt, hängt eng mit der EU-Wahl zusammen. Es geht um die Grundsatzfrage, ob die Wähler mit ihrer Stimme ein geeintes Europa bestärken, oder ob sie politische Kräfte unterstützen, die nicht hinter der EU stehen und sie im Grunde von innen heraus zerstören wollen.

Tips: In vielen EU-Ländern hat ein Rechtsruck stattgefunden. Wie kann dieser aufgehalten werden?

Weidenholzer: Wir müssen aufzeigen wie viele Vorteile jeder Einzelne durch Europa hat. Wie viele Arbeitsplätze es in Österreich nur wegen der EU gibt. Ich denke, das ist vielen gar nicht mehr bewusst. Was den rechten Populismus betrifft, dürfen wir nicht müde werden den Lügen und verdrehten Wahrheiten zu widersprechen. Die rechte Politik tut nichts anderes als alles schlechtzureden. Sie bremsen das Europäische Parlament aus und sind nie in der wirklichen Ausschussarbeit aktiv.

Tips: Wie gefährlich ist die „Rechte Fraktion“ um Le Pen, Salvini, Vilimsky für die Demokratie in Europa?

Weidenholzer: Alle genannten Namen betreiben eine Politik der Vorurteile und Angstmache. Wir müssen schon aufpassen, dass der rechte Rand im EU-Parlament keine Überhand gewinnt. Dann wäre ein parlamentarisches Arbeiten sehr schwierig. Die Vertreter der rechten Fraktionen tauchen im EU-Parlament nur auf, um dagegen zu stimmen. Es besteht da kein Interesse Lösungen zu erarbeiten für die wichtigen Themen der Zukunft.

Tips: Sie haben sich in den Jahren vom letzten Platz im EU-Parlament bis ganz nach vorne gekämpft. Wie ist Ihnen das gelungen?

Weidenholzer: Für einen EU-Abgeordneten aus Österreich ist das nicht selbstverständlich. Für meine Arbeit im EU-Parlament war wichtig, dass ich den sozialdemokratischen Werten treu geblieben bin und trotzdem über den politischen Tellerrand geblickt habe. Das heißt, Allianzen mit anderen einzugehen, wenn sie der Sache dienen. Nur durch diesen Austausch, viele Gespräche und viel Beharrlichkeit kann das Europäische Parlament erfolgreich sein.

Tips: Wie schätzen  Sie die Chancen der SPÖ-Kandidaten bei der EU-Wahl ein?

Weidenholzer: Ich bin optimistisch. Besonders die jungen Wähler wissen, dass die Themen ihrer Zukunft nur mit einem „Ja“ zu Demokratie und zu Europa verantwortungsvoll behandelt werden. Ich unterstütze bei der Wahl Hannes Heide, unseren Kandidaten aus Bad Ischl. Er will Europa wieder in die Regionen bringen. Und genau das ist wichtig, dass jeder Einzelne spürt und erlebt, was wir von der EU haben.

 

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